Wahl

Kerstin Krieglstein wird Rektorin der Universität Freiburg

Thomas Steiner

Die Neurowissenschaftlerin Kerstin Krieglstein ist zur Rektorin der Universität Freiburg gewählt worden. Sie bekam am Mittwochnachmittag die Mehrheit der Stimmen im Universitätsrat und im Senat.

Die Universität Freiburg bekommt eine neue Spitze. Die Neurowissenschaftlerin und Pharmakologin Kerstin Krieglstein wurde am Mittwoch mit der Mehrheit der Stimmen vom Universitätsrat und vom Senat der Hochschule zur Rektorin gewählt. Andreas Barner, Vorsitzender des Universitätsrats, sprach vor der Presse von einer "extrem hohen Zustimmung" bei der Wahl. Krieglstein war seit 2018 Rektorin der Universität Konstanz und zuvor Dekanin der Medizinischen Fakultät an der Freiburger Uni. Sie wird ihr Amt Anfang Oktober antreten. Wegen der Corona-Epidemie war die Rektorwahl zwei Mal verschoben worden. Die Findungskommission von Unirat und Senat hatte von 15 Bewerbern nur Krieglstein als Kandidatin vorgeschlagen. Sie sei unter "vielen wirklich guten Bewerbern die beste" gewesen, sagte Barner.


Die 56-jährige Krieglstein hat Chemie und Pharmazie studiert, wurde 1990 in Marburg promoviert und 1997 in Anatomie und Zellbiologie in Heidelberg habilitiert. Nach Professuren an der Universität des Saarlandes und an der Universität Göttingen nahm sie 2007 in Freiburg die Professur für Anatomie an. 2009 wurde sie Direktorin der Abteilung für Molekulare Embryologie, 2010 Prodekanin für Struktur, Forschung und Entwicklung der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg. 2013 wählte die Medizinische Fakultät sie für sechs Jahre zur Dekanin. In dieser Position hatte sie viel mit Plagiatsverdachtsfällen gegen promovierte und habilitierte Mediziner zu tun. 2018 bewarb sich Krieglstein für die Rektorposition an der Universität Konstanz, in der letzten Runde setzte sie sich dort gegen einen internen Bewerber durch.

Krieglstein ist die erste Frau im Rektoramt in der jahrhundertelangen Geschichte der Freiburger Universität und die erste Naturwissenschaftlerin seit knapp dreißig Jahren. Nach ihrer Wahl sagte sie vor der Presse, sie wolle "das Portfolio der Universität" und ihre "Erneuerungsfähigkeit" weiterentwickeln, um neue Forschungsschwerpunkte und mehr Verbundforschung zu generieren. Das sei auch wichtig, um die Universität "politisch sichtbar" zu machen. Sie wolle dabei Themen angehen, die "von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung" seien.

In der Lehre komme es ihr darauf an, Studierenden neben der fachlichen Qualifikation digitale Kompetenz zu vermitteln: "Jedes Fach kann von dieser Grundkompetenz profitieren", sagte sie. Gefragt, ob sie Frauen besonders fördern wolle, sagte sie: "Die Quote ist eine gute Sache." Sie fördere Frauen auch selbst, "intensiv, aber still".