fudder-Serie

Liebe in Zeiten von Corona: Wenn die Regierung die Beziehung nicht anerkennt

fudder-Redaktion

Liebe ist ein essentieller Reisegrund – auch ohne Ehering, meint Gastautorin Julia aus Freiburg und plädiert dafür, Partner einreisen zu lassen. Sie hat ihren peruanischen Freund das letzte Mal im Dezember gesehen – und weiß nicht, wann das nächste Mal sein wird.

Wir suchen noch mehr Geschichten! Wie erlebt, gestaltet, rettet ihr Sex, Kennenlernen, Partnerschaft, Streit und Alltag in dieser Zeit? Habt ihr eure Hochzeit verschoben oder tindert ihr weniger als sonst? Wir freuen uns, wenn ihr eure Erfahrungen mit uns teilt, gerne auch anonym. Schreibt uns eine Mail an info@fudder.de.

Der 13. März war für mich der dunkelste Tag des Jahres. Mein Freund rief mich an und schaute traurig in die Kamera. Die peruanische Regierung hatte gerade die Grenzschließung verkündet und alle internationalen Flüge verboten. Für uns bedeutete das Trennung auf unbestimmte Zeit und ohne Perspektive. Eine Woche später wäre ich für drei Wochen zu ihm geflogen, um ihn zu besuchen. Im Juli wäre er her gekommen, im November wieder ich. Die Flüge wurden stornieren.

Wir leben seit einem guten Jahr in einer Fernbeziehung über 10.000 Kilometer und auf zwei Kontinenten. Das letzte Mal haben wir uns im Dezember gesehen. Was normalweise auch schon eine Herausforderung ist, wird gerade durch die Einreisebeschränkungen zur absoluten Tortur. Zu wissen, dass ich nicht mal im Notfall zu ihm reisen könnte oder er zu mir. Die Hoffnung, die langsam schwindet, dass wir uns dieses Jahr überhaupt noch in die Arme nehmen werden. Das ist kaum auszuhalten.

Kennengelernt haben wir uns Anfang letzten Jahres, als wir beide einen Tandempartner gesucht haben um Spanisch und Deutsch zu üben. Wir schrieben fast jeden Tag und tauschten uns über die Arbeit, unsere Kulturen und Sprachen aus. Als er schließlich für ein Praktikum nach Süddeutschland kam, besuchte ich ihn und von da an verbrachten wir die folgenden Wochenenden immer zusammen und wurden ein Paar. Bevor er nach drei Monaten nach Hause flog, beschlossen wir, dass wir zusammen bleiben wollten und schmiedeten Zukunftspläne. Corona und die Reisebeschränkungen kamen dazwischen.

Nachdem ich drei Monate wie gelähmt abgewartet hatte, hielt ich es nicht mehr aus. Das Leben um mich herum normalisierte sich mehr und mehr, die Parks waren voll, alle durften wieder Freunde und Familie treffen und in den Urlaub fahren. Und wir konnten uns immer noch nicht sehen. Wie mir ging es vielen. Und so organisierten wir uns in den sozialen Medien und mit den Hashtags #LoveIsNotTourism und #LoveIsEssential um Aufmerksamkeit für unsere Situation zu erwirken.
Liebe in Zeiten von Corona: Wenn der Lockdown zusammenschweißt

Am 1. Juli wurde die Einreise von Kindern und Ehepartnern als essentieller Reisegrund angesehen, aber unverheiratete Partnerschaften wurden als nicht gleichwertig angesehen. Deutschland hat trotz Versprechungen keine Lösung gefunden. Dabei gibt es die schon. Dänemark hat als erstes Land in Europa die Einreise unverheirateter Partner zum wichtigen Ausnahmegrund für Reisen erklärt. Paare müssen eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass sie in einer festen Beziehung sind. Norwegen, Österreich, die Niederlande, die Schweiz und Tschechien zogen nach. Teilweise müssen die genauen Bedingungen noch beschlossen werden aber sie geben ihren Bürgern eine Perspektive. Und erkennen, dass Liebe auch ohne Ehering ein essentieller Reisegrund ist. Deutschland ist leider offenbar noch nicht so weit.

Bald werde ich 30 und ich wünsche mir nur, meinen Freund wieder zu sehen. Ohne Bildschirm zwischen uns.

Mehr zum Thema: