Interview mit dem Freiburger Freeflyer Felix Schulz: "Es hat mich schon immer in den Himmel gezogen"

Marius Buhl

Mit 400 km/h kopfüber Richtung Erde: Felix Schulz ist Freeflyer, zweifacher Deutscher Meister und Freiburger. Gerade hat er ein spektakuläres Freefly-Video über Freiburg gedreht. Ob Felix verrückt ist und wie Freiburg von oben aussieht, hat er fudder-Redakteur Marius Buhl im Interview erzählt. Und als Topping: spektakuläre Videos und Bilder.



Felix, ich muss einfach fragen: Bist du verrückt?

Der Gedanke mit einem Stück Stoff und ein paar Leinen dran aus einem intakten Flugzeug zu springen, ist für viele sicher etwas befremdlich. Heutzutage ist dieser Sport aber bei weitem nicht mehr so gefährlich, wie die meisten Leute denken! Die Technik ist da sehr ausgereift. Außerdem weiß ich, was mich erwartet, wenn ich aus einem Flieger springe. Das kannst du auf einem Motorrad auf der Landstraße nicht behaupten.

Du hast jetzt ein spektakuläres Video von einem Sprung über Freiburg gedreht. Wie kam's dazu?

Das war am vorletzten Wochenende bei einem Fest des Breisgauvereins für Fallschirmsport. Die hatten da eine Cessna Caravan, da passen 14 Leute rein. Mit der Cessna sind wir auf 4000 Meter hochgeflogen und dann abgesprungen. Dabei waren Kollegen aus der deutschen Freefly-Szene - aus Frankfurt und Dortmund. Da oben hatte es vielleicht noch um die 5 Grad. Das war ganz schön frisch, besonders an der Türe.



Im Video bewegt ihr euch scheinbar schwerelos in der Luft?

Eigentlich kann man sich im freien Fall bewegen wie man möchte, wie in der Schwerelosigkeit. Aber so leicht wie es dann aussieht, ist es nicht gewesen. Man braucht da schon jede Menge Erfahrung und auch Kraft, um sich in der Luft zu drehen und gegen den Wind zu arbeiten.

Video: Freefall über Freiburg

Quelle: Vimeo



Wie sieht unser Freiburg denn von oben aus?

Ziemlich zugebaut - aber auch wunderschön. Von allen Orten an denen ich in der Welt gesprungen bin, ist Freiburg noch immer einer der schönsten. Vor allem kann man von oben alles so klar sehen: das Münster, die Altstadt und wie sich Freiburg in den Schwarzwald schmiegt.



Das war also bestimmt nicht dein erster Sprung?

Ganz und gar nicht. Ich springe, seit ich 19 bin, jetzt bin ich 27. In den acht Jahren bin ich bestimmt 1200 Mal aus einem Flugzeug gesprungen.

Welcher Sprung war der geilste?

Ich war letztes Jahr mit richtigen Freefall-Profis in Kalifornien unterwegs, das war schon sehr schön. Extrem schön waren aber natürlich auch die Weltmeisterschaften in Dubai, da sind wir über dieser berühmten Palmeninsel abgesprungen. Die Welt von oben, das ist schon was ganz besonderes.



Ich stelle mir das ziemlich verrückt vor, einfach so in die Leere zu springen.

Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich schön. 4000 Meter, das ist ungefähr eine Minute Freefall, da vergisst du alles. Keine unnützen Gedanken mehr, nur noch fliegen. Man denkt schlicht an gar nichts. Irgendwann muss man dann den Fallschirm öffnen...

Wie schnell wird man da?

Das hängt komplett von der Körperlage ab. Bei einem Headdown, also einem Sprung, bei dem man alles anzieht und sich kopfüber Richtung Erde stürzt, schafft man fast 400 km/h.

Hast du als Kind vielleicht besonders oft Superman geschaut und verarbeitest das jetzt?

Nein, das jetzt nicht gerade, aber ich habe mit 13 Jahren mit dem Segelfliegen angefangen und bin über Umwege dann zum Fallschirmspringen gekommen. Irgendwie hat es mich schon immer in den Himmel gezogen.

Fühlt man sich aber wie ein Superheld in der Luft?

Irgendwie schon! Du hast knapp eine Minute Zeit, um im Freifall komplett durchzudrehen. Irgendwann muss man dann leider doch mal den Schirm öffnen...

Und Angst?

Beim ersten Sprung hat jeder Angst, da spürt man dann gar nichts. Das ist aber normal, denke ich. Mit der Zeit legt sich die Angst dann, man wird lockerer, kann sich mehr über die Flüge freuen und mehr genießen. Wachsam ist man aber immer, man will schließlich alles berechnen, das Risiko minimieren. Deswegen ist es auch gut, dass immer aufs Neue diese Anspannung da ist.



Was unterscheidet dich von Menschen, die sagen: "Nie im Leben würde ich da runter springen"?

Ich habe es eben geschafft, meine Angst zu überwinden. Wenn man das oft genug macht, dann gewöhnt man sich dran. Mit der Zeit geht es nicht mehr um den Kick, sondern um die abgefahrenen Sachen, die man im Freifall machen kann. Ich halte mich aber nicht für mutiger als andere.

Wo ist deine Grenze?

Wenn die Gruppe zu groß wird und die Leute dafür nicht erfahren genug sind, kann es gefährlich werden. Die eigentliche Gefahr beim Springen ist nicht, dass dein Fallschirm nicht aufgeht, sondern unter anderem im Freifall mit einem anderen Springer zu kollidieren. Wenn es zu chaotisch wird, bin ich raus.



Ist der freie Fall auch eine Sucht?

Hmmm (überlegt). Ja, ich glaube, das würde ich schon so sehen. Man macht das immer wieder und kann nicht aufhören. Freefall ist meine Droge.



Video: Solo-Freefall über Freiburg

Quelle: Vimeo

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