Studium

In einem Uni-Seminar diskutieren Studierende über weibliche Führung

Carolin Johannsen

Chinesische Piraten, Periodenunterwäsche und Frauen in Führungspositionen: An der Uni Freiburg hat in diesem Wintersemester ein Kurs zu "Female Leadership" stattgefunden – eine Premiere.

Es ist das Jahr 2021 und dennoch sind Frauen in Führungspositionen oft eher die Ausnahme als die Regel. "Meine eigene Wahrnehmung war zu Beginn so, dass der Begriff Leadership eher männlich geprägt ist", sagt Maria-Xenia Hardt. Sie hat deshalb im Wintersemester am University College Freiburg, einer innerhalb der Uni eingegliederten eigenständigen Institution, einen Kurs mit dem Titel "Female Leadership" gegeben. Ein solcher Kurs hatte zuvor an Uni oder am UCF noch nicht stattgefunden.


Obwohl im Studiengang Liberal Arts and Sciences aktuelle Themen und Diskurse ein wichtiger Teil des Studieninhalts sind, war Maria-Xenia Hardts Seminar eine Neuheit. Ihr Kurs fand als ein sogenanntes Core-Modul im Bereich "Leadership and Responsibility" statt. Studierende der Liberal Arts and Sciences müssen in ihrem Studium zwei Module aus diesem Bereich absolvieren. Das Thema "Female Leadership" gab es zum ersten Mal.
"Das Thema hat mich schon länger interessiert", erzählt Maria-Xenia Hardt. Sie gibt seit fünf Jahren Seminare an der Uni, hat gerade ihre Dissertation abgeschlossen und ist außerdem als Moderatorin und Journalistin tätig. Feministische Themen liegen der Vagina-Monologues-Initiatorin am Herzen. "Mein Ziel war es, Studien zum Thema Female Leadership in Bezug zur Lebensrealität zu bringen", sagt sie. Deswegen steckte sie in der Kursentwicklung auch viel Zeit in ein interaktives Konzept – trotz, oder gerade wegen, des komplett digitalen Semesters.

Frauen in Führungspositionen berichteten

"Ich habe überlegt, was ich selbst als Studentin cool gefunden hätte", erzählt Maria-Xenia Hardt, die bis 2016 an der Uni Freiburg Anglistik studiert hat. Mit ihrem Kurs wollte sie "eine Brücke schlagen zwischen der Wissenschaft und der Welt". Neben verschiedenen Analysen und Fallstudien stand deshalb auch populärwissenschaftliche Literatur auf der Leseliste für die Studierenden. Zusätzlich hatte sie zu einigen Sitzungen Gäste eingeladen, die von ihren Erfahrungen als Frauen in Führungspositionen erzählten.

Die Kombination aus Theorie und Praxis kam bei ihren Studierenden gut an. Der Kurs war mit 20 Studierenden voll belegt und einige weitere standen auf der Warteliste. "Mir hat der Kurs richtig viel Spaß gemacht, ich habe viel mitgenommen und kann ihn definitiv weiterempfehlen", fasst Julia Reiff zusammen. Sie studiert im 3. Semester Liberal Arts and Sciences und belegte den Kurs aus Interesse an dem Thema. Ihr wichtigstes Learning aus dem Kurs: "Es ist wichtig, sich als Individuum zu sehen, nicht nur als Frau und man kann gut führen, egal wie man ist, egal wer man ist."

Von einer chinesischen Piratin bis zur Periodenunterwäsche

Ein Ergebnis des Kurses ist ein Blog, den die Studierenden im Laufe des Semesters mit Beiträgen gefüllt haben. Die Themen reichen von einer chinesischen Piratin über Periodenunterwäsche bis zu Podcasts. "Female Leadership war von allen ähnlichen Kursen, die ich in meinem Studium gemacht habe, am meisten praktisch orientiert", findet Antonella Diller. Sie schreibt gerade an ihrer Bachelorarbeit und war begeistert von der Umsetzung des Kurses. "Insbesondere den Blog fand ich toll, man ist viel stolzer auf einen Blogartikel, den auch andere lesen können als auf einen Essay", sagt sie. Ihr einziger Wunsch, sollte es den Kurs noch einmal geben: "Der Kurs würde davon profitieren, wenn es mehr Varietät gegeben hätte, es war leider nur ein Mann dabei."
Info

Das University College Freiburg wurde 2012 gegründet. Es dient als eine zentrale und interfakultäre Plattform für die Organisation und Stärkung internationaler und interdisziplinärer Lehraktivitäten an der Universität Freiburg. Das UCF komplementiert und unterstützt die Arbeit der Fakultäten in diesen Bereichen und entwickelt fächerübergreifende Studienangebote und Lehrkonzepte.

Disclaimer:

Maria-Xenia Hardt ist auch fudder-Autorin. Wir hätten aber auch über ihren Kurs berichtet, wenn sie das nicht wäre, weil wir das Thema sehr wichtig finden.