Performance

Im Artik wird am Wochenende eine Trash-Opera uraufgeführt

Anika Maldacker

Mit "Beckmann – eine Trash Oper" holt der Slow Club ein spannendes Nachkriegsstück nach Freiburg. Darin spielen sowohl Punkmusiker und ein junger, rappender Nachwuchskünstler Rollen. Am Samstag und Sonntag wird es im Artik aufgeführt.

Ein Mann tritt hinter einem Kleiderständer hervor, er trägt eine Taucherbrille, sieht mitgenommen aus, wirkt gebrochen. Er lamentiert, philosophiert. Er steht zwischen zwei Musikern, einer mit Trommel, der andere mit E-Gitarre. Sein Lamentieren wird zum Rap, zu dem die Musiker – das sind Julian und Philipp Knoth, die man von der Stuttgarter Band "Die Nerven" kennt, immer lauter und eindringlicher spielen. Gegenüber, auf der kleinen Bühne im Keller des Kulturaggregats sitzt ein Mann am Lichttisch und Regisseurin Ismene Schell schaut sich die Probe an. Dann steht sie auf, herrscht den Protagonisten, gespielt von Fionn Stacey, an. Teil vom Stück? Oder nicht?


Im Kulturaggregat probt das Team die Trash-Opera "Beckmann". Am Samstag feiert das Stück, das zusammen von der Freien Bühne Stuttgart und dem Slow Club in Freiburg initiiert wurde, im Artik Premiere, am Sonntag folgt eine weitere Aufführung dort. Anschließend wird in Offenburg und Stuttgart gespielt. Die Vorlage lieferte Wolfgang Borcherts Nachkriegsdrama "Draußen vor der Tür", in dem der Kriegsheimkehrer Beckmann durch die Nacht irrt und gegen seine Traumata anzukämpfen versucht. Er trifft den Tod, Gott, den Oberst, dem er in Stalingrad unterstellt war, seine Frau, die nun einen neuen Mann hat und die neuen Bewohner der elterlichen Wohnung. "Beckmann stellt das Establishment infrage", erklärt Fionn Stacey. Das Stück feierte nach seiner Uraufführung 1947 große Erfolge, weil es vielen Kriegsheimkehrern und einer schweigenden, jüngeren Generation aus der Seele sprach.

Die Musik spielt eine eigene, wichtige Rolle

Das Stück, das Borchert in den späten 40er-Jahren schrieb, geisterte dem 23-jährigen Nachwuchsschauspieler Fionn Stacey schon länger im Kopf herum. Er hat die Trash Oper konzipiert, Ismene Schell von der Freien Bühne Stuttgart und Richard Beck haben Regie geführt. Wobei die Grenzen bei dieser Aufführung schwer zu ziehen sind. "Vieles entstand erst bei der Probe und durch das Improvisieren", erklärt Ismene Schell. Den Kontakt zum Slow Club knüpfte Fionn, da er schon am Cala-Theater in der Haslacher Straße mitgewirkt hatte. Die Musik, dargestellt von den Brüdern Julian und Philipp Knoth, erster ist noch Teil der Punkband "Die Nerven", letzterer nicht mehr, arbeitet aber mit seinem Bruder an zwei anderen Projekten, spielt eine eigene Rolle. "Unsere Rolle als Musiker ändert sich immer wieder", sagt Julian Knoth. Auch die, der Regisseurin changiert. Die Drei übernehmen die Rolle der vielen Anderen, die Beckmann bei seinem Gang durch die Nacht begegnen. Die Musik, die sich im ersten Drittel noch zurückhält, verleiht dem Stück einen eigenen, zeitgenössischen Touch. "Es war unglaublich belebend, dieses Energielevel zu erfahren, dass Philipp und Julian freisetzen, wenn sie zusammen musizieren", erklärt Ismene Schell, die das Stück so anpasste, dass es auch Anknüpfungspunkte ins Jahr 2020 gibt.

Das Projekt ist durch das Programm "Kultursommer 2020", dass das Land kurzfristig im Corona-Frühjahr aufgelegt hat, finanziert worden. Im Juni hatte das Team die Idee zu dem Stück. Innerhalb von rund drei Monaten stand das Projekt. "Das war ein spannender Prozess", sagt Ismene Schell und fügt hinzu: "Das ist ein Corona-Stück." Am Samstag und Sonntag wird die Trash Oper im Artik aufgeführt. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, um eine Reservierung wird gebeten.
Was: Beckmann - eine Trash Oper
Wann: Samstag, 26. September, 20 Uhr, und Sonntag, 27. September, 20 Uhr
Wo: Auditorium, Artik
Eintritt: 9 Euro, Erwerbslose und Geflüchtete: 1 Euro
Reservierung: info@slowclub-freiburg.de
Infos: Facebook & Slow Club
Weitere Aufführungen: 28. September, 20 Uhr, in Offenburg im Bürgerpark und am 30. September, 20 Uhr, in Stuttgart im ABZ