Shisha-Lounge

Kolumbianische Studierende fordern, dass die "Escobar" umbenannt wird

Joshua Kocher

Darf man eine Bar nach einem Mann benennen, der den Tod Tausender Menschen verantwortete? Ja, sagt die Stadtverwaltung. Nein, sagen einige kolumbianische Studierende aus Freiburg.

Den Mann, um den es in dieser Sache geht, sieht man schon aus der Ferne, nicht weit von der Universitätsbibliothek. Er grinst von einem schwarz-grundierten Schild über der Eingangstür einer "Cocktail- und Hookah-Lounge" die Freiburger Belfortstraße hoch. Der Mann heißt Pablo Escobar – und das Foto auf dem Schild wurde in seiner Originalversion aufgenommen, als der Kolumbianer 1976 inhaftiert wurde, weil er kurz zuvor 39 Kilo Kokain ins Land geschmuggelt hatte.


Dieser Mann jedenfalls, der wahlweise als Drogenbaron oder Terrorist bezeichnet wird, ist Namensgeber für eine Shisha-Bar in Freiburg: Die "Escobar" in der Wilhelmstraße.

Schon bei der Eröffnung gab es Kritik am Namen der Bar

Der Besitzer sagte zur Eröffnung im Sommer 2017, ein Freund habe ihm den Namen vorgeschlagen. Er selbst habe ihn dann "direkt auf die Gewerbeanmeldung geschrieben". Schon damals regten sich vor allem in den Sozialen Medien einige Menschen über den in ihren Augen geschmacklosen Namen auf. Doch ohne Folgen: Die Bar heißt bis heute so.

Eine Gruppe kolumbianischer Studierender will das nun ändern. Denn für sie erzeuge der Name "Sympathie mit einem Massenmörder". So steht es in der Beschreibung ihrer Petition, die auf dem Portal change.org bisher 300 Menschen unterschrieben haben. Pablo Escobar sei für die Ermordung von 4000 Kolumbianerinnen und Kolumbianern verantwortlich, ihm würden mehr als 600 Terroranschläge in den 80er und 90er Jahren zugeschrieben. "Es ist nicht lustig, es ist beleidigend."

Dieser Spruch stand auch auf Pappschildern, mit denen am Samstag ein gutes Dutzend Studierender vor der Bar demonstrierte. Zuvor hätten sie mehrmals mit dem Besitzer gesprochen, sagt Luis Miguel Jiménez, einer der Initiatoren. Doch dieser habe ihnen gesagt, er sehe keine Notwendigkeit, den Namen zu ändern. Es gebe Leute, die ihn lustig fänden und es laufe finanziell gut. Auch im Gespräch mit fudder.de sagte der Besitzer 2017: "Es läuft fantastisch. Wozu der ganze Wirbel."

Zur Demonstration am Samstag, zur Petition und überhaupt will sich der Besitzer nicht äußern. Wiederholte Anfragen per Mail, vor Ort in der Bar und per Telefon bleiben unbeantwortet.

Stadtverwaltung genehmigte den Namen

Doch wie ist das überhaupt: Darf man eine Bar nach Pablo Escobar benennen? Ja, sagt die Freiburger Stadtverwaltung. Die genehmigte die Namensgebung 2017. Denn schließlich werde damit nicht gegen Strafgesetze verstoßen, so Rathaussprecherin Martina Schickle.

Dennoch wünscht sich Ingo Rohrer, der am Institut für Ethnologie der Uni Freiburg zu Lateinamerika forscht, zumindest eine Debatte über den Namen. Auch, wenn es nicht diese Shisha-Bar alleine sei, die vom Glamour der Drogenbarone profitiere. "Unter Ausblendung der Opfer, die der Drogenhandel weltweit verursacht, wird Pablo Escobar heroisiert und mystifiziert", sagt Rohrer. Nicht zuletzt auch wegen der Netflix-Serie Narcos, in der das Leben Pablo Escobars und die Geschichte der Drogenkartelle in Lateinamerika nacherzählt wird. Kritiker bemängelten, dass die Sicht sehr verherrlichend sei. Dieses Phänomen gebe es auch in der Musik, vor allem im Rap-Bereich, so Rohrer.

Im Fall der "Escobar" findet Rohrer den "unbedarften Umgang" problematisch. Die Opferperspektive werde nicht aufgezeigt. "Ich kann die Emotionalität gut verstehen. Ich würde das unter Geschmacklosigkeit abspeichern." Und die gibt es nicht nur in Freiburg. Auch in Stuttgart und München wurden Bars nach dem Drogenboss benannt.