Kool Savas - Scharfe Optik

Manuel Fritsch (@manuspielt) & Jens Schwengel

Freitagabend. Der König des Raps persönlich, King Kool Savas gastiert im Jazzhaus. Ein Anlass, die ausgedienten Baggyhosen aus dem Schrank zu holen und den Respekt für Frauen zuhause zu lassen. [Update 18:12 Uhr: Jetzt mit großer Fotogalerie unseres Fotografen Jens Schwengel]

Leider gibt der König keine Privataudienz, sondern präsentiert mit einem Haufen von Mitstreitern unter dem Motto "Optik Takeover" das aktuelle Album des Berliner Labels Optik Rekords. Als Freiburger darf man nicht wählerisch sein. Ein bisschen vom Chef ist immer noch besser als nur Gefolgschaft.

Bereits um 21.15 Uhr tobt der Saal. Savas steht verschwitzt auf der Bühne und gibt eine Art Medley zum Besten, ein Pauken- und Rundumschlag. Als Backup hat Savas seine Kollegas "Caput" (Rückwärts für Tupac) und einen Kerl namens Moe am Start. Fünf Minuten später steht dieser auch schon halbnackt im Licht der Aufmerksamkeit, zeigt sein "Optik Army"-Tattoo auf der gestählten Bauchpartie und Savas droht, dass Moe sich gleich nackig machen wird. So früh?

Die Bühne ist ohnehin schon mit einigen Lichtorgeln und Leinwänden zugestellt, auf denen zum jeweiligen Track die entsprechenden Cover und Logos eingeblendet werden. Neudeutsch Visuals. In der Mitte der Bühne ragt die Nachbildung eines abgebrochenen Flugzeughecks aus dem Boden. Warum auch immer. Soll wohl urban aussehen. Savas smalltalkt über die Hitze im Saal und gibt die üblichen Phrasen von sich: "Ihr seid bisher das beste Publikum auf der Tour. Ganz ehrlich. Ich schwör' auf mein' Schwanz". Ansonsten zeigt sich Savas in Toppform, bringt zwischendurch nicht jugendfreie Acapella-Reime, ein paar neue Sachen, einige goldene Oldies. Das Publikum ist richtig in Fahrt und liebt ihn. Textstellen werden auswendig mitgerappt, Hooklines mitgegrölt.

Die Beiacts der Optik Army halten sich meist angenehm im Hintergrund. Ercandize hat Kehlkopfprobleme und lässt sich entschuldigen. Amar, Caput, Moe und noch so einer, dessen Namen man sich nicht unbedingt merken muss, bekommen ein paar Minuten Soloprogramm spendiert. Um kurz vor 22 Uhr beginnt das Auditorium, das "Urteil" zu fordern. Ein Killertrack des letzten Jahres, gleichzeitig die lyrische Exekution Eko Freshs. Fresh ist ein ehemaliger Ziehschüler und Hoffnungsträger von Savas, kehrte ihm jedoch den Rücken.

Das Urteil verkündet Savas als Zugabe. Die Zuhörer laufen komplett Amok und rappen die erste Strophe auswendig und lautstark mit. Gänsehaut, gruselig. Punkt 22 Uhr geht das Hallenlicht an und die Techniker bauen die Deko ab. Das Licht offenbart ebenso das erschreckend junge Durchschnittsalter des Publikums. Verdächtig war ja schon Savas' Motivation, das "Taschengeld" (Zitat) am Merchandisestand gegen T-Shirts einzutauschen.

Bei der Frage “Wer ist noch alles in der Schule?? gehen 80 Prozent der Hände nach oben. Auch ohne schiefe Basecap konnte man jedoch ordentlich feiern, das Kondenswasser tropfte von der Decke und man sah auf dem Heimweg viele glückliche Kindergesichter. Für die Zielgruppe ein Bombengig. Für HipHop Opas eine interessante Studie der Rap Generation 2006.

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Galerie (Fotos: Jens Schwengel):