Rundgang

Macromedia-Absolventen stellen kreative Abschlussarbeiten aus

Carla Bihl

Am Samstag stellten die Studierenden der Hochschule Macromedia in Freiburg beim alljährlichen Rundgang ihre Abschlussarbeiten aus. Wegen Corona war das Besucheraufgebot dieses Mal etwas kleiner als sonst.

Kunst ist mehr als nur Mona Lisa und zerflossene Dalí-Uhren. Das wurde beim alljährlichen Rundgang der Hochschule Macromedia in der Haslacherstraße einprägsam demonstriert. Frei nach der Formel: Je weiter oben im Gebäude, desto kreativer – so die Ankündigung von Christofer Grass, Marketing-Manager der Hochschule.


Wen sehe ich im Spiegelbild?

Ein Spiegel mit kleinen Nägeln: In einem kleinen von zwei Wänden abgetrennten Atelier trifft man auf Marco Spitz, 21 Jahre alt und im 4. Semester der Bildenden Kunst. Er stellt sich in seinen Werken unter anderem die Frage: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Realität und Virtualität. Da schwinge natürlich auch immer etwas Gesellschaftskritik mit: Was sieht man im Spiegelbild? Bin das ich? Und wie ist das eigentlich bei Instagramer*innen? Sind das richtige Personen?

Sex ist überall

Ada Neguer, 29, setzt sich in ihrer Bachelorarbeit aus dem Fach Integrierte Gestaltung mit Tabus in der Fotografie auseinander. Dafür fotografierte die gebürtige Israelin, die bereits einen Bachelor in Kunstgeschichte hat, 20 Leute aus drei verschiedenen Ländern mit ihren Sexspielzeugen – wegen Corona per Skype und mit Screenshotfunktion. Sie wollte zeigen: Sex ist überall, die Spielzeuge ein Teil des Lebens. Der Umgang damit sei in den Ländern aber unterschiedlich. Neben den Screenshots setzte sie ihr eigenes Spielzeug in Szene und arbeitete dabei mit Spiegelungen.

Ein Ökosystem aus Teebeuteln

Auch Corona spielte in diesem Jahr eine große Rolle – ob arbeitstechnisch oder inhaltlich. So auch bei der 22-jährigen Kunst-Studentin Maristella Witt, 4. Semester. Das Homeoffice stellte aufgrund der räumlichen Größe gerade Studierende eines solch praxislastigen Studiengangs vor Herausforderungen. Für sie waren unter anderem psychische Gesundheit und Soziale Angst ein Thema. Mit einer Ökosystem-Installation aus Teebeuteln, näherte Sie sich der Frage: Was braucht dieses?

Instagram-Gespräche

Ein Beamer wirft Chatprotokolle auf einen weißen Sockel. Dort trifft man Bilge Kizil. Die 27-Jährige stellt ihre Abschlussarbeit aus dem Fach Integrierte Gestaltung vor. Sie führte Gespräche mit 20 Leuten, die am Bildmedium arbeiten. Ihr Forschungsgegenstand: Diversität und Ambiguität in der Dokumentarfotografie. Weil sich der Vorgang als fruchtbar erwies, kontaktierte die Absolventin alle Gesprächspartner per Instagram und sendete ihnen später einen Fragenkatalog zu.

Ein reizvolles Zwischengefühl

Wenn man seit seinem fünften Lebensjahr Musik macht, sich dann an der Fotografie probiert, darüber an die Malerei beziehungsweise Collagen kommt, liegt ein Studium der Bildenden Kunst nahe. Miriam Beichert, 21 Jahre alt, studiert im 4. Semester. Für sie sind die Werke mehr als ihre Oberfläche: "Sie strahlen gewissen Empfindungen aus, die mit Worten nicht immer zu erklären sind, ein Zwischengefühl. Das ist sehr reizvoll. Sie lassen einen Dinge fühlen, die man sonst nicht fühlt."

Einhörner und Gedichte

Gesellschaftskritik in einem pinken Raum voller Einhörner, Großraumateliers, Gemälde der Hong-Kong-Proteste, religiöse Teppiche, Gedichte, Bildprojektionen. Der Rundgang an der Hochschule Macromedia zeigte: Kunst ist alles und überhaupt nicht einheitlich. Oder um es in Pablo Picassos Worten zu sagen: "Wenn ich wüsste, was Kunst ist, würde ich es für mich behalten."
Den Rundgang gibt es auch virtuell auf www.rundgang-campus-freiburg.de

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