LaBrassBanda: "I like to move it" als Blechblastechno

Anna-Lena Zehendner & Alexander Ochs

Fünf Jungs vom Chiemsee haben es gestern Abend geschafft, ein von Hitze ermattetes Publikum in einem 40 Grad heißen Zelt mit bayrischer Blasmusik zum Toben zu bringen. Gelungener ZMF-Auftakt, so kann's weitergehen (mit Fotogalerie).



Noch ist die Band nicht auf der Bühne und viele der schon bald abzappelnden Besucher sitzen, träge vor Hitze, auf den großen Stufen an den Seiten des Zirkuszeltes. Wer keinen Fächer hat, dessen Konzertkarte wird mal eben schnell zu einem umfunktioniert. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, in einer finnischen Sauna gelandet zu sein, in der jeden Moment der dickbäuchige Saunameister einen neuen Aufguss macht.

Statt Aufguss gibt‘s was auf die Ohren und statt dickbäuchigem Finnen stehen die fünf feschen Jungs von LaBrassBanda auf der Bühne. Barfuß und mit ihrem unvergleichlichen Blechblas-Techno haben sie schon nach wenigen Takten den Großteil – vor allem der jungen Zuhörer – aus ihrer Hitzeträgheit geblasen. Die Älteren staunen Bauklötze. Vor allem über die rekordschnellen, bayrischen Rap-Einlagen von Sänger und Trompeter Sepp. „Der bekommt ja gleich einen Knoten auf der Zunge“, sagt eine Mutter fassungslos zu ihrem Sohn. Zugegeben, der Sepp könnte wahrscheinlich rappen, was er wollte, denn verstehen kann man aufgrund des tiefbayrischen Dialekts und der rasenden Geschwindigkeit sowieso nichts. „I konn nua so redn“, entschuldigt er sich daher gleich zu Beginn. Aber das macht die Jungs um LaBrassBanda schließlich auch symphatisch.

Vor wenigen Wochen spielten die bayrischen Buam aus dem Chiemgau noch in strömendem Regen und nur für eine magere halbe Stunde auf dem Southside Festival. Doch ihre Reggae-Persiflage Battyman, die sie kurz darauf auspacken, passt wesentlich besser in die Hitze eines Naturschutzgebietes. Nicht nur das Publikum ist euphorisiert, sondern auch die Band  lässt sich von der Stimmung mitreißen. Mit Tuba, Posaune, Trompete, Bass und Drumsticks im Gepäck nehmen die Jungs ein erfrischendes Bad in der Menge.



So viel Körpereinsatz, von beiden Seiten, benötigt zwischendurch auch eine kleine Auszeit. Bassist Olli gibt daher eine kurze Yogaeinlage zum Besten, danach steigern die Jungs das Tempo wieder. Anderthalb Stunden, mehrere circles of death und zwei Zugaben später reißt die Blasmusik-Technoversion von „Rhythm is a dancer“ und „I like to move it“ selbst die Randsteher mit, die bis zuletzt krampfhaft gegen den Bewegungsdrang ankämpfen wollten. Nassgeschwitzt, die Fächer und Fächerattrappen längst weggeworfen, verlassen alle zufrieden das Sauna-Zelt.

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Foto-Galerie von Blassportgruppe Südwest & La BrassBanda: Alex Ochs

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