Wettbewerb

Im Dietenbachpark haben Discgolfer am Wochenende um die Meisterschaft gezockt

David Pister

Sie lassen Scheiben in Metallkörbe gleiten: Discgolferinnen und Discgolfer. Noch bis Sonntag kämpfen Sportlerinnen und Sportler aus ganz Deutschland im Dietenbachpark um die Meisterschaft. Ein Freiburger Verein richtet sie aus.

Ein Großteil des Dietenbachparks ist mit rot-weißen Absperrgittern dekoriert. Signalgelbe Männer und Frauen halten abwechselnd rote und grüne Flaggen in die Höhe. Wenn man etwas verweilt, sieht man mit großer Wahrscheinlichkeit eine Scheibe aus Hartplastik durch die Luft, in Richtung der aufgestellten Metallkörbe fliegen.

144 Sportlerinnen und Sportler nehmen seit Donnerstag und noch bis Sonntag an den Deutschen Discgolf Meisterschaften in Freiburg teil. Die Wahl des Standorts fiel auf Freiburg, da wenig Discgolfvereine existieren und die Ausrichtung einer Deutschen Meisterschaft mit viel Aufwand verbunden ist. 2019 hat sich der Verein "Heads Up Freiburg" unter dem Vorsitz von Jonathan Maas Als Ausrichter der Meisterschaften für dieses Jahr beworben – als einziger.

21 verschiedene Bahnen gibt es im Dietenbachpark

Der 36-Jährige ist Gründungsmitglied und Turnierdirektor der 36. Deutschen Discgolfmeisterschaften. 2007 begann er mit der Outdoorsportart. "Discgolf ist eine Einzelsportart. Das gefällt mir daran", sagt er und lacht. Man kann es sich wie Golf mit Frisbee-Scheiben vorstellen. Die Sportart kommt aus den USA und wurde etwa zeitgleich mit der Erfindung des Frisbee ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Disc von einem bestimmten Startpunkt mit möglichst wenig Würfen in den dafür vorgesehen Metallkorb zu befördern. Im Dietenbachpark wurden extra für das Turnier 21 unterschiedliche Bahnen angelegt – auf dem ganzen Gelände scheinen Metallkörbe aus dem Boden zu wachsen. Die Bahnen haben verschiedene Schwierigkeitsgrade und oft muss man geschickt an Bäumen und Sträuchern vorbei in den Korb treffen. Wie im Golf gibt es "Out of Bounds"-Bereiche: Fliegt oder rollt die Scheibe in einen solchen Bereich, der mit weißem Rand markiert ist, wird ein Strafpunkt in das Rating eingetragen.

"Der Kurs ist sehr schwierig", sagt Joscha Mößig, ein Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft. Der 31-Jährige nimmt seit mehr als zehn Jahren an Turnieren teil. Ihn fasziniert die Mischung aus sportlicher Herausforderung und sympathischen Mitspielern. Es scheint tatsächlich so, als wäre toxisches Konkurrenzgehabe hier nicht vorhanden. Die Spieler und Spielerinnen stehen zusammen, trinken Softdrinks oder Bier und essen Flammkuchen. Discgolf ist eine Nischensportart mit nur knapp 3000 Spielern deutschlandweit – Events wie diese, bieten eine Möglichkeit zum Treffen von Gleichgesinnten.

Verein hat seit der Pandemie einen Zulauf

Der Verein Heads Up Freiburg verzeichnet seit der Corona-Pandemie einen Aufwärtstrend. Da die Sportart draußen und mit genügend Abstand oder zur Not allein funktioniert, wurde sie im Lockdown nie verboten. Mit einem Altersdurchschnitt von etwa 30 Jahren ist der Freiburger Verein außergewöhnlich jung. Es fällt auf, dass das Teilnehmerfeld stark männlich dominiert ist. Dies schlägt sich auch in den Zahlen nieder: In der "Open"-Division nehmen 18 Frauen und 56 Männer an der Sportveranstaltung teil.

Maren Mößig und Nele Enger sind zwei Frauen, die an dem Turnier teilnehmen. Sie versichern, dass die Anzahl der Frauen im Laufe der Zeit schon deutlich zugenommen hat. Die 24-jährige Maren Mößig hat im August bei den Europameisterschaften im tschechischen Konopiště mitgespielt. Die Sportart hat sich in ihrer Familie wie ein Lauffeuer verbreitet. Ihr Onkel, Vater und Bruder legten vor, bis sie angesteckt wurde. Am heutigen Donnerstag ist noch mehr drin: "Das Training lief besser", sagt die 24-Jährige. Beim Finale dürfen von den zwölf Frauen, die antreten, 8 mit dabei sein. Die 18-jährige Nele Enger befindet sich nach dem ersten Spieltag auf Platz 9 in der Wertung. "Da ist noch Luft nach oben!" Sie wolle unbedingt ins Finale. Zur Sportart kam sie durch Zufall: Verletzungsbedingt konnte sie kein Fußball spielen und probierte es aus. Heute, einige Jahre später, spielt sie im nationalen Wettkampf gegen andere Discgolferinnen.

Ein Durchlauf kann bis zu vier Stunden dauern

Fast alle Teilnehmer tragen große Rucksäcke oder ziehen eigenartige Karren hinter sich her. "Manche tragen hier mehr als 30 Scheiben mit sich rum. Ich habe nie mehr als 15 dabei", sagt Jonathan Maas. Die verschiedenen Scheiben besitzen unterschiedliche Flug- und Gleiteigenschaften, die je nach Entfernung oder äußeren Bedingungen eingesetzt werden. Die praktischen Karren bieten außerdem Platz für Verpflegung und Getränke. Besonders gut ausgestattete Modelle bieten sogar eine kleine Sitzfläche, falls zwischen den Würfen besonders lange Pausen entstehen. Auf Dauer lohnt das, denn der ganze Kurs dauert bis zu vier Stunden. Ben Bohm ist stolzer Besitzer eines solchen Gefährts. Er sei extra aus Hamburg angereist, um an dem Turnier teilnehmen zu können. Ob er sich Chancen auf den Sieg ausrechne? "Keine Chance! Hauptsache ich habe Sonntag noch einen Spieltag", sagt der 30-Jährige.

Wer hier einen Schiedsrichter sucht, bemüht sich vergeblich. Wie der Frisbeesport Ultimate, funktioniert die Sportart durch gegenseitige Kontrolle. "Das läuft nach dem Fairplay-Prinzip. Bei Uneinigkeiten wird diskutiert. Im Zweifelsfall hat die Turnierdirektion das letzte Wort. Also ich", sagt Jonathan Maas.

Am Sonntag finden die finalen Wettkämpfe statt und die Sieger und Siegerinnen in den verschiedenen Divisionen werden verkündet. Bis dahin kann man sich das Spektakel im Dietenbachpark noch anschauen. Viele Helferinnen und Helfer unterstützen den Verein bei Organisationsarbeiten. Wichtige Position: Der "Spotter". Dieser Job beinhaltet das Hochhalten der Fahnen, um den Spielern zu signalisieren: Bahn frei! Auch für Zuschauer und Zuschauerinnen und zufällig Beteiligte gilt: Augen auf und Achtung Frisbee!
  • Was: 36. Deutsche Discgolfmeisterschaften
  • Wann: Donnerstag, 9. September bis Sonntag, 12. September
  • Wo: Dietenbachpark