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In der Krise müssen wir Solidarität mit den Schwächsten zeigen

fudder-Redaktion

Es wurde viel über Schule und Corona gesprochen – jetzt kommen die Schülerinnen und Schüler zu Wort. Bei einem Projekt des Kreisgymnasiums Hochschwarzwald haben sie ihre Gedanken aufgeschrieben. fudder veröffentlicht ihre Geschichten. Teil 4: Digitale Flugblätter.

Was denken Schülerinnen und Schüler über das Coronavirus und dessen Auswirkungen? Für ein Projekt des Kreisgymnasiums Hochschwarzwald haben 100 Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf, acht, neun und zehn ihre Gedanken und Gefühle zur Pandemie aufgeschrieben. Entstanden sind 163 Geschichten und Gedichte. Dirk Philippi ist Lehrer für Deutsch und Sport am Kreisgymnasium und hat den Anstoß zum Projekt gegeben. Er hat die Geschichten in einem E-Book zusammengefasst. fudder veröffentlicht einige der so entstandenen Geschichten.

Thema 4: Digitales Flugblatt

Ein digitales Flugblatt in Form einer E-Mail mit politischem Charakter und einer persönlichen Forderung.

Lukas, 10a

Durch die Krise: Mit Solidarität zum Ziel

Die Covid-19-Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen und Veränderungen haben unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Doch gerade in Zeiten der Krise ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft Zusammenhalt und Solidarität auch mit den Schwächsten in unserer Gesellschaft zeigen.

Für viele von uns bedeuten die Infektionsschutzgesetze, dass wir nicht mehr ohne Einschränkungen reisen können, dass wir eine Maske im Supermarkt tragen müssen oder dass wir unsere Großeltern nicht mehr sehen können. Virologen bestätigen, dass diese Maßnahmen notwendig sind, um die
Risikogruppen zu schützen und unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Für manche Menschen in unserer Gesellschaft und in Europa, ja auf der ganzen Welt, bedeutet diese Pandemie aber so viel mehr als nur einfache Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben.

In vielen Krisenregionen dieser Erde wird weiter gekämpft: Terror und Krieg machen vor einer Pandemie keinen halt. Die Pandemie verstärkt die Konflikte in Ländern wie Libyen, Syrien oder dem Sudan und die daraus entstehenden humanitären Katastrophen nur noch weiter. Die Situation für die Zivilbevölkerung ist nicht haltbar. Deutschland muss auch während der Krise weg vom nationalen Egoismus hin zur internationalen Solidarität. Die Bundesrepublik muss Entwicklungshilfe leisten und endliche keine Waffen mehr an Staaten liefern, die in diesen Staaten aktiv Krieg führen. Wir müssen damit aufhören, Waffen an Staaten wie die Türkei oder Saudi Arabien zu liefern. Staaten, die aktiv zum Leid der Zivilbevölkerung beitragen, dürfen dies nicht mit deutschen Waffen tun.

Aber um großes Leid zu finden, müssen wir nicht in weit entfernte Länder schauen. Das Leid ist direkt vor unserer Haustür: Fehlende europäische Solidarität führt dazu, dass tausende Flüchtlinge in Griechenland in inhumanen Lagern ausharren müssen. Lager, in denen es keinerlei sanitäre Einrichtungen gibt. Lager, in denen es den Flüchtlingen unmöglich gemacht wird, einen Mindestabstand einzuhalten. Diese Menschen sind vor dem Schlimmsten geflohen, was einem Menschen auch nur widerfahren kann: dem Tod. Sie sind nach Europa gekommen, um sich und ihren Familien einen Neustart in Frieden und Freiheit zu ermöglichen. Wir brauchen mehr Solidarität mit Geflüchteten. Als größte Wirtschaftsmacht Europas muss es Deutschland möglich sein, auch in der Krise Solidarität mit Geflüchteten zu zeigen und ihnen eine sichere Unterbringung in Deutschland bieten.

Aber auch in Deutschland gibt es viele Menschen, die jetzt noch mehr als normal auf gesellschaftliche Solidarität angewiesen sind. Obdachlose haben in der Krise größte Schwierigkeiten, sich über Wasser zu halten. Die Innenstädte sind wie leergefegt, Schlafplätze und Notunterkünfte sind so überfüllt, dass ein Mindestabstand quasi unmöglich ist. Auch steht den meisten Obdachlosen keinerlei medizinische Versorgung zur Verfügung. Doch nicht nur Obdachlose leiden besonders unter der Corona-Krise. Auch Geringverdiener haben große Schwierigkeiten in der Krise. Wer schon vor der Krise fast zum Amt musste, um das Gehalt aufzustocken, den treffen 60% Kurzarbeitergeld wie ein Schlag ins Gesicht. Viele stehen vor existenziellen Schwierigkeiten. Wir brauchen ein solidarisches System, dass die Schwächsten in unserer Gesellschaft unterstützt, nicht die Banken, Konzerne und Milliardäre.

Natürlich ist diese Krise für viele Menschen ein Problem. Die meisten in unserer Gesellschaft leiden in irgendeiner Form unter den Veränderungen, die die Krise mit sich bringt. Und selbstverständlich konnte ich hier nur einen kleinen Teil der Menschen nennen, die auf Solidarität angewiesen sind. Menschen in sozialen und systemrelevanten Berufen stützen diese System während der gesamten Krise, ohne mehr zu bekommen als Applaus. Obwohl diese Krise für uns alle hart ist, hilft es nicht, den Kopf einfach in den Sand zu stecken. Wir müssen uns alle gegenseitig unterstützen und auch mal an andere denken. Durch eine Krise dieses Ausmaßes kommt man nur zusammen (auch wenn man räumlich getrennt sein mag).



Hoch die internationale Solidarität!

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