fudder-Interview

In Freiburg eröffnet die Produzenten-Kunstmesse "Freiburg Art Fair"

Jennifer Fuchs

Ausgewählte Werke von Freiburger Künstlerinnen und Künstlern stehen im Mittelpunkt der Freiburger Art Fair, die kommendes Wochenende zum ersten Mal stattfindet. Mitorganisator Ben Hübsch erklärt, warum das Konzept neu ist.

Ben, wie seid ihr auf die Idee gekommen, die Freiburger Art Fair zu veranstalten?

Hanna Böhme, Geschäftsführerin der FWTM, und Julia Galandi-Pascual, Leiterin der Paul Ege Art Collection im Peace Museum unterhielten sich über die spezielle Situation der Künstler in der Coronazeit. Da erinnerte sich Frau Böhme an die Affordable Art Beijing. Als Besucherin der Messe war sie damals sehr von dem Konzept angetan, da sich ihr dort nicht nur die Möglichkeit zum Betrachten der Kunst bot, sondern eben auch deren direkten Erwerb. Da ich mit beiden Personen wegen anderer Projekte in engem Kontakt stand, fragten sie mich, ob ich Interesse habe, mit ihnen in Freiburg eine Kunstmesse zu organisieren.

Ich bat befreundete Künstler um die Zusammenarbeit und wir gründeten eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts. Die Mitglieder sind meine Freunde und Künstlerkollegen Günther Holder, Martin Kasper, Thomas Kitzinger und Florian Thate. Im Beirat sitzen Dr. Julia Galandi Pascual und Prof. Nikolaus Bischoff. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Kunstmesse und das Angebot der FWTM in einer Messehalle ausstellen zu dürfen, ist eine große Herausforderung. Schnell merkten wir, dass uns die Präsentationsform einer herkömmlichen Messe gar nicht interessiert. Nach und nach entwickelte sich durch Ortsbegehungen, Rechtsberatungen und mit Hilfe von Steuerberatern ein Ausstellungskonzept, das einzigartig sein dürfte.

Was ist das Einzigartige an der Freiburger Art Fair (FAF)?

Wir wollen Kunst direkt präsentieren, so wie sie aus dem Atelier kommt – ohne Inszenierung, zusätzliche Beleuchtung oder Rahmenprogramme. Der Fokus soll auf dem liegen, was da ist. Wir leben von der Auseinandersetzung und wünschen uns den Kontakt mit den Besuchern. Die FAF wird zwei verschiedene Präsentationsformen von Kunst zeigen: Das Lager und die Wand. An den Außenwänden der Halle sind ein Großteil aller Werke aufgereiht und stehen dicht an dicht nebeneinander. Die Reihenfolge der an der Wand gezeigten Arbeiten folgt dabei dem Anspruch von Abwechslung und Spannung und wird nicht nach den Namen der Künstler sortiert.

Wenn sich ein Besucher stärker für ein bestimmtes Kunstwerk interessiert, besteht die Möglichkeit, sich die Arbeit von dem jeweiligen Künstler an eine Präsentationswand hängen zu lassen. So entsteht ein idealer Moment, um mehr über die Kunst zu erfahren und sich mit der Produzentin oder dem Produzenten auszutauschen. Ein Moment auch, an dem andere Interessierte ebenfalls zu dem Gespräch hinzukommen können.

"Wenn sich ein Besucher stärker für ein bestimmtes Kunstwerk interessiert, besteht die Möglichkeit, sich die Arbeit von dem jeweiligen Künstler an eine Präsentationswand hängen zu lassen."

Die Zuschauer sind also aktiv beteiligt?

Genau. Die FAF wird ihr ganz eigenes Profil haben, organisiert von Künstlern für Künstler. Dabei soll die lokale Kunstproduktion, die ein großes und qualitatives Spektrum hat, einem breitem Publikum vor Augen geführt werden. Insgesamt 50 Künstlerinnen und Künstler, die alle aus der Region stammen, werden zeitgenössische Kunst in vielfältigen Erscheinungsformen zeigen. FAF heißt auch Frei ab Fabrik. Das soll sich auch in der Atmosphäre dieser Messe widerspiegeln, bei der alle Aussteller auch persönlich anwesend sein werden.

"Der Aspekt der Solidarität ist ein Alleinstellungsmerkmal dieser Messe."

Wie wurden die eingeladenen Künstler ausgewählt?

Wir haben uns ausschließlich auf professionelle Künstlerinnen und Künstler - also solche, die vorwiegend von der Kunst leben - konzentriert. Die Anzahl von etwa 50 eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern schien uns als ein Maximum dessen, was wir bewältigen können. Die Beteiligten sollten entweder hier leben oder hier studiert haben. Wir wollten möglichst ein Gleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Kollegen finden. Außerdem wollten wir einen Querschnitt durch alle Altersklassen abbilden. Schließlich luden wir 62 Künstlerinnen und Künstler zur Messe ein. Leider kam der große Anteil an Absagen oder keiner Reaktion mit über 90 Prozent von der Frauenseite. Gleichzeitig sind Auswahlen immer fehlerhaft und schmerzlich für die, die nicht eingeladen sind.

Wie profitieren die ausstellenden Künstler davon?

Der Aspekt der Solidarität ist ein Alleinstellungsmerkmal dieser Messe und ein wichtiger Bestandteil der Idee der FAF. Künstler, die mit Galerien zusammenarbeiten, sind es gewohnt, den Gewinn mit den Galeristen zu teilen. Das ist auch gut so, weil Galerien ohne diesen Anteil nicht existieren könnten.

Aber wenn Künstler dies sowieso gewohnt sind, warum teilen sie nicht untereinander? Dieser Schritt stärkt schließlich auch das Bewusstsein füreinander. Wir teilen bei dieser Veranstaltung nicht nur das Geld, wir teilen auch das Publikum und das allgemeine Interesse. Wir haben die Hoffnung, dass wir alle durch das gemeinsame Teilen wachsen werden und die Kunstszene in Freiburg neu beleben können.

Angesichts der aktuellen schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Künstler*innen hat die FAF-GBR also ein Teilnahmemodell entwickelt, bei dem alle Künstler*innen von der Veranstaltung profitieren können. Diejenigen die ihre Kunst verkaufen geben 30 % der Erlöse in einen Topf der dann gemeinsam an alle verteilt wird.

Ben Hübsch, geboren 1963, ist Bildender Künstler und Professor für Bildende Kunst an der Macromedia Hochschule Freiburg.

Was: Freiburg Art Fair
Wann: Freitag, 9. Oktober bis Sonntag, 10. Oktober
Wo: Messe Freiburg, Halle 1
Eintritt: ab 10 Euro, Tickets gibt es nur im Vorverkauf