K.I.Z.: Turntable Hools signierten Dekolltees

Philipp Aubreville & Dominic Rock

Mit dem Motto "Irgendwer muss es ja machen" tourt die Berliner Rapgruppe K.I.Z. zur Zeit durch die Republik. fudder-Autor Philip war im Jazzhaus und hat sich das Quartett aus der Hauptstadt angesehen. (mit Fotogalerie)



Wer wissen will, wie man den Generationenkonflikt lösen könnte, sollte ein Konzert der Gruppe K.I.Z. besuchen: Wohl nirgendwo sonst intonieren 16jährige im Ausgehdress eines NBA-Profis so inbrünstig die Fetenhits ihrer Eltern – beispielsweise Klaus Lages „Tausendmal berührt“ – oder die Lieblingsstücke ihrer kleinen Schwester wie „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel.

Durch 20 Jahre Popgeschichte, von Michael Jackson über 90er-Jahre-Technopop bis hin zu den Kassierern, samplten sich die beiden maskierten K.I.Z.-Mitlglieder Nico und DJ Craft, die unter dem Pseudonym „Turntable Hools“ ihren eigenen Support-Act darstellten. Zum Schluss dieses selbstgemachten Vorprogramms blieben – bis auf die Höhe der GEMA-Rechnung – keine Fragen offen.



Ähnlich heterogen wie die Playlist der „Turntable Hools“ zeigte sich auch das Publikum. Wie kaum einer anderen deutschen Rapformation gelingt es der einstigen Vorgruppe der Bloodhound Gang offensichtlich, Menschen verschiedener Subkulturen anzuziehen. Neben einer zu erwartenden Ansammlung klischeetriefender New-Era-Kappen und in die Socken gestopfter Hosenbeine fanden sich auch bunte Haare, Lederjacken sowie Badges und Aufnäher diverser Punkrockgrößen.



Auf dem aktuellen Longplayer „Hahnenkampf“ zollte die Gruppe dieser Heterogenität Tribut und holte sich mit Archi Alert den einstigen Frontmann der Berliner Punkband „Terrorgruppe“ ins Studio – doch trotz der Anwesenheit des mittlerweile auf Solopfaden wandelnden Sängers wurde der gemeinsame Song „Schwarz Rot Geld“ nicht gespielt.

Andere Songs laufen offenbar besser. Zwar drängte sich beim Stück „Hurensohn“ unwillkürlich die Frage auf, welcher Prozentsatz der Mitgrölenden sich der hier laut Spiegel Online stattfindenden „längst fälligen Dekonstruktion des deutschen Gangsta HipHop“ denn jetzt bewusst war.



Doch der Saal tobte. Die von diversen Feuilletonautoren teilweise berechtigt zu Leuchttürmen im Meer der Sidos, Flers und Massivs erklärten Stücke schrumpften hier auf ihr Wesentliches zusammen: Den Unterhaltungsfaktor.

Womit das wesentliche Kriterium für ein gutes Konzert erfüllt wäre. Gute zwei Stunden lang hielten K.I.Z. die Zuschauer in Bewegung  und brachten - auch wenn vor lauter Rap-Aerobic die teilweise recht bissige Ironie mancher Texte unterging – jede Menge Spass. Der dürfte in dem einen oder andern Fall jedoch morgen vorbei sein, wenn Mama das von den Berlinern unterschriebene Dekolletee ihrer 15jährigen Tochter präsentiert bekommt.

Foto-Galerie: Dominic Rock

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