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In einer neuen Telegram-Gruppe warnen sich Freiburger vor Ticket-Kontrolleuren

Saskia Burkart

Eine Gruppe, in der sich die Nutzer gegenseitig vor Kontrolleuren warnen. Was in Deutschland schon weit verbreitet ist, ist nun auch in Freiburg angekommen. Innerhalb von zwei Monaten sind der Telegram-Gruppe "Freifahren Freiburg" rund 670 Mitglieder beigetreten.

Es gibt sie schon in rund 20 Städten in Deutschland, in fünf Städten in Österreich, sogar in Barcelona und seit dem 3. Januar 2020 auch in Freiburg: Die Rede ist von Telegram-Gruppen, in denen sich die Nutzerinnen und Nutzer gegenseitig vor Kontrolleuren warnen. Innerhalb von knapp zwei Monaten hat die Gruppe "Freifahren Freiburg" bereits rund 670 Mitglieder erreicht. Über einen Link, mit dem die Mitglieder andere Telegram-Nutzer einladen, kommen täglich neue dazu.


Wie wird in der Gruppe vor Kontrolleuren gewarnt?

Das Konzept der Gruppe ist schnell erklärt: Sieht ein Nutzer einen Kontrolleur, schreibt er das als kurze Meldung. Dabei beschreibt er, welche Kleidung der Kontrolleur trägt und in welcher Linie er sich befindet. Am 19. Februar postete zum Beispiel ein Nutzer: "Vier Kontros stehen am Scherrerplatz, Haslach. Alle haben Jeanshosen an, einer ne grüne Jacke. Der mit der Ed Hardy Hose ist auch dabei, sind Richtung Innenstadt". Für die Mitglieder gelten aber bestimmte Verhaltensregeln, die für alle in der Gruppe sichtbar sind. Bei der Beschreibung müssen die Nutzer auf eine wertfreie Sprache achten und auf Begriffe, die etwas mit Ethnie, Herkunft und Kultur zu tun haben, verzichten.

Wie sieht es mit der rechtlichen Lage aus?

Die Schwarzfahrer-Gruppen bewegen sich ähnlich wie Blitzerwarnungen im Radio in einer rechtlichen Grauzone. Solange keine heimlich geschossenen Fotos der Kontrolleure veröffentlicht werden, begehen die Mitglieder der Gruppe keine Straftat.

Wo kann man noch vor Kontrolleuren warnen?

Neben den Telegram-Gruppen gibt es auch Apps, in denen sich die Nutzer vor Kontrolleuren warnen. Zu ihnen gehört zum Beispiel "Fare2Bandit". In der App sind Großstädte aus Deutschland, Schweden, Ungarn und Tschechien gelistet. Freiburg gehört nicht dazu. Frankfurt, Bremen und Freiburg haben auch eine eigene Facebook-Gruppe, in der die Nutzer vor Kontrolleuren melden oder sich über ansteigende Ticket-Preise beschweren. Die Telegram-Gruppe gibt es mittlerweile für rund 20 Großstädte in Deutschland.

Was sagt der Admin der Gruppe "Freifahren Freiburg"?

"Mit der Gruppe wollen wir nicht zum Schwarzfahren animieren. Sie soll viel mehr eine Art Instanz sein, die die Kontrolleure beobacht ", erklärt der Admin von "Freifahren Freiburg", der anonym bleiben möchte. Er selbst kommt nicht aus Freiburg und leitet nebenher auch andere Schwarzfahrer-Gruppen in Deutschland. Viele der Nutzer hätten ihn gefragt, warum es noch keine Gruppe für Freiburg gibt, deshalb habe er "Freifahren Freiburg" Anfang des Jahres gegründet.

Was sagt die VAG?

Der Trend zu Schwarzfahrer-Gruppen im Internet ist der VAG bekannt, jedoch sehen die Liniennetz-Betreiber keinen Grund zum Handeln. "Die Informationen, die in den Gruppen verbreitet werden, sind oft schon unmittelbar nachdem sie gesendet wurden wieder inaktuell. Unsere Fahrausweisprüferinnen und –prüfer wechseln nämlich ständig die Linien, auf denen sie unterwegs sind", erklärt VAG Pressesprecher Andreas Hildebrandt. So bleibt immer ein großes Restrisiko erwischt zu werden, egal wie viele Mitglieder in der Schwarzfahr-Gruppe aktiv sind. "Der einfachste Weg unangenehmen Begegnungen bei Fahrscheinkontrollen aus dem Weg zu gehen, ist immer einen gültigen Fahrschein mit sich zu führen", betont Hildebrandt.

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