Mädchen bei der Feuerwehr

Annette Persch

"Wenn ich in meinem Anzug zur Übung gehe, dann schauen mir die Leute auf der Straße erstaunt hinterher", sagt Maren, ein Mädchen bei der Jugendfeuerwehr Offenburg. Wir haben die Feuerwehrfrauen bei einer Übung besucht.



Der Müllcontainer brennt lichterloh. Mit Blaulicht und Sirene kommt der Feuerwehrwagen um die Ecke gebogen. Sieben Paar Füße in schweren Stiefeln springen aus dem Auto heraus, sechs Hände greifen zum Schlauch, der knapp zwölf Kilo wiegt und sofort sprinten die Feuerbekämpfer in Schutzmontur zur Brandstelle. Im Ernstfall wäre das Feuer in wenigen Sekunden gelöscht, doch hier dauert es etwas länger: Es ist nur eine Übung – und Caroline, Maren und Lisa trauen sich noch nicht so nah an den Brand heran, sie gehen lieber auf Abstand.

Die drei jungen Frauen gehören zu einer Gruppe von insgesamt zehn Mädchen zwischen elf und 16 Jahren, die in der Jugendfeuerwehr Offenburg aktiv sind. Sie kommen aus den umliegenden Stadtteilen und Dörfern und lernen in den dortigen Feuerwehrtrupps die Basis der Brandbekämpfung. Erst nach einer Grundausbildung und ihrem 18. Geburtstag dürfen die Mädchen an Einsätzen teilnehmen.

Doch bereits jetzt sind die jungen Frauen wichtig für die Freiwilligen Feuerwehren der Region, sagt Jugendwart Sebastian Huber. Denn die Zahl der Jugendlichen, die der Feuerwehr beitreten, geht zurück. Gerade mal 70 Jugendliche sind derzeit in der Offenburger Feuerwehr aktiv. „Und weil die Mädels es genauso gut wie die Kerle können, hätten wir gerne noch mehr davon,“ sagt Bernd Mayerl, der stellvertretende Kommandant. Beim Löschen müsste der weibliche Nachwuchs aber noch seine Scheu vor dem Feuer ablegen: „Ein bisschen haben sie ja schon Angst, dass die schönen langen Haare kaputt gehen. Aber das gibt sich später von selber.“

Vom Rand aus schaut die elfjährige Stefanie zurückhaltend zu. Sie ist heute zum ersten Mal bei einer Feuerwehrübung dabei. Ihre Freundin hat sie mitgenommen, sie hatte Stefanie erzählt, was Jugendliche bei der Feuerwehr lernen und machen können.

So wie Stefanie finden die meisten Mädchen zur Jugendfeuerwehr. Es sind Freunde, Brüder oder Väter, die das Interesse wecken. Die 16-jährige Caroline ist seit fünf Jahren dabei. Sie kannte das Feuerwehrleben von ihrem Vater. Er hat sie nie überredet, mitzugehen. Sie wollte es von sich aus: „Es macht einfach Spaß. Und später bei Einsätzen werde ich dann Menschen helfen. Das ist es, was ich machen will.“

Im Gespräch abseits der Löschübung sind Caroline, Maren und Lisa typische Teenager, zum einen schüchtern, dann aber auch wieder kichernd. Der schwere Schutzanzug und die Helme überdecken nicht, dass darunter drei hübsche Mädchen mit langen Haaren und geschminkten Augen stecken.

Die drei üben gerne mit ihren männlichen Kollegen aus der Jugendfeuerwehr zusammen und finden es gut, dass sie in der Unterzahl sind, „weil es so keine Zickereien gibt“. Offiziell unterscheidet sich die Ausbildung innerhalb der Jugendfeuerwehr nicht: Die Mädchen müssen genauso fit sein und anpacken wie die Jungs, sagt Ausbilderin Nicole Moßmann. Die 15-jährige Maren bestätigt das, gibt aber zu, dass sie bei schweren Übungen gern mal jammert. Dann kommen die Jungs, um zu helfen.



Beim Löschen des Containers sind die Mädchen dieses Mal aber auf sich gestellt, die männlichen Kollegen schauen zu und kommentieren entspannt jeden Handgriff. Sie schreiten erst ein, als der Brand längst gelöscht ist, das Wasser aber noch immer strömt. Die Kraft der Mädchen reicht nicht mehr aus, um den Schlauch zuzudrehen. Klitschnass stehen sie in der Runde und lassen sich Tipps für die nächste Übung geben.

Vorbehalte gegen Mädchen und Frauen in der Feuerwehr gibt und gab es in Offenburg nicht. Bereits seit Gründung der Jugendfeuerwehr vor 17 Jahren sind Mädchen dabei. Die heutige Ausbilderin Nicole Moßmann war eines von ihnen. Für sie ist es unvorstellbar, dass Mädchen nicht ein Teil der Feuerwehr sein könnten. Skepsis schlage ihnen aber schon entgegen, erzählt Maren: „Wenn ich in meinem Anzug zur Übung gehe, dann schauen mir die Leute auf der Straße erstaunt hinterher.“

Auch die Jungs im Freundeskreis, sagt Caroline, finden ihr Hobby seltsam, aber das lasse sie kalt. Freundinnen seien da offener. Ein neues Mitglied hat die Jugendfeuerwehr an diesem Abend gewonnen: Stefanie ist begeistert von dem, was sie gesehen hat. Sie will ab sofort mitmachen. Wer einmal anfängt, steigt so schnell auch nicht wieder aus, wie Sebastian Huber berichtet: 90 Prozent aller Mädchen, die bei der Jugendfeuerwehr trainieren, bleiben dabei.

Und das, obwohl der Anfang für die Mädchen hart ist: Das Schlimmste waren für Caroline und Lisa die schweren Schuhe, das Rennen ähnelte zu Beginn eher einem Ententanz. Seine Eitelkeit müsse man schnell ablegen, sagt Maren: „Die ersten drei, vier Male habe ich noch versucht, den Schutzanzug so zu richten, dass er hübsch sitzt. Aber das war mir dann schnell egal.“ Bei ihren anderen Hobbys geben sich die drei angehenden Feuerwehrfrauen etwas mädchenhafter: Reiten und Tanzen.



Frauen bei der Feuerwehr

Nicht nur in Offenburg, sondern vor allem in den wirtschaftlich schwachen Regionen Deutschlands sind die Freiwilligen Feuerwehren auf neue, weibliche Mitglieder angewiesen. Denn dort müssen die Männer häufig weit zu ihrer Arbeitsstelle fahren oder verfügen im Beruf über wenig zeitliche Flexibilität. Für einen Einsatz wären die Männer daher nicht rechtzeitig vor Ort.

Deshalb starteten zum Beispiel in nordhessischen Gemeinden die Feuerwehren ihre Kampagne „Frauen an den Brandherd“: Halbtags arbeitende Mütter und Hausfrauen sollen vermehrt für die Feuerwehr gewonnen werden. Mittlerweile engagieren sich bundesweit etwa 75000 Frauen bei den Freiwilligen Feuerwehren, das entspricht einem Anteil von 7,25 Prozent.

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