Pilotprojekt

Kaltwasserpools in der Freiburger Dreisam sollen Fische im Sommer retten

Anika Maldacker

Das Regierungspräsidium Freiburg startet ein Pilotprojekt in der Dreisam, das Fischen einen Rückzugsort bei Hitze bieten soll. Damit das gelingt, soll es ein Badeverbot an dem Flussabschnitt geben.

Ein Rückzugsraum für kälteliebende Fische wie die Bachforelle oder die Äsche: Das Regierungspräsidium startet ein Pilotprojekt, das den Fischbestand in der Dreisam schützen soll. Denn in Hitze-Sommern wie 2022 mit niedrigen Pegelständen oder ausgetrockneten Flussbetten sterben viele Fische – auch in der Dreisam. In dieser Woche haben die Bauarbeiten in der Oberau begonnen.

Pools für Fische: Was sich amüsant anhört, ist ein verzweifelter Versuch, das Fischsterben in der Dreisam in Dürre-Sommern wie diesem zu verhindern. Denn: Sinkt der Pegel des Flusses, bleibt den Fischen nicht nur weniger Bewegungsraum, sondern auch weniger Sauerstoff und eine höhere Wassertemperatur.

400 Meter Rückzugsort für Fische in der Dreisam

Um dem entgegenzuwirken, hat das Regierungspräsidium zusammen mit Angelsportverein und Landesfischereiverband das Pilotprojekt der Kaltwasserpools gestartet. Seit dieser Woche werden zwischen Leo-Wohleb-Brücke und der Brücke an der Fabrikstraße mehrere solche Kaltwasserpools angelegt. Über eine Länge von rund 400 Metern sollen dabei tiefe Stellen in der Dreisam geschaffen werden, in die die Fische sich zurückziehen können. Dazu werden Wurzelstöcke, gewaltige Baumstämme aus dem Freiburger Stadtwald oder ein Strömungstrichter aus großen Granitsteinen in der Dreisam so angeordnet, dass sich tieferes Gewässer bildet. Die Konstruktionen werden mit Stahlankern und Holzpfählen in der Gewässersohle befestigt, damit sie bei Hochwasser nicht weggeschwemmt werden. Die Kosten von rund 30.000 Euro übernimmt das Land, der Freiburger Angelsportverein beteiligt sich mit rund 2000 Euro.

Den Erfolg des Projekts will die Fischerei anschließend in einem Monitoring auswerten. "Wenn das funktioniert, könnte man diese Kaltwasserpools auch an anderen Stellen anlegen", sagt Bernd Walser vom Landesbetrieb Gewässer des Regierungspräsidiums. In zwei Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. In dieser Zeit ist der angrenzende Fußweg entlang der Dreisam gesperrt.

Dreisam bei Brauerei Ganter mit 21 Grad am kühlsten

Sieben Fischarten haben die Fischer vor Beginn der Bauarbeiten beim Abfischen entdeckt, darunter Kleinfische wie Neunauge, Groppe und Schneider, aber auch größere Fische wie Döbel, Bachforellen und Barbe. Die Baumstämme oder Granitsteine sollen als Strömungslenker funktionieren. In den Baumwurzeln finden die Fische Schutz und Deckung vor Fressfeinden wie Graureihern und Kormoranen.

Für diesen Bereich der Dreisam habe man sich wegen der kühlen Wassertemperatur entschieden, so Walser. Die Angler haben festgestellt, dass die Wassertemperatur nie über 21 Grad Celsius stieg, so Claudio Schill vom Landesfischereiverband. Das liege auch daran, dass im Uferbereich ständig Grundwasser zufließe.

Das Baden in der Dreisam sei eines der größten Probleme: Selbst im Hitzesommer hätten an der Stelle Fische überleben können, aber die intensive Freizeitnutzung war zu groß. "Das macht den Fischen besonders zu schaffen" sagt Schill. Die Fischereiverbände, sowie der Landesbetrieb Gewässer plädieren daher dafür, Baden in dem Dreisamabschnitt zu untersagen. Dazu müsse man, so Walser, mit der Stadt Freiburg sprechen, die ein Verbot umsetzen und kontrollieren kann.