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Ines Häfner von CoaGoa Bags: Wie geht’s und wie geht’s weiter?

Maria Schorn

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 24: Labelinhaberin Ines Häfner, 46, von CoaGoa Bags.

Ines Häfner hat zusammen mit ihrer Freundin Ursula Pieber im Januar 2020 das Label CoaGoa Bags gegründet. Zusammen vertreiben sie Taschen aus alten Segeln und natürlich gegerbtem Leder. Der erste Lockdown im Frühjahr hat nicht nur verhindert, dass die beiden ihre neue Marke auf einschlägigen Messen präsentieren konnten, sondern führte auch noch zu Produktionsschwierigkeiten in ihrer Produktionsstätte in Portugal. Getreu dem dem Motto "Jede Krise bietet auch Chancen" entschlossen sich die beiden kurzerhand, die Produktion ihrer Taschen wieder selbst in die Hand zu nehmen. Aktuell sind sie dabei, eine eigene Produktionsstätte auf Mallorca aufzubauen.

Ines, wie geht es dir?

Ganz gut. Ich versuche, wie die meisten mit Familie, zwischen Homeschooling, Kinderbespaßung und meiner Arbeit als Unternehmerin, nicht die Nerven zu verlieren. Durch die Flexibilität der Arbeit meines Mannes läuft es gerade allerdings ganz gut. Aber die To-Do-Liste wird immer länger. Es gibt so viele tolle Ideen und Zukunftsvisionen, denen ich gerade leider nicht so richtig viel Raum geben kann.

Wie war der erste Lockdown kurz nach der Gründung von CoaGoa für dich?

Das war für uns superschlimm. Im Januar gingen wir mit unserem Onlineshop an den Start. Im März wollten wir unsere schönen, nachhaltigen Taschen auf der Greenstyle München präsentieren und wir waren auf einer coolen Reisemesse, dem Berlin Travel Festival eingeladen, einen eigenen Verkaufsstand zu machen. Nachdem wir viel darauf hin gearbeitet hatten wurde zunächst das Berlin Travel Festival eine Woche vor Start abgesagt. Einer aus dem Orga-Büro hatte sich infiziert und das gesamte Messe-Team musste in Quarantäne. Das war noch vor dem Lockdown. Die Greenstyle in München wurde erst am Tag der eigentlichen Eröffnung abgesagt. Das heißt, wir waren sogar nach München gereist und hatten Produkte verschifft. Es war ein ziemlicher Schock, aber wir haben uns einen schönen Tag in München gemacht und sind dann so schnell es ging zurück. Zu diesem Zeitpunkt war der Lockdown bereits angekündigt und es war nicht klar, ob wir überhaupt noch reisen können.
"Wir haben sehr schnell reagiert und beschlossen, eine eigene Produktionsstätte aufzubauen und die Produktion wieder nach Mallorca zu verlegen."

Was hatte das für eine Auswirkung auf eure junge Marke?

Ich denke, es wurde dadurch schwierig, unsere Produkte in der Welt der nachhaltigen Mode bekannt zu machen, die Leute aus der Branche kennenzulernen und uns besser zu vernetzen. Natürlich gibt es die digitalen Medien, aber es fehlt einfach der direkte Kontakt.
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fudder möchte in dieser Serie junge Menschen aus Freiburg und der Region vorstellen und sie fragen, wie es ihnen in der Krise geht. Dabei möchte die Redaktion einen Querschnitt der Gesellschaft zeigen. Seit Mai stellen wir regelmäßig eine Folge von "Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?" online.

Überblick: Alle bisherigen Folgen

Hast du den Lockdown oder die Pandemie im Allgemeinen auch mal als Chance sehen können?

Ja! Als unsere zweite Produktion in Portugal gecancelt wurde. Sie haben uns in der Woche Bescheid gegeben, in der die Ware eigentlich hätte versendet werden sollen, dass sie die Produktion nicht machen können. Wir haben sehr schnell reagiert und beschlossen, eine eigene Produktionsstätte aufzubauen und die Produktion wieder nach Mallorca zu verlegen, wo wir ursprünglich angefangen haben. Mallorca war früher sehr groß in der Textil- und Lederverarbeitung. Daran wollen wir anknüpfen. Wir haben vor, eine Produktionsstätte für nachhaltige Projekte im Bereich Textil und Leder aufzubauen, in der wir nicht nur unsere eigenen Taschen produzieren wollen, sondern auch als Dienstleister fungieren. Derzeit sind wir auf der Suche nach all den stillgelegten Maschinen, die ungenutzt vor sich hinschlummern. Es ist unglaublich, was sich da alles auftut. Unsere Taschen sind also seit November 2020 "Made in Mallorca".



Du hast auch Kinder. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Mit positivem Denken und der Unterstützung meines Mannes und auch ein stückweit der Kinder. Leider haben wir keine Verwandtschaft in der Nähe. Freunde sind sehr wertvoll, wenn es auch durch Corona etwas schwieriger ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Aber wir wechseln uns mit einer Klassenkameradin unserer großen Tochter im Homeschooling ab. Das ist toll. Unsere Kleine kann zum Glück für drei Tage pro Woche im Waldkindergarten in die Notbetreuung.
"Wir starten mit viel Optimismus ins neue Jahr."

Wie es aussieht, werden auch in diesem Jahr keine großen Messen stattfinden. Habt ihr alternative Absatzwege gefunden?

Ich habe mich intensiv mit den Sozialen Medien beschäftigt und dort bauen wir uns gerade eine Community auf. Es macht mir total Spaß und ich liebe es, mit anderen Firmen im Nachhaltigkeitsbereich oder auch Künstlern und Freunden über Kooperation nachzudenken und umzusetzen.

Wie geht es für dich jetzt weiter?

Wir starten mit viel Optimismus ins neue Jahr. Arbeit gibt es genug. Die Ideen sprudeln. Momentan bin ich übrigens auf der Suche nach einem Praktikanten oder einer Praktikantin. Interessierte können sich gerne bei mir melden! hello@coagoa.com.
Instagram: @coagoabags
Webshop: www.coagoa.com

CoaGoa Bags wurden gerade für den Green Product Award nominiert. Hier könnt ihr für die beiden abstimmen.



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