Offener Brief

Linke und jüdische Gruppen sind verärgert über Absage der Gedenkfeier zur Pogromnacht

Manuel Fritsch

Mehrere Gruppen in Freiburg kritisieren, dass die Gedenkveranstaltung zum 9. November einseitig abgesagt wurde – aber Querdenker in der Stadt demonstrieren durften.

Mehrere feministische und linke Gruppierungen sowie die Israelitische und die Egalitäre Jüdische Gemeinde kritisieren in einem offenen Brief, dass die Gedenkveranstaltung am 9. November auf dem Platz der alten Synagoge abgesagt wurde, dafür aber am Rathausplatz einige Hundert Meter weiter mit einer Versammlung aus dem "Querdenken"-Umfeld eine öffentliche Veranstaltung stattgefunden hat, die nach rechts zumindest offen ist.


Am 9. November gedenken verschiedene Gruppen jedes Jahr der Zerstörung der Freiburger Synagoge und der Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus. In diesem Jahr sagte die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) die Gedenkveranstaltung jedoch ab. Die Stadtverwaltung hatte aufgrund der Corona-Situation dringend von der Veranstaltung abgeraten.

Absage aus Rücksicht auf die Teilnehmer

Verschiedene normalerweise an der Veranstaltung beteiligte Gruppen kritisieren diese Entscheidung. Sie sei "ohne weitere Absprache mit den Mitveranstaltenden" abgesagt worden, obwohl doch verschiedene Gedenkfeiern davor gezeigt hätten, dass solche auch unter Einhaltung der Corona-Regeln möglich seien.

Heike Jansen von der GCJZ kann die Kritik nicht ganz nachvollziehen. Veranstalter seien einzig sie und die Stadt Freiburg, die anderen Gruppen seien für die Gestaltung des Programms mitverantwortlich, nicht jedoch für die Veranstaltung an sich. Daher seien sie in die Entscheidung über die Absage nicht miteinbezogen worden. Die GCJZ habe es sich nicht leicht gemacht, die Veranstaltung abzusagen, jedoch hätten sie Schwierigkeiten gehabt, genügend Ordner aufzutreiben, und da die meisten ihrer Mitglieder zur Risikogruppe gehörten, habe sich die Gesellschaft schließlich entschlossen das öffentliche Gedenken abzusagen. Dass die Querdenker am selben Tag auch eine Kundgebung geplant hatten, sei ihnen nicht bekannt gewesen.

Gedenkveranstaltung fand zu Teilen online statt

Diese haben ursprünglich auf dem Synagogenplatz demonstrieren wollen, jedoch habe die Stadtverwaltung sie dann dazu bewegen können, auf den Rathausplatz auszuweichen, sagt Rathaus-Sprecher Sebastian Wolfrum. Die Querdenken-Veranstaltung mit Rücksicht auf das Datum der Reichspogromnacht abzusagen, wie es die Autorinnen und Autoren des offenen Briefes fordern, sei nicht möglich gewesen. Die Versammlungsfreiheit ist verfassungsrechtlich geschützt, Verbotsgründe hätten nicht vorgelegen.

Die Gedenkveranstaltung fand schließlich zu Teilen online statt – ein Grußwort von OB Martin Horn ist noch auf der Homepage der GCJZ zu lesen –, außerdem feierte die Israelitische Gemeinde einen Gedenkgottesdienst.