Leere Flecken in unserer Mitte: Die KaJo-Mülltonnen sind weg

Martin Jost

In der KaJo sind am Freitagmittag alle Mülltonnen verschwunden. Gäbe es nicht die dunklen Flecke am Boden, könnte man meinen, es hätte sie nie gegeben. Hier unsere Frage: Wo wird der Papst denn jetzt sein Kaugummipapierchen hinwerfen?

Hier stand mal eine Tolle Tonne. Kaum kuckste nich hin, isse weg. Wir haben natürlich einen Verdacht, wo sie und ihre Schwestern hin gekommen sein könnten. Aber ganz sicher sind wir uns nicht. – Einige Ansätze:

  • Denkmalschutz-Interpretation
    Leider haben die Tollen Tonnen in der kurzen Zeit, die sie der Witterung ausgesetzt waren, am sauren Regen schwere Schäden genommen. Sie werden durch moderne Sandsteinkopien ersetzt, die Originale werden zu ihrem Schutz und gleichzeitig zur Freude eines breiten touristischen Publikums ins Augustinermuseum verbracht.
  • Freiburger-Autonome-Interpretation
    Der öffentliche Raum schrumpft, immer mehr gemeinschaftliche Mülltonnen werden kapitalisiert. Schwarze Bretter und Anschlagstellen für die Bewerbung unabhängiger Veranstaltungen und zur politischen Meinungsäußerung werden uns gestohlen. Zuletzt wurden die Freiburger Litfaßmülltonnen mit aufdringlich niedlichen Kinderbildern beklebt und fielen so als Plakatflächen weg. Anarchisten haben die Mülltonnen gemopst, um insgesamt sieben Quadratmeter KaJo für die Öffentlichkeit zurück zu erobern. Deine Stadt gehört dir! Peace out.
  • Postmoderne Interpretation
    Das Kunstwerk ist nur eine Seelen-Emanation des Künstlers. Die Botschaft ist flüchtig, eine „genaue“ Interpretation kann es nicht geben und das Werk sollte nicht länger auf unserer Netzhaut leben als ein flüchtiger, ausgesprochener Satz. Wir hatten nun einige Monate Gelegenheit, die Werke der klassischen Malerei auf Freiburger Mülltonnen in uns aufzunehmen – als geplanter Teil des Happenings sind sie nun wieder abgebaut, damit wir uns überlegen können, was die Kunst für einen Eindruck auf unserer Seele hinterlassen hat und ob es Kunst auch nur in der Erinnerung geben kann.
  • Wort-zum-Sonntag-Interpretation
    Mit Jesus und der Liebe ist das wie mit den Mülltonnen: Erst wenn du mit deinem Kaugummi in der Hand durch die Straße schlenderst und du kannst dich seiner nicht entledigen; erst wenn die Spucke am Finger trocknet und der Brocken Spearmint immer mehr klebt; erst, wenn du eine Mülltonne brauchst und nichts als einen dunklen Fleck vorfindest, wirst du merken, was du an dem Papierkorb hattest. So ist es auch mit der Liebe in deinem Herzen. Du spürst sie umso mehr, wenn sie fehlt. Und wisse um die frohe Botschaft, dass Jesus gestorben ist um deine Sünden aufzunehmen, dass sie nicht an dir kleben mögen.

  • Paranoide oder profane Interpretation
    Der Papst ist ein ziemlich hohes Tier. Ganz abgesehen von politischen Gegnern gibt es immer ein paar Verrückte, die Promis nur weil sie berühmt sind umbringen wollen. Damit keine Zigarettenkippe aus Versehen einen alten Döner in dem Moment in einem der Papierkörbe zur Explosion bringt, in dem der Papst vorbei fährt, wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Denn früher als nötig möchte der Stellvertreter Gottes auf Erden dann doch nicht zur Nachbereitung in die Zentrale abbeordert werden.