Lebensmittel

In Freiburg gibt es ein Foodsharing-Café auf dem Grethergelände

Rebecca Bieling

Während die Tafel etabliert ist, steckt der Verein Foodsharing-Café Freiburg am Anfang. Das Ziel: Menschen helfen, die sich Lebensmittel kaum leisten können – und gegen Verschwendung ankämpfen.

Die Idee

"Ihr könnt den Umsatz, den ihr hier braucht, nicht erwirtschaften mit eurer Idee." Ein Satz, den sich Simon Paul und seine Freunde auf der Suche nach Räumlichkeiten für das Foodsharing-Café anhören mussten. Und das, obwohl sie bereits einen Verein gegründet und einige Zeit an ihrer Idee gefeilt haben. Knapp zwei Jahre dauert es vom ersten Treffen bis zur Eröffnung. Im Oktober 2021 ist es soweit: Das Café öffnet seine Türen: "Die Leute standen Schlange", erzählt Simon Paul. Der 30-Jährige ist seit Beginn dabei und Vorstand des gemeinnützigen Vereins Foodsharing-Café Freiburg. In einem gemeinschaftlich genutzten Raum auf dem Grethergelände gibt es seit der Eröffnung jeden Donnerstag "gerettete" Lebensmittel, die zum kostenlosen Verzehr angeboten werden. An einer Theke sind Getränke erhältlich – diese werden von den Besitzern des Raumes gestellt und verkauft.

Von Foodsharing, Foodsavern und Fairteilern

Foodsharing ist ein Konzept, bei dem Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet und stattdessen konsumiert werden sollen. Die Idee entstand 2012 in Berlin und hat sich seitdem in ganz Deutschland verbreitet. "Foodsharing ist extrem komplex geworden, weil es so viele Bezirke gibt", sagt Simon Paul. Denn in manchen Städten gibt es einen eingetragenen Verein, in anderen, wie auch Freiburg, organisieren sich die Foodsaver selbst. Foodsaver sind diejenigen, die Lebensmittel von Supermärkten, Bäckereien oder auch Bauern abholen und weiterverteilen. Das läuft über abgesprochene Kooperationen – "containert" wird nicht. Unter "containern" versteht man das Mitnehmen weggeworfener Waren aus Mülltonnen.

Der Umschlagplatz für das gerettete Essen sind sogenannte Fairteiler. Öffentlich zugängliche Regale, in die die Lebensmittel gelegt und mitgenommen werden dürfen. Dieses Angebot darf jeder nutzen, erklärt Simon Paul: "Da kann auch der reiche Bänker sich bedienen, weil er die Idee cool findet und Ressourcen sparend sein möchte." Genauso ein Fairteiler ist Herz des Cafés am Grethergelände. Die Besonderheit ist, dass er nur zu den Öffnungszeiten des Cafés aufgefüllt und genutzt werden kann. Dafür kann man die geretteten Lebensmittel direkt vor Ort verzehren.

Lebensmittelverschwendung trotz steigender Preise

In den letzten Monaten kämpfen Vereine wie die Tafel mit Überlastung aufgrund des Ukrainekriegs und können die Nachfrage mit ihrem Lebensmittelangebot nicht mehr decken. Nicht nur geflüchtete Menschen suchen dieses Angebot auf, auch diejenigen, die sich Lebensmittel aufgrund steigender Preise kaum noch leisten können, sind nun darauf angewiesen. "Ich habe das Gefühl, dass viel mehr Leute nach Möglichkeiten wie Foodsharing schauen, um an Lebensmittel zu kommen", bestätigt Simon Paul. Trotzdem hat der Verein genug ehrenamtliche Helfer, um Lebensmittel zu organisieren. So groß die Auswirkungen des Krieges auf Nachfrage und Lebensmittelpreise sein mögen, die Wegwerf-Kultur bleibt bestehen. Simon berichtet: "Auf die Menge der weggeworfenen Lebensmittel habe ich keine Auswirkungen bemerkt. Das können wir ehrenamtlich gar nicht alles stemmen, was da weggeschmissen wird."

"Mama, warum schmeißt du das eigentlich weg?"

Die Angebote des Vereins gehen über das wöchentliche Café hinaus. An mehreren Terminen werden Workshops angeboten: Dieses Jahr bereits in Kooperationen mit dem Ernährungsrat, Fairfood, dem Weltladen und dem Einmach-Kollektiv – und auch auf Events, wie dem Agrikultur-Festival, war das Foodsharing-Café aktiv. "In unseren Augen ist insbesondere die Bildungsarbeit wichtig", sagt Simon Paul. Die finanziellen Spenden, die der Verein sammelt, fließen größtenteils dort hin. Eine Bildungs-AG hat sich gegründet, die bereits Workshops erarbeitet hat und das Ziel verfolgt interaktiven Unterricht an Schulen anzubieten – in der Hoffnung, dass die Schülerinnen und Schüler das Gelernte in ihre Familien tragen.

Das Klientel bedient sich selbst

"Auf unserem Instagram-Account folgt uns unsere Crowd, die schon aktiv ist", sagt Simon Paul. Aktuell nutzen vor allem die Menschen das Angebot, die sich bereits engagieren, politisch aktiv oder in der alternativen Szene Freiburgs zuhause sind. Im Gegensatz zu beispielsweise der Tafel sind diejenigen, die den Fairteiler füllen oder Spenden vorbei bringen auch die, die dort essen. Das mag zwar gut funktionieren, verfehlt aber das Ziel, neue Menschen mit dem Thema Lebensmittelverschwendung zu konfrontieren und das Angebot für Menschen mit Bedarf zu öffnen. Wer am Grethergelände wohnt, hat sich wahrscheinlich schon mit der Thematik auseinandergesetzt.

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