Premiere

In dem Stück "Pussy lounge" geht es um Feminismus

Lisa Discher

Gender Pay Gap, verminderte Aufstiegschancen: An diesem Donnerstag feiert im Artik das Stück "Pussy lounge – oder was machen wir, wenn man uns machen lässt?" Premiere. Fudder-Autorin Lisa Discher war bei der Generalprobe.

Wild, laut, energetisch und Musik at it’s best – die Attribute passen, aber fassen dieses Stück nicht ansatzweise zusammen. "Pussy lounge" ist ein performativer Diskurs, der seine Zuschauer:innen einladen möchte, Feminismus nicht als etwas längst nicht mehr Aktuelles zu sehen. "Pussy lounge" ist ein Stück, das fesselt, weil es echt ist. Die Perfomer:innen Karolin Stächele (künstlerische Leitung), Sabine Noll, Katharina Ludwig, Neil Höhener und Solomusikerin Zweatlana nehmen mit auf eine Reise in die Welt der Frauen und Männer – und zeigen was Feminismus umfasst und was wir machen würden, wenn man uns denn ließe.

Feminismus – Panik und Abneigung?

Dafür hat Jule Weber in enger Zusammenarbeit mit den Künstler:innen die Spoken Word Texte verfasst. Schon wieder Feminismus? Das fragt man sich nicht mehr nach dem Stück. Doch die Frage nach dem Warum – also warum versetzt das Wort "Feminismus" so viele in Panik und Abneigung? – die werfen die Performer:innen in den Raum.

41 Jahre lang menstruieren, Brüste haben und Kinder bekommen? Heißt das, ich bin eine Frau? Und wenn ja, bin ich gesellschaftlich noch als schön akzeptiert, wenn mein Körper gezeichnet ist von der Zeit? Es geht um fragwürdige Schönheitsideale, Frauen, die die Tanzsparte dominieren, die wiederum mehrheitlich von Männern dominiert wird. Frauen sollen sich rasieren, bitte, ja, nein, vielleicht? Und wieso ist es beim Mann egal?

Im Vordergrund: Reflektion

Wie es sich für die Künstler:innen anfühlt, in nur sieben Wochen eine solch starke Tanzperformance, die von mehreren Kulturinitiativen gefördert wird, auf die Beine zu stellen, ist für sie schnell beantwortet: "Wir sind ,ne sehr coole Gruppe, wir sind unterschiedlich alt, was den Prozess so spannend macht – gerade durch die unterschiedlichsten und persönlichen Eindrücke, die man voneinander gewinnt", sagt Katharina Ludwig. Für den Performer Neil ist das Stück eine Reflektion, gerade als Mann habe er viel dazugelernt. "Wir sind alle verändert aus diesem Prozess gegangen", ergänzt Karolin Stächele, die Choreografin von "Pussy lounge". Persönlich, intim und echt. Man denkt, man kennt diese Menschen, die sich da auf der Bühne verausgaben, weil jeder ein Stück von sich mitbringt. Ein Stück Erfahrung.

Aber nicht nur die Sprech- und Tanzeinheiten ziehen in den Bann, auch die Musik hat es in sich. Zweatlana performt mit auf der Bühne. Vor buntem Licht steht sie mit ihrem Mischpult mit Mikrofon und wann immer sie singt, ist Gänsehaut garantiert. Kehliger Gesang, der runter geht wie Honig, Beats die perfekt auf die Performance abgestimmt sind, dumpfe Trommeln und – es passt alles.

In dieser Stunde vergisst man die Zeit, wundert sich, wenn Ben Plaga, der für das Licht zuständig ist, dieses ausknipst und die Performer:innen sich verbeugen. Mit verschwitzten Gesichtern endet das Stück und man selbst kann noch gar nicht zur Gänze verstehen, was für ein wirkungsvolles Theater man da gerade gesehen oder besser – erlebt hat.

Feminismus als gigantisches Feld, das nicht nur Frauen umfasst

Aber ein solches Stück in nur sieben Wochen aus dem Boden zu stampfen, birgt Herausforderungen. "Vor allem haben wir es mit drei verschiedene Kunstformen zu tun. Mit Musik, Text und Tanz, die irgendwie alle unter einen Hut gebracht werden wollen und auch thematisch muss das dem Ganzen gerecht werden", sagt Karolin nach der Aufführung. Da den Fokus zu finden, was an welcher Stelle im Vordergrund steht war auf jeden Fall nicht ganz einfach. "Auf der dramaturgischen Ebene ist Feminismus ein gigantisches Feld und je tiefer wir da eingestiegen sind, desto konfuser war’s bei uns", fügt Sabine Noll hinzu. Feminismus sei nicht irgendwas Abstraktes, irgendwo im Politischen. Feminismus ist hier und echt und im Jetzt. "Ja, das ist jetzt die Frage, nicht? Was macht die Feministin aus? Also ehrlich gesagt bin ich da jetzt nicht politisch aktiv oder in irgendwelchen Gruppen unterwegs. So hatten wir das Stück zwar angefangen, aber wir haben dann schnell festgestellt, das feministisch Handeln im Kleinen anfängt und nicht nur Frauen umfasst", antwortet Karolin auf die Frage, ob sie alle Feminist:innen seien.

  • Was: Pussy lounge – oder was machen wir, wenn man uns machen lässt?
  • Wann: Premiere: Do, 9.9., 20 Uhr, weitere Termine am: 10.9., 20 Uhr, 11.9., 20 Uhr, 12.9., 20 Uhr, 13. Oktober, 20 Uhr (im Crash), 14.10., 20 Uhr (Crash), 15.10., 20 Uhr (Crash)
  • Wo: Artik, teils im Crash