Maddis'son Brass Band: Blasmusik in cool

Benedikt Nabben

Blasmusik ist uncool? Von wegen! Die acht Musiker der Maddis'son Brass Band beweisen seit Jahren das Gegenteil, sowohl auf der Straße als auch auf großen Bühnen. Das Porträt einer Band, die stolz auf den alten Fred ist, und niemals eine Zugabe spielt:



Es ist heiß, eng und laut, die Menge tanzt, die Band gibt auf der Bühne den Takt vor. Und dann ist es vorbei. Zugabe? Nicht bei der Maddis’son Brass Band. Jeder eingefleischte Fan der Freiburger Band weiß, was er nun zu rufen hat: “Extralied!” Hä, Extralied?

“Wir haben mal eine Liveaufnahme gemacht”, erzählt Saxophonist Matthias, “bei der am Ende alle eine ‘Zugabe’ gefordert haben, nur ein einziger Fan hat direkt vor dem Mikrofon ‘Extralied’ gerufen. Seitdem gibt es bei der Maddis’son Brass Band nur noch Extralieder.” Trompete, Posaune, Saxophon, Horn, Susaphon, Schlagzeug und Horn -  wenn die sieben Männer und eine Frau loslegen, entsteht der einzigartige “Maddis’son Brass-Sound” mit Elementen aus Ska, Balkan und Funk. “Die Leute sind oft überrascht, was man mit Bläsern und einem Schlagzeug alles machen kann”, erzählt Bandgründer Matthias.

Mit Jazz, Brass und dem Verhältnis dieser beiden Stilrichtungen beschäftigte er sich in einer Projektarbeit zu Oberstufenzeiten - entstanden ist daraus eine Band, die seit vielen Jahren die Menschen zum Tanzen bringt und inzwischen vor großem Publikum auftritt: “Beim Campus-Open 2011 waren wir Headliner und haben vor bestimmt 2.500 Menschen gespielt”, sagt Schlagzeuger Michael. Auch auf der Klassenerhaltsparty des SC-Freiburg durften die Brasser im letzten Jahr einheizen.



Matthias ist nicht nur Gründer, sondern auch Namensgeber der Band. Matthias wurde zu “Maddis” und da er “der Bandpapa ist”, wie es Susaphon-Spieler Jan-Christoph liebevoll beschreibt, verbirgt sich der Rest der Band im angehängten “son”. Der Apostroph dazwischen steht dort nur, “weil er so gut aussieht”, meint Matthias. “Inzwischen schreiben es sogar die meisten Menschen richtig”.

Ob auf der großen Bühne, beim Dorffest oder der Geburtstagsfeier - um fehlerfrei und professionell auftreten zu können, treffen sich die Musiker regelmäßig zu Probesessions in einem dunklen Kellerraum unter der Pizzeria Picasso. Fast alle Stücke sind Eigenkompositionen der Band, Noten gibt es keine. “Das wäre zu viel Arbeit,  wir machen uns nur Notizen”, meint Trompeter Simon. Und so entstehen neue Stücke durch Vor- und Nachspielen und “gemeinsames Ausarbeiten”, wie es Matthias beschreibt.

Fast alle Bandmitglieder haben ihr Hobby inzwischen zum Beruf gemacht oder arbeiten zumindest daran. So spielen Musikstudenten, Instrumentenbauer und Musiklehrer zusammen. Da inzwischen die halbe Band nicht mehr in Freiburg lebt, treffen sie sich immer wieder zu intensiven Probewochenenden. Und natürlich zu den Auftritten. Das waren allein im letzten Jahr ungefähr 50 Stück.

Maddis'son Brass Band - East to West



Quelle: YouTube


Wenn die Maddis’son Brass Band unterwegs ist, dann nur mit ihrem treuen Begleiter, dem Bandbus “Fred”. Mit dem altersschwachen, dunkelroten Kleinbus sind die Brasser schon so weit herumgereist, dass sie locker einmal um den Äquator hätten fahren können. Auch wenn Fred mal im Bodensee-Schlamm stecken geblieben ist oder einen Berg nicht herauf kam, irgendwie hat er die Musiker immer zu ihrem Ziel gebracht. “Einmal sind wir zu einem Auftritt auf den Schauinsland gefahren”, erzählt Susaphon-Spieler Jan-Christoph, “und kamen den Berg nicht hoch, weil uns der Sprit ausgegangen ist. Dann kam zufällig ein Gast der Feier, auf der wir auftreten sollten, vorbei und hat uns mit einem Kanister Sprit ausgeholfen”.

Sogar bis in die Sommersonne Südfrankreichs hat Fred seine Eigentümer schon gefahren. “Wir hatten bei einem Auftritt statt Gage ein Ferienhaus in Südfrankreich versprochen bekommen”, erzählt Matthias, “und so sind wir dann für eine Woche dorthin gefahren und haben Musik gemacht”. Wenn die Band in fremden Ländern und Städten unterwegs ist, kann sie kaum jemand überhören. Bei Straßenmusikauftritten machen die Brasser auf sich aufmerksam, bewerben ihre Konzerte, verkaufen die eigenen CDs und verbessern ihr Zusammenspiel: “Straßenmusik ist für uns eine ideale Möglichkeit, konzentriert zu üben”, mein Matthias. “Das geht besser, wenn viele Menschen zuhören.”

Ende März hat die Maddis’son Brass Band ihre Musiksaison 2013 im Waldsee eröffnet. Und die nächsten Auftritte sind geplant, die Musiker motiviert. Eines sollte jedoch jeder Veranstalter beachten: “Grundsätzlich spielen wir nur”, stellt Posaunist Johannes klar, “wenn wir Essen bekommen. Ganz egal, wie hoch unsere Gage ist, Essen ist immer das Wichtigste.”



Mehr dazu:

Was: Maddis´son Brass Band (Support: Tromsö Beach Club)
Wann: Freitag, 12. April 2013, 20:30 Uhr
Wo: MensaBar, Mensa Rempartstraße
Eintritt: 10 Euro, 6 Euro ermäßig

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