Im Wohnzimmer-Planetarium des Markus Paul

Wolfgang Weismann

Dichte Wolken verhängen den Himmel, und trotzdem sehen wir den Mond und die Sterne - im Do-It-Youself-Planetarium des Freiburgers Markus Paul. Jeden zweiten Dienstag erklärt der 37-Jährige Amateurastronom Interessenten das Universum - bei schlechtem Wetter vermittels seines kleinen "Sterntheaters". fudder-Autor Wolfgang hat sich das Spektakel einmal angeschaut:



Es ist dunkel. Hier drinnen, draußen auch. Über uns blinken die Sterne. Nur hier drinnen, draußen nicht, da ist es bewölkt. Hier drinnen – das ist in einem 50 Quadratmeter großen Raum des Katholischen Gemeindehauses Hinterzarten. An eine drei auf drei Meter große Leinwand an der Decke projiziert Markus Paul den Sternenhimmel. Kleinere und größere Lichtpunkte leuchten an der Decke, erzeugt von einem kleinen Planetarium-Beamer.

Paul sitzt hinter dem zweiten Teil seiner Ausrüstung, einem Laptop und einem normalen Videobeamer, der Fotos von Himmelskörpern an die Wand wirft. Von denen seien die meisten selbst fotografiert, merkt Paul an. Da ist der Mond zu sehen, mit seinen Mare und den vielen Kratern, Saturn mit seinen Ringen und der berühmten Cassini-Teilung, Galaxien in Blau, Gelb und Weiß. Sonne, Mond und Sterne, die sind das Reich von Markus Paul, hierin kennt er sich aus, hierin ist er zuhause.

Markus Paul ist seit acht Jahren Amateurastronom und Feuer und Flamme für seine vielen Millionen Sonnen am Nachthimmel. Im Berufsleben ist er Physiotherapeut. Doch schon lange interessiert ihn auch das, was außerhalb des blauen Planeten passiert. Er hat jüngst das Fotobuch „Unser Universum in Farbe“ herausgebracht, mit zahlreichen selbstgeschossenen Bildern. Seine Ausrüstung dafür wächst stetig, und auch die Zahl der Bilder, die er mit dieser Ausrüstung fotografiert.



Doch bevor die Nacht der Sterne beginnen kann, muss Paul die weiße Leinwand mit starken Seilen an die Decke binden, die Tische im Raum zurechtrücken, den Beamer aufstellen. Eine Stunde ist er mit dem Aufbau seines kleinen Planetariums beschäftigt. „Das lohnt sich nur, wenn auch ein paar Leute kommen“, sagt er und spannt die zweite Leinwand auf - die für den Beamer. Heute Nacht nehmen vier Zuschauer auf den im Halbrund aufgestellten Stühlen platz: Das ist die Mindestzahl für Paul, darunter lohnt sich der Aufwand für ihn nicht.

Dabei ist das Planetarium nur eine Ausweichlösung, wenn draußen schlechtes Wetter ist. Von den realen Sternen ist nicht nur er mehr fasziniert als von den projizierten. „Viele Gäste sind dann enttäuscht, weil sie nicht verstehen, dass man bei schlechtem Wetter keine Sterne sehen kann.“, sagt er. Aber auch im Trockenen lässt Paul seine Liebe zum Nachthimmel erkennen. So packt er das ganze Universum in eine Stunde: Er erklärt die Mondphasen, wieso Pluto kein Planet mehr ist, dass ein Schwarzes Loch bei seiner immensen Masse in einen Fingerhut passt, er beschäftigt sich mit der Urknalltheorie und unserer Position in der Galaxis. Zu viel, um sich alles merken zu können.

Was Pauls Mini-Planetarium charmanter und persönlicher als ein großes macht, ist die Tatsache, dass man Zwischenfragen stellen kann. Und so erklärt er auf eine Nachfrage hin, dass ein Kugelsternhaufen deshalb nicht in sich zusammen fällt, weil er um seinen Mittelpunkt rotiert.

Natürlich kann sein 150-Euro-Projektor nicht mit einer Millionen-teuren Zeiss-Apparatur mithalten, der Sternenhimmel kann während der Vorstellung auch nicht gedreht werden, Paul muss vorher den aktuellen Blick einstellen. Den Mond sowie Jupiter und Saturn klebt er an der Himmelsleinwand fest, je nach derzeitigem Stand. Die Projektion passt auf eine Ikea-Leinwand und Stühle sind für acht Leute da.

Aber das macht alles nichts – staunen kann man auch im Kleinen. Und Markus Pauls Leidenschaftlichkeit spürt man hier, im 50-Quadratmeter-Raum des Katholischen Gemeindehauses Hinterzarten, um so mehr.

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Fotos: Wolfgang Weismann & Julia Mungenast

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