Lock Down Look Up

In Freiburger Gastroschaufenstern hängt jetzt junge Kunst

Vera Tolksdorf

Kopf hoch und Augen auf – das ist das Motto des Projekts "Lock Down Look Up" in Freiburg. Ein Geschwisterpaar kam auf die Idee, die Kunst- und Gastroszene zusammenzubringen. Wie das funktioniert?

In einem Nebenraum im Förster Max wurde umgeräumt, in der Mitte des Raumes, auf einem Tisch, steht eine Schale Erdbeeren aus Blei. Wenn man abends am Kyosk vorbeiläuft, sieht man auf mehreren Bildschirmen Stop-Motion-Animationen - und auch in den Schaufenstern vom Swamp, Café Ruef und der Auszeit hängt, steht oder dreht sich Kunst.

"Wir wollten gezielt junge Künstlerinnen und Künstler erreichen, die davor noch nicht so viel ausgestellt haben." Martha Martin-Humpert
Dahinter steht das Projekt Lock Down Look Up, dass junge Künstlerinnen, Künstler und Gastronomiebetriebe in der Krise zusammenbringen will – um sich gegenseitig zu unterstützen: Die Cafés und Kneipen stellen den Kunstschaffenden ihre Schaufenster oder ungenutzten Räume als Ausstellungsfläche zur Verfügung, die durch Corona knapp ist. Gleichzeitig sollen die neu belebten Schaufenster Passanten anlocken und wieder ein bisschen Aufmerksamkeit auf die Situation der Gastronomie lenken.
Die Idee kam Martha Martin-Humpert und ihrem Bruder Julius im November abends in der gemeinsamen Küche: "Wir haben darüber geredet, was uns im Lockdown besonders fehlt – Kunst und gemütlich in einer Kneipe sitzen waren ganz vorne mit dabei. Da haben wir uns gedacht: Wieso kombinieren wir das nicht?", erzählt die 29-Jährige.

Neben der Aufmerksamkeit für Gastronomie und Kunstwelt war den beiden dabei auch das Ziel einer Wiederbelebung der Stadt wichtig: Lock Down Look Up als "kleine Galerie in der Stadt", die die Freiburger wieder zum Bummeln auf die Straßen bringt.
Disclosure: Martha Martin-Humpert ist seit 2019 für fudder als freie Mitarbeiterin im Einsatz. Wir hätten über ihr Kultur-Projekt aber auch berichtet, wenn dem nicht so wäre.

Anfang Dezember begannen Martha und Julius deswegen, Lokale in Freiburg anzufragen, ob sie Interesse hätten, mitzumachen und erstellten eine Ausschreibung, um Kunstschaffende auf ihr Projekt aufmerksam zu machen. "Wir wollten gezielt junge Künstlerinnen und Künstler erreichen, die davor noch nicht so viel ausgestellt haben", erklärt Martha. Deswegen schickten sie die Infos besonders an die Hochschule Macromedia und die Edith Maryon Kunstschule in Freiburg. "Da kamen ganz viele coole Bewerbungen", erinnert sich Martha. Die Geschwister haben sich daraufhin zusammengesetzt, aus den Bewerbungen einige ausgewählt und die Kunstschaffenden mit den Lokalen gematcht.



Das hat gut funktioniert: "Man merkt, dass sich Martha und Julius viele Gedanken gemacht haben – der Vibe zwischen den Gastronomiebetrieben und der Kunst ist überall super stimmig", schwärmt Maristella Witt, die selbst im Kyosk ausstellt. Lock Down Look Up war für die 23-Jährige eine willkommene Abwechslung von ihrem durch Corona theorielastigen Studium: "Zuhause fällt mir gerade ein bisschen die Decke auf den Kopf, da war es schön, mal wieder raus zu kommen, praktisch zu arbeiten – und dann auch noch im öffentlichen Raum auszustellen!" Auch die Idee der Schaufensterausstellung hat einen besonderen Reiz für die Kunststudentin: "Es ist gar nicht so auffällig wie man erst denkt", erzählt sie, "dadurch ist es ganz besonders, wenn man die Kunst dann wahrnimmt – als hätte man eine kleine Entdeckung gemacht".

Vernissage oder Rundgänge geplant

Bisher stellen sieben Künstlerinnen in fünf Lokalen in Freiburg aus. In den nächsten Tagen kommen noch mehr dazu, unter anderem die kleine Kiste und das Litfass. Geplant ist, dass die Ausstellungen beibehalten werden, bis die Gastronomie wieder normal öffnen kann, erklärt Martha Martin-Humpert. Und sie hat auch sonst noch Pläne für das Projekt: "Man könnte eine Vernissage veranstalten, oder vielleicht Rundgänge zu den einzelnen Stationen anbieten – aber das ist natürlich alles noch Zukunftsmusik". Bis dahin ist Lock Down Look Up eine schöne Möglichkeit, den nächsten Spaziergang mit Kunst und vielleicht sogar noch einem Kaffee zu verbinden. Oder einfach kurz den Kopf zu heben und zufällig im Schaufenster eine kleine Entdeckung zu machen.

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