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Kind und Campus: So ist mein Alltag als Mama im Hörsaal

Charlotte Göhring

Zwischen Vorlesung und Vorlesen: Der Alltag mit Kind als Studierender kann ganz schön turbulent sein. Junge Eltern aus Freiburg erzählen von der Vereinbarkeit von Familienleben und Studium. Heute: Marcela.

Das bin ich:

Ich bin Marcela, 30 Jahre alt und verheiratet

Das studiere ich:

Grundschullehramt mit Deutsch und AuG (Alltagskultur und Gesundheit) an der PH Freiburg, momentan bin ich gerade im Urlaubssemester aufgrund der Elternschaft

So viele Kinder habe ich:

Zwei Töchter im Alter von fünf Jahren und zehn Monaten. Als ich meine erste Tochter bekam, war ich bereits zum ersten Semester eingeschrieben. Während der Schwangerschaft mit meiner zweiten Tochter studierte ich schon voll und schrieb auch bis kurz vor der Geburt noch alle Prüfungen mit.

Meine Alltagsstrategie:

Jeden Sonntag plane ich meine Uni- und unsere Familienwoche vor und versuche so, Strukturen zu schaffen, auf die sich dann alle verlassen können. Dazu gehört natürlich auch, dass ich die Betreuungszeiten für meine Kinder mit meinem Stundenplan abgleiche und Abholmöglichkeiten aus der Kita und gegebenenfalls eine Betreuung für nachmittags oder abends vorbereite. Das gleiche gilt für meine Lernzeiten.

Das sind dann Mama-Zeiten und die müssen aktiv und sorgfältig geplant werden. Ich bin durch diesen fortlaufenden Organisationsaufwand sehr diszipliniert geworden. Prokrastination hat bei mir wenig Chance. Steht ein Vortrag oder eine Präsentation an, bin ich fristgerecht oder sogar schon früher damit fertig, da mir immer im Hinterkopf schwirrt: "Was passiert, wenn zum Beispiel eins der Kinder krank wird und ich somit für die Uni und alle Vorbereitungen ausfalle?"

Meine Betreuungshelfer:

An vorderster Front steht natürlich mein Mann. Er befindet sich momentan noch in den letzten Zügen seiner Ausbildung als Koch. Da dieser Beruf verschiedene und oft wechselnde Schichten mit sich bringt, hat auch er alle Hände voll zu tun, um dem Papa-Sein und seinem Job gerecht zu werden. Ansonsten ist die Kita, die meine älteste Tochter besucht, ein verlässlicher Betreuungsplatz für die Vormittage. Zudem habe ich das Glück, dass meine Eltern in der Nähe wohnen und regelmäßige Großeltern-Nachmittage mit den Mädchen verbringen.

Meine ältere Tochter übernachtet auch gerne bei der Oma, so dass obendrein ab und zu ein ausgedehnter Besuch bei den Großeltern drin ist. Mittlerweile ist auch mein Netzwerk von befreundeten Mamas und Familien so gefestigt, dass diese meine größere Tochter auch mal, nach Absprache, aus der Kita abholen und nachmittags ein paar Stunden mitbetreuen. Tatsächlich gibt es auch den und die ein oder anderen kinderlosen Freund, der gerne babysittet.

Mein Finanzplan:

Ich habe einen Studienkredit aufgenommen, bekomme natürlich Kindergeld, momentan noch Elterngeld und Harz IV in den Elternzeiten. Als meine zweite Tochter noch nicht auf dem Weg war, habe ich zusätzlich im Nebenjob auf 450-Euro-Basis gearbeitet. Für die Kita der Großen bekommen wir finanzielle Unterstützung vom Jugendamt. Mein Mann bekommt sein Ausbildungsgehalt und wird ein wenig von der Berufsausbildungshilfe bezuschusst.

Diese Unterstützung wünsche ich mir von der PH Freiburg:

Eigentlich fühle ich mich als studierende Mama an der PH Freiburg schon gut aufgehoben. Ich werde als Mama mit meinen Stundenplanwünschen vorrangig berücksichtigt und kann diesen auch individuell gestalten. Zudem habe ich ein Semester mehr Zeit für alle zu erbringenden Leistungen. Ich muss auch keine Elternzeit mit bürokratischem Aufwand anmelden, sondern darf mir recht unkompliziert ein Urlaubssemester aufgrund Elternschaft nehmen.

Während dieses Urlaubssemesters darf ich trotzdem Leistungen erbringen und habe die Erlaubnis, an Prüfungen und Seminaren teilzunehmen. Ich durfte auch mein Baby mit in Vorlesungen bringen. Wird mein Kind krank, ist es, nach Abmeldung via Mail, toleriert, dass ich zu Hause bleibe. Mein Wunsch richtet sich eher an die anderen Eltern an der PH. Ich fände es toll, wenn wir Eltern uns untereinander connecten könnten und sowas wie Kindergruppen und abwechselnde, zeitweise Betreuungen organisieren, wenn wir eh auf dem Campus sind und ein anderer ins Seminar möchte oder so. Das wäre toll.

Mit Kind zu studieren heißt auch manchmal Verzicht. Ich verzichte auf:

Spontanität. In allen Facetten. Mit meinem diszipliniert organisierten Alltag, der funktionieren muss, ist leider kein Raum mehr für spontanes Kaffeetrinken oder andere Treffen nach der Vorlesung. Das eben Gehörte nochmal mit Kommilitonen besprechen oder gemeinsames Lernen – all das ist nicht drin. Das ist sehr schade, denn ich hab auch eigentlich echt Lust, mich mehr im Unialltag zu engagieren. Sei es im Vorstand oder politisch oder in verschiedenen Gruppen. Dafür habe ich aber leider keine Kapazitäten.

Meine beruflichen Ziele:

Ich möchte wirklich gerne als Grundschullehrerin arbeiten. Ich habe mir bewusst dieses Studium ausgesucht, weil ich den Beruf familienfreundlich gestalten kann und die Rahmenbedingungen stimmen. Da meine Familie für mich die höchste Priorität hat, lässt sich eine berufliche Zukunft im sozialpädagogischen Bereich gut mit meinem Privatleben vereinbaren.

Studieren mit Kind – Mein Resümee:

Wow – das alles hört sich jetzt buchstäblich so an, als ob ich mega gut organisiert bin und mit leidenschaftlicher Leichtigkeit jeden einzelnen Tag entspannt fertigbringen würde. Tatsächlich stecken hinter meinem Konstrukt auch viele flatternde Nerven, Täler der Erschöpfung und ich kriege oft weniger auf die Reihe, als ich mir vorgenommen habe. Nicht immer schippere ich mein Schiff der Doppelbelastung aus Familie und Uni in klaren Fahrwassern.

Um trotzdem Kurs zu halten ist meine Strategie für jede neue Woche: 100 Prozent vornehmen und wenn ich davon 50 Prozent schaffe, bin ich wirklich froh und zufrieden damit. Nicht selten muss ich nochmal meinen Stundenplan überarbeiten, Seminare kürzen und Feinjustierung betreiben, da ich sonst zum Beispiel weder zum nötigen Familieneinkauf komme, noch meine Kinder rechtzeitig abholen kann und dann insgesamt so unter Druck stehe, dass der ganze Alltagsentwurf ein Leck bekommt. Studieren mit Kindern ist ganz sicher machbar, aber definitiv auch echt richtig anstrengend.