Hurra, Hurra die Schule tanzt! Tanzprojekt an der Vigeliusschule

Sara-Lena Moellenkamp & Fabienne Hurst

Was hat Tanz mit Mathematik zu tun? Für Graham Smith und sein Team vom Theater Freiburg eine ganze Menge. Er leitet das Projekt "Hurra! Hurra! Die Schule tanzt!" an der Haslacher Vigeliusschule und bringt den Schülern Mathe, Deutsch und Englisch auf tanzende Art und Weise bei. Das Ergebnis präsentieren die Schüler am kommenden Freitag, bei der großen Performance "Phantastische Schulstunde". [Mit Video von den Proben!]



Mathematik ohne Tafel und Geodreieck, dafür mit Formen, die die Schüler durch den eigenen Körper bilden und erleben: Mathematik als Tanzerlebnis – das war die Grundidee, mit der Tänzer und Projektleiter Graham Smith mit den Lehrern der Vigeliusschule zu arbeiten begann.

Sie entwickelten ein neues Lehr-Konzept aus künstlerischer Sicht auf der Grundlage des Lehrplans des Landes Baden-Württemberg. Smith lebt seit 5 Jahren in Deutschland und hat selbst zwei Kinder. Über diese lernte er das deutsche Schulsystem kennen und begann sich zu fragen, was er sich für eine Zukunft für sich und seine Kinder wünscht. Seit September haben er und einige Künstler-Kollegen von Schulleiter Thomas Hartwich für das Projekt „Phantastische Schulstunde“ mit dem Titel „Hurra! Hurra! Die Schule tanzt!“ vormittags Stunden der Klassenstufe 6 überlassen bekommen, in den letzten Wochen vor dem Projektfinale ganze Schultage.

Nicht nur Winkel, Drehungen und Formen werden den Schülern durch die Arbeit mit dem eigenen Körper und Hilfsmitteln wie Wasserballons auf eine ganz andere Zugangsweise vermittelt als gewohnt. Denn um den Tanz überhaupt entstehen lassen zu können, müssen die Kinder noch etwas ganz anderes lernen: Zuhören, aufeinander achten, und nicht zuletzt auch darauf, mit der Konzentration bei sich und der Aufgabe zu bleiben.

„Das sind choreographische Formeln, die auch für Profis nicht leicht sind“, kommentiert Smith mit einem Lächeln, wenn ein Schüler im wahrsten Sinne des Wortes aus der Reihe tanzt. Einigen Schülern, in denen Smith Potential sieht und die nach dem Ende des Projekts weiter tanzen möchten, wird er anbieten, in seine Jugendgruppe „PVC - School of Life and Dance“ am Theater Freiburg zu kommen, um ihnen dort ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich weiter entfalten können. Denn in der Hauptschule kämpft Smith vor allem gegen eines: „Hier gibt es die Vorurteile, dass die Kinder hier die Blöden und Langsamen sind. Diese Vorurteile haben die Kinder auch gegen sich selbst, sie nehmen diese Vorurteile einfach an und wir kämpfen dagegen, damit sie diese Vorurteile sich selbst gegenüber abschaffen.“



Aus den Projekten „Haslach 2010– Deine Heimat!“, einer künstlerischen Recherche zum verrufenen Freiburger Stadtteil , und „Piraten, Menschen und andere Tiere“, das im Februar 2011 am Theater Freiburg seine Premiere feierte, soll in der Spielzeit 2012-2013 ein Stück für die Bühne des Großen Hauses des Theater Freiburg wachsen.

Erste Materialskizzen dafür liefert auch Smiths Projekt „Hurra, Hurra, die Schule tanzt!“ an der Vigeliusschule. Der Höhepunkt des Projekts steht nun kurz bevor: am Freitag, 4. Mai 2012, verwandelt es die gesamte Schule für einen Tag in eine Tanz-Welt. In verschiedenen Räumen können die Besucher ab 16 Uhr Installationen, Performances und Videoarbeiten entdecken.

Bei einem Workshop für jedermann gibt Graham Smith dann die Gelegenheit, selbst zu entdecken, was die Schüler der Vigeliusschule in den letzten Monaten erlebt haben. Um 18 Uhr gibt es eine „phantastische Schulstunde“ als Tanzperformance mit rund 80 Schülern der Schule – die „Wasserballonapokalypse“, wie sie von einigen Schülern genannt wird. Den Abschluss findet das Projekt mit einer Maitanznacht, in der verschiedene Bands und Künstler weiter zum Tanzen einladen.

Video: Probenbesuch bei 'Hurra, Hurra, die Schule tanzt'


[Video: Fabienne Hurst]



Marcel, 11 Jahre, Klasse 6a

„Mir macht das Projekt Spaß, weil es ein Klassenprojekt ist. Die ganze sechste Stufe macht mit. Wir machen eine schöne Mischung aus Hip Hop, Parcours und allem möglichen. Auch Ballett oder so. Davor habe ich noch nie getanzt, aber es macht Spaß. Vor den ganzen Leuten zu tanzen wird bestimmt komisch und aufregend. Aber in meiner Freizeit spiele ich lieber Fußball.“

 

Christina, 12 Jahre, Klasse 6b

„Im Stück bin ich bei der Wasserballapokalypse dabei und tanze Hip Hop. Das mache ich auch an einer Tanzschule in meiner Freizeit. Das Projekt ist manchmal ganz schön anstrengend. Aber mir geht es durch das Tanzen einfach besser. Gestern zum Beispiel hatte ich Bauchschmerzen, dann habe ich trotzdem mitgetanzt und das hat mir richtig geholfen.“

Najua, 13 Jahre, Klasse 6a

„Ich tanze beim Projekt Hip Hop und mache Parcours. Wir haben das auch im Theater geprobt, in verschiedenen Gruppen mit schneller Musik und alle sind durcheinandergelaufen. Mir macht das Spaß. Manchmal tanze ich einfach so für mich, manchmal gehe ich auch in meiner Freizeit zu einer Tanzschule. Ich mag Musik und tanze wegen der Musik.“

 

Endrit 11 Jahre und Mehmet 12 Jahre, Klasse 6b

„Beim Projekt machen wir viele verrückte Dinge. Zum Beispiel das mit den Ballons. Und wir haben über unsere Träume gesprochen und Interviews mit Graham gemacht. Beim tanzen hat uns vor allem das Parcours gefallen – davon hätten wir mehr machen können. Wir schämen uns aber auch nicht, vor Publikum zu tanzen. In der Grundschule hatten wir ja auch schon mal eine Aufführung.“

 

Mehr dazu:

Was: Hurra, Hurra die Schule tanzt!
Wann: Freitag, 4. Mai 2012, ab 16 Uhr
Wo: Vigeliusschule II, Feldbergstraße 25a