Ausstellung

Im Museum Natur und Mensch stehen Freiburger Frauen im Fokus

Lisa Discher

Das Museum Natur und Mensch lädt noch bis Anfang Dezember in die Ausstellung "In Gesellschaft. Freiburger Frauen* im Blick" ein. Die Freiburger Fotografin Britt Schilling zeigt auf ihren Bildern ganz unterschiedliche Frauen.

Der Raum im Museum für Natur und Mensch, der eigentlich der Erdgeschichte gewidmet ist, dient in der kommenden Ausstellung als Einblick in Geschichten und Facetten Freiburger Frauen*. Fast intim und zu persönlich scheint es als Fremde in diesen Raum der Schwarz-Weiß-Fotografien zu treten und doch wirken die Porträts der Frauen* wie eine freundliche Einladung, etwas über die Leben derer zu erfahren, die die Wände schmücken. Das Nebeneinander der Gesichter in der Ausstellung ist nicht lediglich nette Deko, für weiße Wände, sondern vielmehr ein Kollektiv an Erfahrung geballter Femininität, Ausdruck von Verbundenheit und ehrlichen und einfachen Seins der 50 Prozent, die Frauen in unserer Gesellschaft ausmachen.

Wohnzimmer-Studio als Boden für Gleichheit und Zusammenkunft

Am Rande der Veranstaltungsreihe "Nur für Frauen*" sind die etwa 100 Porträts entstanden. Der Verein Element 3 hatte 2019 ein Wohnzimmer im Theater Freiburg eingerichtet, das durch die Besucherinnen zu einem dynamischen Versammlungsort wurde. Die Fotografin Britt Schilling stellte eine Fotobox zur Verfügung, in welcher sie die Individuen dann so porträtierte, wie diese sich wohl fühlten. Schon seit 2012 werden Freiburger Frauen* eingeladen, sich in Form solcher Abende zu treffen. Diesen Veranstaltungseinladungen folgten etwa 450 Individuen – es geht um Beisammensein, Ungezwungen-Sein, kurz: einfach Sein. Die Diversität dieser Gemeinschaft wird auf den Fotos eingefangen und für die Besuchenden der Ausstellung erfahrbar gemacht. Zusätzlich zu den porträtierten Frauen*, finden die Besuchenden des Museums zugehörige Audio-Angebote, die Ausschnitte von Interviews zeigen, welche im Rahmen der Aktion durchgeführt wurden.

Ein Raum, 100 Charaktere

Politik. Wirtschaft. Soziales. Mütter. Töchter. Mädchen. Frauen* und was sie sind: Machtvoll und wirkungsmächtig. Hinter jedem Augenpaar dieser 100 Individuen, das die Besuchenden der Ausstellung anblickt, öffnen sich unendliche Universen aus Erfahrung, Momenten, Glück und Pech: Lange und kurze Wege, die sie an diese Wände gebracht haben. Beim Durchgehen tut sich ein Moment auf, in welchem Besucher*in und Ausstellungsobjekt in einen unausgesprochenen, künstlerischen Dialog treten. "Es geht nicht um die Bilder an sich, es geht um die Bilder, die in den Köpfen geweckt werden". Und das gelingt – Briefe von Töchtern an ihre Mütter können gelesen werden, irgendwo hängt ein kleines Zettelchen an der Wand: "Wenn Frauen die Welt beherrschen würde, wäre unsere Welt eine friedlichere".

Der Verein Element 3 will mit der Ausstellung "Die Schönheit aller einfangen", so Kathrin Feldhaus, Ausstellungskuratorin. Welche Nachricht jedoch genau transportiert werden solle, das könne man "gar nicht mehr mitteilen," da alle "so tief in der Materie seien", als dass Objektivität keine Möglichkeit mehr sei. Im Gegenzug zu den Besuchenden der Ausstellung, denn laut Kuratorin, solle man lieber diesen die Frage der inhärenten Botschaft stellen.

Nicht "Woher kommst Du?" sondern "Wer bist Du?"

Auf die Frage, weshalb gerade die Frauen das Attribut der städtischen Modernität ausmachten, antwortet die Ausstellungskuratorin Margarethe Mehring-Fuchs mit "Das ist ganz einfach" und der Geschichte einer Geflüchteten: Niemand habe diese Frau an diesen gemeinsamen Abenden nach ihrem Fluchtweg gefragt, niemand fragte "woher kommst du?", sondern "wer bist du?" Und diese Vielfalt, diese Akzeptanz von Pluralität mache Modernität. Man ist somit nicht länger anonym und Eine unter Vielen, sondern Frau* unter sich. "So wie es sein soll", schließt Mehring-Fuchs ab.

Nach der Ausstellung werden Plakate mit Zitaten und Porträts der Fotografierten in der Stadt verteilt. Somit wird die Fahrt mit der Straßenbahn oder die Überquerung der Straße zum Museumsbesuch und Freiburg als Gesamtes zur Ausstellung, ihrer eigenen Frauen*.
Was: Ausstellung "In Gesellschaft. Freiburger Frauen* im Blick."
Wann: 13. Oktober bis 5. Dezember 2021
Wo: Museum Natur und Mensch, Freiburg
Tickets: freiburg.de/museen-tickets