Premiere

Live und vor Publikum: Tanzperformance "Naked Love" wird im E-Werk aufgeführt

Angela Woyciechowski

Die Tanzproduktion "Naked Love" der Choreografin und Tänzerin Karolin Stächele feiert nächste Woche im E-Werk Premiere. Zentrales Thema ist die Frage: Wie liebst Du? fudder sprach mit der Choreografin über das Stück, die Liebe und Tanzen in Corona-Zeiten.

Die Tanzproduktion nennt sich "Naked Love". Wieso?

Der Titel ist sehr intuitiv entstanden, ohne dass ich groß danach gesucht habe. Für mich hat "Naked Love" etwas Rohes, Unzensiertes, Unbedecktes. Das heißt nicht, dass es im Stück um die Nacktheit an sich geht, sondern es geht eher um das Aufdecken von Dingen, die wir gerne verstecken und darum, sich an Tabus anzunähern. In dem Stück zeigen wir viel Haut und haben viel mit Hautkontakt zu tun, aber es geht nicht um den sexualisierten Körper.
Die Performance kann aufgrund der aktuellen Inzidenz-Zahlen live und vor Publikum – unter den geltenden Corona-Bestimmungen – aufgeführt werden.

Was kannst Du zur Dramaturgie und Musik des Stücks sagen?

Das Stück nennt sich "Naked Love: A love circle in dance" und ist angelehnt an Arthur Schnitzlers Theaterstück "Der Reigen", das vor hundert Jahren seine Premiere gefeiert hat. Die Struktur des Stücks ist aufgebaut, wie ein Kreis: Es gibt zehn Dialoge, wo es um ein Ehepaar geht, welches nebenbei einige Affären hat. Betrug war damals ein großes Tabu-Thema. Dieses Theaterstück habe ich als Struktur genommen. Das heißt, das ganze Tanzstück hat auch zehn Dialoge, wobei ich einen Prolog und einen Epilog hinzugefügt habe. Die Musik zu dem Stück kommt von Paul Tinsley, der ein Motiv komponiert hat, das in jeder Szene verändert auftaucht. Mir geht es, wie Arthur Schnitzler, um Begegnungen, nur eben hundert Jahre später. Auf meiner Recherchereise habe ich viele Arten von Liebesbeziehungen erlebt und das fließt alles in mein Tanzstück mit ein.

Im Zentrum der Performance stehen fünf Tänzerinnen und Tänzer. Wie hast Du diese ausgewählt?

Für mich waren drei Kriterien wichtig: Zum einen Vielseitigkeit. Das bedeutet, ich wollte Menschen finden, sie sich auch transformieren können – also sich in verschiedene Rollen reinempfinden können. Meine Art, Choreografien zu bauen, entsteht stark in Zusammenarbeit mit den Mitwirkenden. Ich arbeite viel mit Improvisation, das heißt, mir war auch wichtig, dass die Mitwirkenden selbst Material kreieren können. Und letztlich habe ich auch mein Bauchgefühl entscheiden lassen.

Welchen Einfluss hat Corona auf die Produktion?

Es ist natürlich eine unglaubliche Herausforderung, mit einem internationalen Cast zu arbeiten, während Corona. Wir mussten organisatorisch, aber auch rechtlich schauen, was möglich ist – trotz Pandemie. Wir begeben uns zum Beispiel in eine Art von Arbeitsquarantäne und müssen auch zusammen leben, damit wir uns im Studio dann auch berühren dürfen. Wir tanzen nicht mit Masken und haben auch keinen Abstand zueinander. Deshalb dürfen die Tänzerinnen und Tänzer auch nicht groß andere Aktivitäten machen und werden ständig getestet. Also das alles ist schon krass.

Was ist das Ziel von "Naked Love"?

Auf jeden Fall die Vielschichtigkeit von Liebe zu zeigen. Und auch zu zeigen, dass es letztlich immer um Loslassen und Zulassen geht. Ich habe auf meiner Recherchereise so viel erfahren und ich habe mich gefragt, wie es mir möglich ist, das über eine abstrakte Bewegungssprache dem Publikum näher zu bringen. Und wie ich berühren und die Berührung weiter geben kann, die ich erfahren habe. Ich habe zum Beispiel ein recht ausführliches Programmheft gebastelt, wo es mehr als nur ein bisschen Text gibt, sondern auch Zitate von den Menschen, mit denen ich gesprochen habe.

Was treibt Dich an – künstlerisch gesehen?

Mich treiben in meiner Kunst Dinge an, die mich irritieren, die irgendwie zunächst unbequem sind und eine Unsicherheit in mir auslösen. Dinge, die nicht so im Rampenlicht stehen, sondern eher im Schatten – das inspiriert mich sehr. Alles, an der Schnittstelle zwischen Scham und Schönheit fasziniert mich. Also, wie kann man in etwas Ekligem, Dunklem oder Verdecktem das Schöne entdecken.
Was: Naked Love
Wann: Premiere, Donnerstag, 10. Juni, 20 Uhr, Freitag, 11. Juni, Samstag, 12. Juni, 20 Uhr, Sonntag, 13. Juni, 19 Uhr
Zudem wird diese Vorstellung innerhalb der Dance Dates 2021 gezeigt.
Wo: E-Werk Freiburg, Saal

Info: Gefördert von TANZPAKT Stadt-Land-Bund aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. | Mit freundlicher Unterstützung des Aktionstheaters PAN.OPTIKUM und LI-Germany.