Konzert im Waldsee

Julian Philipp David: "Das soll ein großes Wiedersehen werden"

Stefan Mertlik

Julian Philipp David tritt am 29. Dezember mit seinem "Homecoming"-Konzert im Waldsee auf. fudder-Autor Stefan Mertlik hat mit dem Rapper aus Au-Merzhausen über seine ereignisreiche Musikkarriere gesprochen.

Seit Julian Philipp David die Segel bei Universal Music gestrichen hat, heißt es für den Rapper aus der Nähe von Freiburg wieder "Do It Yourself". Kreativ zu sein, ohne Erwartungen erfüllen zu müssen, darin geht er auf. Wenn er nicht gerade Songs für Max Giesinger schreibt, feilt er an einem eigenen Sound, der sich irgendwo zwischen Indie-Pop und Hip-Hop verorten lässt.


Bevor Julian Philipp David nächstes Jahr sein Debütalbum veröffentlicht, spielt er am 29. Dezember ein "Homecoming"-Konzert im Waldsee. fudder-Autor Stefan Mertlik hat mit ihm über das Ende beim Major-Label, Existenzängste und seine Zeit als fudder-Praktikant gesprochen.

Du spielst zwischen den Jahren ein Konzert in Freiburg. Was ist die Idee dahinter?

Als ich noch in Freiburg gewohnt habe, habe ich mit einem Kumpel das "Willkommen Daheim"-Festival in Schmitz Katze veranstaltet. Da haben wir Künstler eingeladen, die aus Freiburg kommen, aber mittlerweile woanders leben. Dabei habe ich gemerkt, wenn du die Leute, mit denen du aufgewachsen bist, nochmal an einen Ort kriegen willst, musst du das zwischen den Jahren machen. Das soll ein großes Wiedersehen werden.

Vor drei Jahren erschien deine "Herbst"-EP über Universal Music. Wie zufrieden bist du noch mit der Platte?

Ich finde die geil. Heute würde ich die Musik zwar nicht mehr so machen, ich habe aber meinen Frieden damit geschlossen. Ich versuche immer etwas zu veröffentlichen, mit dem ich zum Zeitpunkt des Erscheinens maximal happy bin.



Wie ist es bei Songs, die du für andere Musiker schreibst? Fühlen die sich wie eigene Lieder an?

Nein, das ist etwas ganz anderes. Wenn ich mit anderen Künstlern schreibe, dann bin eine helfende Hand. Die Leute haben eine eigene Vision. Meistens ist es musikalisch auch nicht das, was ich privat höre.

Würdest du wiederum auf Songwriting von anderen zurückgreifen?

Wenn jemand mit etwas Fertigem kommt, nicht. Ich mache aber mit vielen Musikern zusammen Kunst und da sind auch mal Zeilen dabei, die einem Kumpel eingefallen sind. Die nutze ich, weil das aus einem gemeinsamen Prozess heraus entstanden ist.

"Wenn ich mit anderen Künstlern schreibe, dann bin eine helfende Hand."

In einem früheren Interview mit fudder hast du gesagt: "Auch, wenn etwas vielleicht mal nicht so klingt, sind Gefühl, Technik und Haltung dahinter Hip-Hop." Glaubst du, dir und deiner Musik kommt es zugute, dass es heutzutage keine klare Abgrenzungen mehr zwischen den Stilen gibt?

Lange war es ein Problem, dass Leute meine Musik keinem Genre zuordnen konnten. Schubladen sind nervig, aber man braucht sie, um sich zu orientieren. Aus einer Haltung heraus Sachen selber zu machen, ist zumindest in den Grundzügen absolut Hip-Hop.



Du hast auf fudder einen Text veröffentlicht, in dem du sehr offen über deine Zeit bei Universal Music sprichst. Glaubst du, du verbrennst dir damit auch ein paar Brücken?

Das kann ich dir nicht beantworten, da ich nicht mehr in Berlin wohne und keinen Kontakt zu den Leuten aus dem Musik-Business habe. Ich bin für die ein kleiner Newcomer-Fisch, in den sie ein wenig Geld investierten, es dann aber nicht wie erhofft funktioniert hat. Dieses Schicksal ereilt viele Musiker. Es gibt diese alte Faustregel: Einer von zehn Künstlern finanziert das ganze Label. Die neun anderen bleiben erfolglos oder bringen nie etwas heraus.

Was hast du mit dem Vorschuss von Universal Music gemacht?

Ich habe mir davon keinen Cent persönlich ausgezahlt. Ich habe alles in die Produktion einer Platte gesteckt, die so nicht rauskam. Wenn man eine größere Geldsumme als Vorschuss kriegt, was auch nur ein Darlehen ist, kauft man sich keinen Kleinwagen, sondern investiert das in die Karriere.

"Ich versuche immer etwas zu veröffentlichen, mit dem ich zum Zeitpunkt des Erscheinens maximal happy bin."

Wie lief das Ende bei Universal Music ab? Ich nehme nicht an, dass du ein Kündigungsschreiben wie in "normalen" Jobs erhalten hast.

Nach der "Herbst"-EP musste ich vor dem Label jede meiner Ideen verteidigen. Es ist demotivierend, wenn du Feuer und Flamme bist, aber immer erstmal erklären musst, warum etwas eine gute Idee ist. In der Abteilung, in der ich unter Vertrag stand, haben alle Leute, mit denen ich etwas zu tun hatte, auch noch gekündigt. Plötzlich war da eine komplett neue Mannschaft, mit der ich mich hätte arrangieren müssen. Mit einem Anwalt habe ich geprüft, wie ich den Vertrag beenden kann und dann auch einen Weg gefunden.

Wie sehr plagen dich Existenzängste?

Seit drei Jahren kommen meine Einnahmen aus dem Songwriting für andere Künstler. Ich finanziere damit meine Solosachen. Finanzielle Existenzängste hatte ich also zum Glück seitdem nicht mehr. Es passiert schon einmal, dass mir drei Wochen nix einfällt. Da verzweifel ich und frag mich, ob ich im richtigen Job bin.

Zum Abschluss würde mich deine schönste Erinnerung an die Zeit als fudder-Praktikant interessieren?

Ich war beim "Popstars"-Casting. fudder hat mich damals hingeschickt, weil ich vorsingen und darüber schreiben sollte. Ich wollte mich anmelden, musste aber eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen. Daran ist das Vorsingen leider gescheitert. Ich saß deshalb den ganzen Tag im Wartezimmer und habe menschliche Dramen beobachtet.

  • Was: JPD (+ Aftershowparty)
  • Wann: Sonntag, 29. Dezember, 20 Uhr, Party nach dem Konzert ab etwa 22.30 Uhr
  • Wo: Waldsee Freiburg

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