Immer mehr Online-Nutzer

Jens Kitzler

Jahresbilanz der Stadtbibliothek: Ausbau der digitalen Medien zahlt sich aus, aber das Buch bleibt.

. Die Freiburger Stadtbibliothek bietet zunehmend digitale Formate an und die werden – unabhängig von Corona – auch zunehmend angenommen. Der Jahresbericht für 2019 zeugt aber auch von stabilen Zahlen, was die Nutzung klassischer Medien angeht. Insgesamt verzeichnete die Bibliothek 1,5 Millionen Ausleihen im vergangenen Jahr.

Wer das Erdgeschoss der Stadtbibliothek betritt, für den sieht dort erstmal alles ganz normal aus, Buch an Buch reiht sich in den Regalen. Zwei Stockwerke weiter oben allerdings erzählt Direktorin Elisabeth Willnat von Digitaler Transformation, von Umbrüchen, vom Wandel der Bibliothek. "Wir haben in den vergangenen zwei Jahren das Konzept auf den Prüfstand gestellt." Ein Ergebnis war die Öffnung der Bibliothek am Montag, ohne Personal, auf Selbstbedienung gestützt, nach dem Prinzip "Open Library", das man sich in Dänemark abgeschaut hat.


Aber es geht auch um die digitale Strategie. Die Freiburger Stadtbibliothek baut das Angebot digitaler Medien aus und so steigt auch die Nachfrage. An der Gesamtheit der Ausleihen machten sie 2019 rund 13 Prozent aus, im Vorjahr waren es noch 11 Prozent. Der Anteil der Nutzer, die ausschließlich den Online-Teil der Stadtbibliothek in Anspruch nehmen, ist um 80 Prozent gestiegen – "und das war noch vor Corona", sagt Bibliothekschefin Willnat. Zum Lockdown selbst rüstete man dann noch die Streaming-Plattformen Filmfriend (Filme), Freegal (Musik und Hörbücher) und die Zeitschriftendatenbank Genios nach. Welche Bedeutung die Bibliothek während des Shutdowns hatte, wird erst die nächste Jahresbilanz zeigen. "Sie war die erste Kultureinrichtung, die danach wieder geöffnet hatte," so Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Freitag.

Scanner, Bienenroboter und Experimentierkästen

Zum Neumedien-Angebot der Bibliothek gehören aber auch zwei 3D-Drucker und ein 3D-Scanner, ausleihbar sind auch programmierbare Bienenroboter oder elektronische Experimentierkästen. "Wissen bildet man heute viel über die Aneignung von Techniken zum Erlangen von Informationen", sagt Elisabeth Willnat – da wolle die Stadtbibliothek die Bürgerinnen und Bürger unterstützen.

Trotzdem machen klassische Schmöker weiterhin 65 Prozent der erhältlichen Medien aus und etwas mehr als die Hälfte der entliehenen. "Das Buch ist nach wie vor sehr wichtig", folgert Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Und weiterhin biete sich die Bücherei auch aktiv den Bürgern an. Rund 200 Gruppen und Schulklassen bekamen 2019 eine Einführung in die Nutzung der Bücherei, rund 500 Kultur- und Bildungsveranstaltungen gab es am Münsterplatz und in den Zweigstellen für Jugendliche und Kinder und 160 für Erwachsene.

Höhepunkte im vergangenen Jahr waren die Buchvorstellung mit der baden-württembergischen Landtagspräsidentin Muhterem Aras, der Open-Air-Lesesaal auf dem Kartoffelmarkt, die Russischen Kulturtage und das 60-Jahre-Jubiläum der Kinder- und Jugendbibliothek.

bibliothek in Zahlen

Im zurückliegenden Jahr wurden in der Stadtbibliothek rund 1,47 Millionen Medien entliehen und damit in etwa soviel wie im Vorjahr, knapp 194000 Ausleihen entfielen auf digitale Medien. Die Besucherzahlen stiegen im Vergleich zu 2019 von 530 000 auf 554 000, die Zahl der Nutzer, die einen Leseausweis erwarben, stieg von 27 000 auf 30 000. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Gäste, die die Stadtbücherei aufsuchen, sind weiblich. Insgesamt fanden im vergangenen Jahr 1073 von und mit der Stadtbibliothek und ihren Zweigstellen ausgerichteten Veranstaltungen statt.  

Autor: jki