Neueröffnung

Im neuen Zuka Solicafé in der Uhlandstraße kann man mehr als zusammen essen

Johannes Breuninger

Café, Begegnungsort, Kulturstätte und ein Raum für alle: In der Uhlandstraße hat das Café Zuka eröffnet. Der Verein "zusammen leben e.V." möchte in dem Café die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen.

Der Verein

Wer sich in Freiburg auf die Suche nach einer Gelegenheit für das Mittagessen macht, dem tut sich im Haus der Jugend in der Wiehre seit einer Woche eine neue leckere Option auf: das Zuka Solicafé des zusammen leben e.V. stellt ein gastronomisches und kulturelles Angebot auf die Beine.

Der Verein wurde 2015 gegründet und verfolgt ein breites Portfolio an Tätigkeiten, die in vielfältiger Weise miteinander verwoben sind. Im Zentrum ist aber immer der Gedanke, Menschen zusammenzuführen und Zugehörigkeit zu schaffen. Unter diesem Zeichen steht auch der Name: Zuka bedeutet schlicht "zusammen Kaffee".

Sozial-ökologische Lebensmittel

Das Zuka Café bietet hierfür nun ganz neue Möglichkeiten. Zuvor hat der Verein im Gretherquartier ein kleines Café betrieben, nun aber steht ein weiter Raum zur Verfügung. Zu den sanften Klängen von Radiomusik gibt es von Dienstag bis Samstag einen Mittagstisch. Koch Firas Khatib ist nicht auf eine Küche festgelegt. Wichtig ist allein, dass es sozial-ökologische Lebensmittel sind, aus denen die Speisen zubereitet werden. Hier merkt man zum ersten Mal, wie durchdacht das Konzept des Zuka Cafés ist, denn es sind die Menschen des Vereins selbst, die sich über die Herkunft der Lebensmittel informieren.

Zwar spielt Regionalität dabei eine große Rolle, aber ebenso können auch Gewürze ferner Länder das Essen bereichern, soweit sie den Ansprüchen des Zuka gerecht werden. In dieser weltoffenen Küche verfeinert dann beispielsweise indisches Curry ein Dahl mit Kürbis, Karotten und Lauch, dazu gibt es Fladenbrot. Ab dem Frühjahr sollen auch Lebensmittel aus dem Gemeinschaftsgarten, den der zusammen leben e.V. in der Vauban betreibt, in den Speiseplan einfließen.

Das Preismodell

Das Café basiert dabei auf einem solidarischen Preismodell für das gleiche Essen. Ab 4,50 Euro kann man den Mittagstisch zum Sozialpreis speisen. Das liegt immerhin vier Euro unter dem Selbstkostenpreis von 8,50 Euro. Wer sich finanziell dazu berufen fühlt, kann zum einen den "Gönner*innenpreis" bezahlen. Durch die 13,50 Euro werden dann sowohl die Kosten für das eigene Essen gedeckt und es wird ein Essen zum Sozialpreis mitfinanziert. Zum anderen kann man einen "Caffé sospeso" bezahlen. Ohne unmittelbaren eigenen Gegenwert können damit weitere Essen finanziert werden, die als Gutschein an der Wand hängen und bei Bedarf genutzt werden können. Umverteilung wird im Kleinen ermöglicht.

Das Kulturangebot

Das Zuka Café beschränkt sich aber nicht auf sein kulinarisches Angebot: der offene Raum im Haus der Jugend beinhaltet eine Bühne. Während hier mittags die jüngsten Gäste unter den Blicken ihrer Eltern herumturnen, kann sie inmitten des Cafés verschiedenen Kulturveranstaltungen dienen. Hierfür ist Johanna Dangel verantwortlich, die schon seit der Gründung des Vereins mit dabei ist. Soweit es die pandemische Lage zulässt, kann gibt es hier Lesungen, ein angeleitetes Erzählcafé und einen kleinen Kinobetrieb. Im Ciné Arab wird monatlich an einem Abend ein zeitgenössischer Film aus der arabischen Welt gezeigt. Die nächste Vorführung ist für den 10. Dezember geplant. Es läuft der palästinensische Dokumentarfilm "Improvisation".

Die Pandemie

Doch wie in allen Teilen der Gesellschaft bereitet auch dem Zuka-Team die gegenwärtige Corona-Situation Sorgen. Die Nachrichtenlage ist wieder belastend. Gerade wenn man ein Café eröffnen möchte, gilt es jeden Tag zu schauen, was die neuen Regularien in der Gastronomie sind. Die für diesen Freitag, den 3. Dezember, geplante große Eröffnungsfeier wurde vorsichtshalber schon ins neue Jahr verschoben. Dennoch nimmt das Café unter Einhaltung der 2G-Regeln langsam seinen Betrieb auf.

Anlaufstelle für Berufsqualifikation

Um die ruhige erste Woche ist das Team um Café-Koordinatorin Thais Montanari froh gewesen. Es muss sich noch viel einspielen, gerade wenn das Zuka vor allem von Freiwilligen betrieben wird, die noch ohne viel Erfahrung in der Arbeit in einem Café sind. Aber auch das ist Teil des Gesamtkonzepts: das Zuka will Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eine Möglichkeit zur Berufsqualifizierung bieten und ihnen so den Berufseinstieg ermöglichen. Wieder taucht der Zugehörigkeitsgedanke auf. Dass sich jeder, der Lust auf Engagement hat, sich hier einbringen kann, bedarf schon keiner Erwähnung mehr.

Bis in den Abend hat das Zuka geöffnet und bietet nach dem Mittagstisch noch eine Auswahl an Heißgetränken. Im Haus der Jugend finden sich nicht nur leckere Speisen und eine unterstützenswerte Sache. Indem die hier umgesetzten Gedanken in müheloser Weise ineinandergreifen, springt der gelebten Zusammenhalt auch auf die Gäste über. Und dadurch prickelt die Apfelschorle im Mund besonders erfrischend.

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