Interview

"Lage der Nation"-Podcaster: "Podcasts werden das neue Standard-Radio-Format"

Alexander Schneider

Rund 200.000 Mal werden ihre Podcast-Folgen gehört: Am kommenden Sonntag kommen die beiden Macher hinter dem Politik-Podcast "Lage der Nation" zu einer Live-Show in den Paulussaal nach Freiburg. fudder hat Philip Banse vorab interviewt.

Wie ist der Podcast "Lage der Nation" entstanden?

Seit 1995 arbeite ich als Journalist und später vor allem für den Deutschlandfunk. 2005 gründete ich mit anderen Kollegen unseren ersten Podcast "Küchenradio". In dem Format Podcast kann man freier über bestimmte Themen reden. Ich denke, Podcasts werden das neue Standard-Radio-Format. Ich wollte schon länger einen Podcast wie die "Lage der Nation" starten und 2016 habe ich mich mit Ulf Buermeyer zusammen gesetzt und es hat einfach gepasst.

Was sind die Vorteile eines Podcasts?

Ich sehe die "Lage" als zwei-Wege-Kommunikation und nicht als bloßes Senden. Wir haben eine viel direktere Beziehung zu unseren Zuhörern. Wir warten nach jeder Folge gespannt auf die Kommentare und das Feedback und finden auch inhaltliche Kritik sehr wichtig, die uns daraufhin hinweist, ob wir nicht vielleicht ein wichtiges Detail vergessen haben. Die Zuschauer haben einen gewissen Anteil an der Show, in dem sie kommentieren, Themen vorschlagen oder auch Artikel schicken. Es ist eine permanente Diskussion. Meiner Meinung nach ist das nirgends so stark ausgeprägt wie beim Podcasten.

"Im Endeffekt muss es uns interessieren und Spaß machen."

Wie bereitet ihr euch auf eine Folge vor?

Nachdem eine Podcast-Folge hochgeladen wurde, beginnt direkt die Vorbereitung auf die nächste. Ulf betreut meist die Kommentare der neusten Podcast-Folge und wenn ihm auffällt, dass die Menschen wichtige Themen ansprechen, die wir in der letzten Folge vergessen haben oder wir darauf hingewiesen werden, dass wir uns einen Fehler erlaubt haben, fließt das auch in die nächste Folge. Wir sammeln über die ganze Woche hinweg interessante Artikel oder auch zum Beispiel Twitter-Diskussionen in einem Dokument. Unter der Woche veranstalten wir meist eine Telefonkonferenz, in welcher wir über die essentiellen Themen sprechen, die in die nächste Folge müssen. Dann evaluieren wir, ob wir zu diesen Themen noch einen Gast einladen sollten oder wir uns einfach noch mehr über diese Themen informieren müssen. Danach haben wir dann noch ein bis zwei Tage Zeit für die Recherche und am Wochenende treffen wir uns dann zur Aufnahme. Da investieren wir vorab wieder drei bis vier Stunden in die Vorbereitung und gehen nochmal über die Themen: Welche Themen sind gerade am wichtigsten für unsere Zuhörer? Welche sind uns persönlich wichtig? Können wir etwas zu diesen beisteuern? Im Endeffekt muss es uns interessieren und Spaß machen.
Lage der Nation

Seit 2016 betreiben Philip Banse, Journalist und Podcaster, und Ulf Buermeyer, Jurist aus Berlin, gemeinsam den Podcast "Lage der Nation". In diesem fassen die beiden das politische Geschehen der letzten Tage zusammen und veröffentlichen einmal in der Woche eine Folge des Podcasts. Im Schnitt hören 200.000 Menschen eine Folge, erzählt Philip Banse.

Berichtet ihr objektiv über eure Themen?

Was bedeutet schon "objektiv" im Journalismus? Was wir versuchen, ist fair und umfassend zu sein und so viele Ansichten wie möglich zu sammeln. Am Ende versuchen Ulf und ich uns anhand der Fakten eine Meinung zu bilden und argumentativ zu begründen, wie wir zu dieser gekommen sind. Natürlich sind wir nicht objektiv, aber wir versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen über die Themen zu berichten.

Kann man vom Podcasten leben?

Ulf ist ja Jurist, aber ich kann inzwischen davon leben – damit geht ein Traum für mich in Erfüllung. Wir finanzieren uns über vier Wege: Unsere Zuhörer können uns durch direkte Spenden unterstützen. Dann läuft noch hin und wieder Werbung in unserem Podcast. Man kann unter kuechenstud.io/plus auch ein Abo machen und jede Folge dadurch werbefrei hören. Und wir haben natürlich unsere Live-Events.

"Natürlich sind wir nicht objektiv, aber wir versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen über die Themen zu berichten."

Warum sollte man zu einer Live-Show kommen?

Die Live-Shows laufen eigentlich gleich ab wie unsere Podcast-Folgen – nur dass alles mit viel mehr Aufwand verbunden ist. Sie sind eine gute Möglichkeit, um die Community zu treffen und nach der Show noch ein Bier zusammen zu trinken. Dabei entstehen immer interessante Gespräche und die Show selbst ist meist auch etwas lockerer und witziger.

Warum kommt ihr nach Freiburg?

Unsere Mitarbeiterin Ciara kommt aus der Nähe von Freiburg und zu der richtigen Zeit wurde auch eine schöne Location frei. Wir wollen in jedem Zipfel der Republik präsent sein und in der Umgebung waren wir noch nicht.
  • Was: Lage der Nation live
  • Wann: Sonntag, 12. Januar, 20 Uhr
  • Wo: Paulussaal, Dreisamstraße 3
  • Info: Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft.