Der gute Ton

Ist "Herz geh auf" Freiburgs Song für die Corona-Krise?

Gina Kutkat

"Herz geh auf" ist eine deutschsprachige Ballade, die im Ohr bleibt. Lukas Mak aus Freiburg hat den Corona-Song geschrieben, als er vom Balkon-Applaus inspiriert wurde. Er möchte damit Mut in der Krise machen.

Deinem Songtext entnimmt man, dass deine Grundstimmung positiv ist. Wie erlebst Du die momentane Situation?

Lukas Mak: Das ändert sich von Tag zu Tag. Letzte Woche war die Stimmung sehr komisch, befangen und auch ruhiger. Fast schon eine unheimliche Stille. Voll schön war es dann, wenn ich mit meinen Mitbewohnern gesprochen habe. Auch der Applaus auf den Balkonen hat mir viel gegeben. Jetzt kriege ich gar nicht mehr soviel mit, weil ich versuche, nicht mehr alles an mich ranzulassen. Es ist schwer, sich nicht einnehmen zu lassen. Ich nehme etwas Abstand, weil ich nichts ändern kann. Was ich aber ändern kann, ist, mit meiner Musik Mut zu machen.



"Denn da ist Musik in meinen Ohren/ Es tönt von den Balkonen Applaus" singst Du im Refrain. Waren die Balkonkonzerte für dich Auslöser, den Song zu schreiben?

Ich stand am Fenster, es war den ganzen Tag über sehr still. Auf einmal kamen die Leute auf den Balkon und fingen an zu klatschen. Das hat mich total ergriffen – ich habe erst gar nicht gewusst, was los ist. Mein Mitbewohner hat es mir erklärt. Dann habe ich mich ans Klavier gesetzt. Ich hatte ein Thema im Kopf und habe ein bisschen gesungen, als auf einmal der Refrain entstand. Dann kamen die nächsten Textzeilen, es ist richtig aus mir rausgeflutscht. Insgesamt habe ich etwa vier bis fünf Tage an "Herz geh auf" geschrieben. Mal sitze ich am Klavier, mal schreibe ich den Text auf. Ich habe den Song auch am Ende nochmal komplett umgeschrieben, weil mir die Botschaft nicht gefiel.

Was ist denn die Botschaft, die Du vermitteln möchtest?

Erst wollte ich an die Menschen appellieren, Zuhause zu bleiben. Das gefiel mir aber nicht. Es geht mir mehr um die Gemeinschaft: Dass wir ganz viel schaffen, wenn wir uns gegenseitig helfen und unterstützen. Sei es durch Nachbarschaftshilfe, die Unterstützung lokaler Geschäfte oder durch Spenden. Mein Song soll Mut machen und die Botschaft auch in die Zukunft tragen: Es wird auch weiterhin wichtig sein, zusammenzuhalten.



Du vergleichst die Corona-Krise auch mit einer Lehre. Glaubst Du, das alles ist für etwas gut?

Das ist zumindest meine Hoffnung. Es werden uns jetzt Sachen vor Augen geführt, aus denen können wir für die Zukunft lernen. Zum Beispiel, dass man für seine Nachbarn da ist. Oder, dass wichtige Berufe mehr Achtung und Wertschätzung erfahren. In anderen Ländern wird solchen Jobs mehr Beachtung geschenkt als bei uns. Und auf persönlicher Ebene sollten wir mehr schätzen, was wir haben. Gesundheit zum Beispiel.

Wie nimmst Du die Menschen um dich herum gerade wahr? Wie meistert Freiburg Corona?

Ich nehme Unterschiedliches wahr, wenn ich mal rauskomme. Mir scheint, dass es manche sehr ernst nehmen und anderen scheint es etwas egal zu sein. Die meisten Menschen machen aber einen glücklichen Eindruck, während sie die Sonne genießen. Ich finde es schön, dass nicht alle in ihren vier Wänden hocken.

Viele nutzen die Zwangspause, um kreativ zu sein. Ist Corona für dich eher Motor oder Bremse?

Die Krise bringt in mir schon etwas ans Tageslicht, das sonst nicht so da ist – oder tiefer sitzt. Es passiert gerade viel, in der Welt draußen und in mir drinnen. So eine große Sache wie die Corona-Krise bringt neue Gedanken und Ideen, die niedergeschrieben werden wollen. Songs schreiben hilft mir auch beim Reflektieren. Natürlich gibt es auch außerhalb von Corona tolle Ideen.

Was würdest Du jetzt machen, wenn Normalzustand herrschen würde?

Das gleiche wahrscheinlich. Viel Musik, Klavierunterricht geben, Gigs planen und an meinem Album weiterarbeiten.

Lukas Mak

, 26, kommt ursprünglich aus Mehrstetten und ist wegen seines Studiums an der PH Freiburg nach Freiburg gezogen. Der Singer-Songwriter gewann im Jahr 2016 den Freiburger Kleinstkunstpreis für Studierende.

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