Mobilität

In Freiburg gibt’s jetzt Akkus aus dem Automaten

Jens Kitzler

Extra-Saft für E-Lastenräder und E-Roller: In Freiburg startet ein Pilotversuch mit Wechselstationen für elektrische Kleinfahrzeuge. Drei der Akku-Tankstellen sind bereits in Betrieb.

Ein Hemmschuh für die Elektromobilität ist das langwierige Aufladen der Batterien, der Gegenentwurf dazu ist der schnelle Akkutausch an Wechselstationen. Daran versucht sich jetzt der Energieversorger Badenova zusammen mit der Berliner Firma Greenpack: In Freiburg stehen drei Automaten, an denen Akkus für Lastenrad, Roller und Co. getauscht werden können – wenn sie zum System passen.


Ist der Batterietausch bei Elektrofahrzeugen das, was das minutenschnelle Tanken für Benziner oder Diesel ist? Beim Pressetermin am Freitag vor dem Solar-Info-Center gibt David Hansen vom Lastenhänger-Anbieter Carla Cargo die Testperson. Er klinkt den grünen Akku aus seinem Gefährt aus und hält die Chipkarte an den Automaten. Eine Schublade öffnet sich, er legt den leeren Akku ein. "Akkus werden geprüft", meldet das Display und dann: "Tür 2 öffnen". Dahinter liegt ein geladener Akku. Nach zwei Minuten kann die Fahrt weitergehen.

Bei Autos setzten sich Projekte mit Wechselakkus bislang nicht durch, aber vielleicht sieht es im Bereich der "kleinen E-Mobilität", bei E-Rollern oder Lasten-Pedelecs also, ja besser aus. Und das Segment müsse man fördern, erklärt Peter Majer, Leiter des Bereichs Innovation beim Energiedienstleister Badenova. "Denn E-Mobilität mit Autos löst nicht das Platzproblem in den Städten." Darum hat sich Badenova mit der Berliner Firma Greenpack zusammengetan.

Der Nutzer zahlt für die Tauschvorgänge

Die ging 2018 in der Hauptstadt mit Akkus und Wechselstationen in eine Pilotphase, mittlerweile findet man ihr "Swobbee" genanntes System an 16 Standorten – drei davon sind in Freiburg.

Aufgestellt wurden die Stationen bereits im Dezember vergangenen Jahres, zunächst habe man sie aber im Stillen getestet. "Man geht ja lieber an die Öffentlichkeit, wenn die letzten Fehler beseitigt sind", so Peter Majer. Ein Automat steht vor dem Solar-Info-Center in der Emmy-Noether-Straße, wo das System am Freitag präsentiert wurde, einer am Badenova-Hauptquartier an der Tullastraße und der dritte in der Neunlindenstraße 8. Dort hat der Lastenrad-Spediteur Roc-Ket Cargobikes seinen Sitz, und Geschäftsführer Thomas Ketterer will seine Flotte vollständig auf Swobbee-Akkus umrüsten. Schließlich sei das ideal für Räder im Dauerbetrieb. "Und Handel und Industrie nehmen diese Art der Logistik immer mehr an", erklärt er. Rund 350 Packstücke transportiere seine Firma täglich.

Das Geld für die Anlagen kommt vom Infrastrukturdienstleister ITG und damit aus Fördertöpfen der EU und des Landes, laut ITG-Geschäftsführer Dieter Sommerhalter kostete das System in Freiburg rund 150.000 Euro. Die Akku-Nutzer zahlen nicht den Strom, sondern die Tauschvorgänge, der Grundtarif von 26 Euro berechtigt für vier Wechsel. Mit einem Akku käme ein Lastenpedelec über 100 Kilometer weit, erklärt Thomas Duscha von Greenpack. "Die haben die dreifache Kapazität von E-Bike-Akkus." Wer sie nutzen will, muss allerdings ein Fahrzeug kaufen, das für Greenpack-Akkus vorbereitet ist. Hersteller, die das bauten, gebe es immer mehr, verspricht Duscha. >

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