Kulturschock-Prophylaxe: Studentenwerk stimmt chinesische Studis mit Online-Game auf Freiburg ein

Martin Jost

Die Deutschen behalten es für sich, wenn es ihnen schmeckt. Dafür sagen sie einem voll ins Gesicht, wenn sie deine Arbeit nicht gut finden. Und sie niesen am Tisch! – Ein Onlinespiel des Studentenwerk impft chinesische Studierende jetzt gegen größere Kulturschocks.

Wir sind ja eigentlich alle nicht von hier. Bester Gesprächseinstieg unter Studenten in Freiburg ist immer: Wo kommst du her? Findest du die badische Mentalität und Sprache auch so exotisch?

Was für Nordlichter, Schwaben oder Preußen maximal kleine putzige Eigenarten sind, kann für einen Auslandsstudenten vom anderen Ende der Welt unüberbrückbare Hindernisse in der Kommunikation darstellen.

Rund 450 Chinesen bilden die größte Gruppe ausländischer Studierender an der Uni Freiburg. Für viele von ihnen ist der „Kulturclash“ sehr groß, sagt Ute Krystof vom Studentenwerk Freiburg. „Wie schlecht viele chnesische Studierende zurechtkamen, haben wir unter anderem an ihrem großen Bedarf in der psychotherapeutischen Beratungsstelle gemerkt. Wir haben zwischenzeitlich sogar eine chinesischsprachige Therapeutin eingestellt.“

Gemischtgeschlechtliche WGs, in denen die Mitbewohner nur mit einem Handtuch bekleidet aus der Dusche kommen; Studenten, die in der Vorlesung Kaffee trinken und Brötchen kauen; und Naseputzen bei Tisch – viele Details im deutschen Alltag waren für chinesische Studenten große Herausforderungen. Allein wie viel Wert man hier auf Privatsphäre legt und dass man sich durchaus in der Straßenbahn umsetzt, wenn ein Platz ohne Sitznachbar frei wird, wurde von ihnen als deutliche persönliche Ablehnung empfunden.

Das Online-Spiel UniCosmos Freiburg, das auf der Internetseite des Studentenwerks am Montag online ging, soll chinesische Studenten schon vor ihrer Reise nach Freiburg auf deutsche Mentalität einstimmen und sie davor bewahren, hiesige Eigenarten als Affront zu missverstehen.

„Aus Gesprächen haben wir erfahren, dass manche Eigenarten Menschen anderer Kulturen so sehr irritieren, dass sogar ihr Studienerfolg einknickt“, sagt Renate Heyberger, die UniCosmos Freiburg mit entwickelt hat. Das Spiel nach ihrer Idee war das Projekt von „Felix“ Jinheng Feng, der ein halbes Jahr lang als Trainee im Studentenwerk arbeitete.



Das Online-Game ist in erster Linie ein Quiz. Man würfelt mit dem Zufallsgenerator und marschiert sehr zielstrebig mit seinem Stein durch eine Stadt. Die Felder, auf denen man landen kann, bringen entweder Bonuspunkte oder man kann sich Punkte verdienen mit Freiburg-Fragen oder Bürokratie-Fragen oder „Kulturschock-Fragen“, wie Renate Heyberger sie nennt.

Wie lange darf man sich als Student krankenversichern? – Antwort: Bis zum 30. Lebensjahr. Was wird in den Stollen des Schauinslandbergwerks angebaut? – Antwort: Speisepilze. – Wann geht in Deutschland eine Party los? – Antwort: Gegen 22:00 Uhr.

Als Deutscher Spieler, für den UniCosmos gerade nicht gemacht ist, kann man trotzdem eine Menge über Freiburg lernen. Die Ortskenntnis-Fragen gehen ins Detail. Und der ein- oder andere Rückschluss auf chinesische Kultur lässt sich auch ziehen: ein Gast aus der Volksrepublik, der sich beim Essen die allergrößte Mühe gibt, möglichst laut zu schmatzen, möchte nur signalisieren, dass es ihm super schmeckt.

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[Bilder: Fotolia, dpa, Caro, Screenshots]