Kurzfilm der Woche: Das Dilemma eines Grenzbeamten

Alexander Schneider

Im Kurzfilm "Papers, Please" wird die Moral eines Grenzbeamten auf die Probe gestellt. Hilft er Menschen in Not und riskiert dabei seinen Job oder hält er sich konsequent an die strikten Regeln, die ihm von seinem Vaterland vorgeschrieben werden?

Der Kurzflim "Papers, Please" basiert auf dem gleichnamigen Videospiel. Lucas Pope entwickelte das Spiel alleine und veröffentlichte es 2013 für die PC-Plattform Steam. Seit 2014 ist "Papers, Please" auch im iOS App Store erhältlich. Das Spiel wurde mit glänzenden Kritiken überschüttet und für sein simples, aber kreatives Spielkonzept gelobt, dass die Moral eines jeden Spielers auf die Probe stellt. Um das Filmerlebnis zu bereichern, ist es gut wenn man etwas mehr über das Spiel weiß:


Für die Familie

Im Spiel befindet man sich in der Rolle eines Grenzbeamten eines fiktiven autokratischen Staates namens Arstotzka. Der Staat kann einem jeden Tag neue und unsinnige Kriterien auftischen, anhand welchen man die Grenzübergänger selektieren soll. Man selbst ist ein einfacher Bürger, der nur seinen Job macht und seine Familie ernähren will. Hinzukommt, dass man sich nicht freiwillig für diese Stelle gemeldet hat, sondern vom Staat gezwungen wird.



Nun befindet man sich in einem Dilemma: Hilft man den Menschen in Not und riskiert seinen Job und damit das Leben seiner eigenen Familie oder hält man sich an die willkürlichen Regularien und beraubt Menschen um eine sichere Unterkunft? Wenn man gegen die Regeln des Regimes handelt, wird man selbst als Krimineller gehandelt.

Zeit ist Geld

Die Propaganda des Staates Arstotzka unterscheidet nur zwischen Freund oder Feind. Entweder sind die Menschen aus dem Nachbarstaat Kolechia Parasiten, die in den Genuss von dem glorreichen Arstotzka kommen wollen oder Terroristen die den Staat zerstören. Man selbst befindet sich gar nicht in der Position das alles zu hinterfragen, man macht einfach nur seinen Job. Während der Arbeit steht man ständig unter Zeitdruck und muss eine gewisse Anzahl an Einreisenden in einer begrenzten Zeit abhandeln. Erlaubt man sich einen Fehler und lässt jemanden falsches durch, regnet es Geldstrafen.

Selbst wenn man sich an die Regeln hält und alles richtig macht, ist das Geld knapp. Immer wieder tauchen Textfenster auf "Sohn: Hungrig, krank". Lässt man nun die Ehefrau eines zuvor durchgelassenen Mannes nicht durch, nur weil sie einen Schreibfehler im Nachnamen hat? Trennt man Familien, aber sichert sich dadurch das Brot auf dem Essenstisch der eigenen? Anstatt sich die Geschichten der Einreisenden anzuhören, kann man auch einfach alle direkt ablehnen. Das spart Zeit und Geld.

Grenzen von Gut und Böse

Wäre das alles nicht schon schwer genug, setzt das Spiel noch einen drauf. Im Gegensatz zu dem,wie es der Staat Arstotzka darstellt, sind die meisten Kolechianer keine Terroristen, sondern einfache Bürger, die sich die ein oder andere Lüge erlauben, um Asyl zu finden. Doch manche sind wirklich Terroristen. Wird man doch mal schwach und glaubt die Geschichte seines Gegenübers oder drückt bewusst ein Auge zu, geht man das Risiko ein, dass im nächsten Moment die gesamte Botschaft durch einen Suizidbomber zerstört wird.

Im Verlauf des Spiels wird man sogar angefragt, den Terroristen beizutreten und den diktatorischen Staat von innen zu zerstören. Das Spiel treibt das Schwarz-Weiß -Denken "entweder mit dem Staat oder gegen den Staat" auf die Spitze. Das wird keineswegs als eine gute Option dargestellt, genau so wenig wie dem Staat zu gehorchen, es wird dem Spieler selbst überlassen was er tut. Im Endeffekt kann man nur verlieren.

Der Kurzfilm zeigt in dem gleichen Szenario einen Grenzbeamten in seinem Arbeitsalltag. Doch dieser verläuft nicht so wie gedacht.