Keller264: Neue Hoffnung für Freiburgs Pleiteclub

Carolin Buchheim

Man könnte ihn den Pleiteladen der Stadt nennen; den Club in der Kaiser-Joseph-Strasse 264, direkt neben dem 'El Bolero', denn dort scheint das Schild über dem Eingang quartalsmäßig gewechselt zu werden. Seit knapp vier Wochen hängt dort ein neues Schild: Keller 264 steht drauf, und dahinter verbirgt sich die Hoffnung, aus dem Pleiteclub einen Indieclub für Freiburg zu machen. fudder-Redakteurin Caro hat sich mit Ansgar Jaegers, einem der Initiatoren des Neustarts des Keller 264 unterhalten.



Spielen wir zu Beginn ein bisschen Gedächtnistraining: Nenn’ doch mal sämtliche Vorgängerclubs, die in den vergangenen Jahren in dieser Location beheimatet waren!

Oh je. (lacht) Es gab zum einen natürlich direkt vor uns den 'Player’s Club', und zwar gleich zwei Mal, denn der hat irgendwann auch mittendrin mal den Besitzer gewechselt. Dann gab es das 'MCC', das 'Poco Loco' und irgendwann hieß das hier auch mal ?Extreme’. Die Liste ist ganz schön lang, Ich hab sie alle schon mal gehört, die Namen, ich glaub es waren insgesamt 13 Läden, aber an alle kann ich mich nicht erinnern.

Was meinst Du, woran liegt es, dass dieser Laden so schwer erfolgreich zu führen ist?

Ich glaub’ das Problem liegt darin, dass der Laden in den letzten Jahren einfach nicht richtig geführt wurde. Zum einen wurde das Programm häufig gewechselt, zum anderen war man, was die Zielgruppe angeht, nicht konsequent, hat Minderjährige reingelassen und gute Werbung wurde auch nicht gemacht. Ich hab’ den Eindruck, dass sich einfach nie festes Publikum für diese Location etablieren konnte. Und ganz grundsätzlich war die Idee, hier in Freiburg, wo es zum einen ein großes Electro- und zum anderen ein großes Indie- und Alternativepublikum gibt, einen HipHop Club aufmachen zu wollen, einfach keine wirklich gute. Tatsächlich lief dieser Laden wohl mal gut, vor Jahren, als es das Extreme war. Aber dann wechselte der Besitzer, und es ging bergab. Schwarz seh' ich für diesen Club nicht.

Was wollt ihr besser machen?

Wir haben uns sehr genau überlegt, was wir hier machen wollen, haben ein ausgearbeitetes Konzept und motivierte Leute dahinter, und das zählt schon mal viel. Wir kollaborieren mit vielen Leuten, die schon jetzt in Freiburgs Nachtleben aktiv sind, zum Beispiel mit den Leuten von der Electrolounge, den Jungs von Noisegrab und den Jungs von den Seducers, die bei uns jeden Mittwoch auflegen werden.

Wen wollt ihr im Keller264 begrüßen? Wer ist Eure Zielgruppe?

Wir wollen ein studentischeres Publikum ansprechen und sowohl die Electro- als auch die Alternative-Ecke bedienen, und zwar zu günstigen Preisen. Vom Alter her sehen wir unser Publikum so bei Mitte Zwanzig. Wir wollen außerdem mit Slam-Poetry und Kleinkunstabenden, Theater- und Impro-Events auch die Künstlerszene ansprechen, denn es gibt in Freiburg keinen Laden mehr, der kunst-affine Leute anspricht. Und einen Abend für Grufties und Schwarzkittel jeglicher Coleur haben wir auch.

Worauf darf sich das Publikum besonders freuen?

Wir haben ein festes Wochenprogramm. Dienstags gibt es Independent, Mittwochs erst Kleinkunst und dann Rock'Roll mit den Jungs von den Seducers hinter den Plattentellern, Donnerstag ist erst Raucherkino, dass heißt Filmklassiker und danach Electro, und an den Freitagen gibt es im Wechsel Independent und 80er beziehungsweiße Gothic oder anderes Subkulturelles Zeug dieses Jahrzehnts. Die Wochenenden gehören den Spezialveranstaltungen. Jeden ersten Samstag des Monats ist Absinth-Party mit den Seducer ?DJs, mit Videoprojektionen und Spezialangeboten. Außerdem gibt es die "Operation Chaos"-Parties, bei denen Elektro, Industrial, Gothic, SynthPop und ähnliches gespielt wird. Aan diesen Abenden wird es auch Live-Music geben. Und dann haben wir auch noch den Tuntenball, der der schwul-lesbischen Szene einen Raum geben soll, sich selbst ein bisschen zu feiern, und zwar fern aller Schubladen. Jeder ist dort willkommen, Transen, Tunten, Schwule, Lesben und Heteros. Und Sonntags Abends gibt es bei uns Asia-Karaokie.

Und wie läuft es bisher? Ein neues Club-Konzept während der WM und im Nach-WM-Sommerloch zu etablieren ist sicher nicht leicht, oder?

Bisher sind wir ganz zufrieden, wenn man bedenkt, wie heiß es im Moment ist und wie wenig überall gerade los ist, weil die Leute keine Lust haben, Abends drinnen zu sitzen, und außerdem versuchen wir hier ja gerade, etwas Neues zu etablieren, das braucht immer eine Weile. Die Indie-Dienstage, die unterschiedlichen Freitage und unsere Wochenend-Specials laufen bisher am Besten, und unser Rock’n’Roll Mittwoch startet gerade durch. Und es gab jetzt schon einige Abende, an denen das Jazzhaus um eins zugemacht hat, aber bei uns war noch etwas was los. Das ist natürlich schön. Wir sind zuversichtlich, dass das hier mit dem Keller 264 was wird.



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