Hohe Corona-Inzidenz

In Freiburg gelten neue Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte

Joachim Röderer

Die Stadt Freiburg liegt den zweiten Tag in Folge über dem Inzidenzwert 500. Deshalb gelten nun Beschränkungen für Ungeimpfte. Mit einem weiteren "rasanten Anstieg" der Infektionen wird gerechnet.

Das Landesgesundheitsamt hat am Montagabend für Freiburg eine Inzidenz von 508,8 Corona-Infektionen pro Woche und 100.000 Einwohnern gemeldet. Weil der Wert den zweiten Tag in Folge über der 500er-Marke liegt, gelten ab Dienstag, 0.00 Uhr, die vom Land für diesen Fall beschlossenen Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte zwischen 21 und 5 Uhr. Oberbürgermeister Martin Horn und das örtliche Gesundheitsamt rechnen damit, dass die Fallzahlen in den kommenden Tagen weiter deutlich steigen werden.

Freiburg führt damit von Dienstag an erstmals lokale Ausgangsbeschränkungen für Nichtimmunisierte ein – so wie sie von der baden-württembergischen Landesregierung in Paragraf 17 der aktuellen Corona-Verordnung festgelegt worden sind. Die Beschränkungen gelten von 21 bis 5 Uhr. Es gibt aber eine Reihe von Ausnahmen – unter anderem für die Ausübung beruflicher Tätigkeiten, für Arztbesuche, für die Betreuung von Jugendlichen, für ehrenamtliche Tätigkeiten bei Feuerwehr, Rettungsdienst oder Katastrophenschutz, für den Besuch von Ehe- und Beziehungspartnern.

Vollzugsdienst kontrolliert die Ausgangsbeschränkungen

Als immunisiert gilt, wer gegen Covid-19 geimpft oder von Covid-19 genesen ist. Einer Auffrischungsimpfung (Booster) bedarf es nicht. Die Ausgangsbeschränkungen wurden von Landrätin Dorothea Störr-Ritter am Montagabend offiziell angeordnet. Der städtische Vollzugsdienst werde die Ausgangsbeschränkungen im Rahmen der Möglichkeiten kontrollieren, zuständig sei aber auch die Landespolizei, heißt es bei der Stadt.

Freiburg hat aktuell nach dem Landkreis Lörrach die zweithöchste Inzidenz in Baden-Württemberg. Nie zuvor war die Inzidenz in Freiburg auf diesem Level. Innerhalb von nur einer Woche sind die Fallzahlen um 100 Prozent gestiegen.



Das beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald angesiedelte Gesundheitsamt sprach am Montag von einem "dynamischen und diffusen Infektionsgeschehen, das zunehmend auf die Omikron-Variante zurückzuführen ist". In diesen Fällen komme es zu einer beschleunigten Ansteckungsdynamik und auch zu mehr Folgeinfektionen.

Landkreis liegt unter der kritischen Marke

Der Landkreis liegt aktuell bei einer Inzidenz von 330 und damit noch deutlich unterhalb der kritischen Marke. Das Gesundheitsamt geht jedoch davon aus, dass auch im Kreis die Fallzahlen "zeitnah sehr dynamisch ansteigen werden". Im Hinblick auf die nun nach den Ferien wieder eingetretenen Alltagsbedingungen sei insgesamt eine Ausbreitung der Omikron-Variante "mit hohen und rasant steigenden Fallzahlen" zu erwarten. Deswegen appelliert die Gesundheitsbehörde an die Bevölkerung, die Kontakte sehr konsequent zu beschränken und, sofern noch nicht erfolgt, die Impfangebote anzunehmen.

Bei den Bis-35-Jährigen sogar Inzidenz von rund 900

Auch Oberbürgermeister Martin Horn rechnet damit, dass die Zahlen weiter nach oben gehen werden. Er sieht den derzeitigen Anstieg in Zusammenhang mit der Entwicklung bei den Nachbarn im Dreiländereck. Das Elsass habe eine Inzidenz von knapp 2000, Basel-Stadt von 1300. "Omikron breitet sich offenbar von Westen nach Osten aus", so der Oberbürgermeister. Vor allem die jüngeren Altersgruppen seien stark betroffen. So lag schon am Montag in der Altersgruppe der 15- bis 35-Jährigen die Inzidenz bei rund 900. Die nächsten Wochen würden sehr herausfordernd, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Familien sowie für Berufstätige in diesem Feld, prophezeit der Rathauschef.

In der vergangenen Woche gab es in den Freiburger Kindertageseinrichtungen bereits 21 positive PCR-Pooltests – und das obwohl noch gut ein Drittel der Kitas in den Ferien waren. Nach Ferienende wurden nun am Montag auch die Pooltests in den Schulen der Stadt wieder aufgenommen. Weil bei positiven Klassen- oder Gruppenpools Einzelnachtestungen erforderlich sind, befürchtet der OB, dass schnell die Belastungsgrenze der Labore erreicht sein wird – zumal das Testvolumen insgesamt steigen werde.

38 Coronakranke auf den Intensivstationen

Positiv sei, so Horn, dass die Omikron-Ansteckung in der Mehrzahl der Fälle milder verlaufe. Es gebe weniger Hospitalisierungen und weniger Todesfälle. Dafür sei die Variante jedoch deutlich ansteckender. Das Divi-Intensivregister meldete für Freiburg am Montag 38 Corona-Erkrankte auf den Freiburger Intensivstationen, davon wurden 33 beatmet.

"Wir bereiten uns darauf vor, dass es zu einem Anstieg der intensivpflichtigen, aber auch der nicht-intensivpflichtigen Patienten kommen wird", sagte am Montag Benjamin Waschow, der Sprecher des Universitätsklinikums, auf BZ-Nachfrage. Gleichzeitig bereite sich die Klinik auch darauf vor, dass es vermehrt zu Ausfällen beim Personal kommen könnte. Auch deswegen laufe das Klinikum noch nicht unter Volllast – "damit wir zur Not auch Personal in den kritischen Bereichen zusammenziehen können", so Waschow.