Bildung

Hochschule Macromedia in Freiburg stellt ihren prägenden Pop-Studiengang ein

Frank Zimmermann

Normalerweise sorgt die Einstellung eines Studiengangs an einer Hochschule höchstens für interne Debatten. Im Fall der Hochschule Macromedia, die ihren Pop-Studiengang einstellt, ist das anders.

Der Studiengang war 2011 zentraler Baustein der damals neu gegründeten kreativ-künstlerischen "Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik", kurz HKDM. Dass die Populäre Musik, also Jazz, Rock und Pop – "die DNA der HKDM" – nun wegfalle, sei schmerzhaft, sagt Campusdirektor Michael Wirbel. Doch Transformation und eine "Anpassung des Hochschulportfolios" seien nichts Unübliches.


Die in den 80ern gegründeten Jazz- und Rockschulen (JRS) in Freiburg entwickelten sich über die Jahre zu einem Aushängeschild weit über die Region hinaus. Was fehlte, war ein international anerkannter akademischer Abschluss – bis 2011 JRS und die bestehende Freie Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst, die bis dato keinen international anerkannten Abschluss anbieten konnte, gemeinsam die HKDM gründeten. Wobei die Freie Grafikhochschule in der HKDM aufging, während die Jazz- und Rockschulen eigenständig blieben.

Die letzten Studierenden machen 2022/23 ihren Abschluss

Ganz so unproblematisch verlief der Aufbau der privaten, aus Studiengebühren finanzierten HKDM nicht. Die Zahl der Studierenden blieb hinter den Kalkulationen zurück, Studierende kritisierten Ausstattung, Raumkapazität, viele Personalwechsel und Verwaltungsabläufe. Und auch im Reakkreditierungsbericht des Wissenschaftsrates, mit dem die Zulassung nach fünf Jahren bestätigt wird, wurden Mängel angeführt: Es gebe wenig Künstlerentwicklung und kaum Interdisziplinarität. "Die Selbstdarstellung der Hochschule und die Realität des Lehralltags liegen weit auseinander", brachte es 2017 ein Student auf den Punkt.

Dabei hatte die HKDM sich schon 2015 einen potenten Partner ins Boot geholt: Die internationale Holding Galileo Global Education, zu der die Hochschule Macromedia mit bundesweit rund 3000 Studierenden gehört, übernahm 90 Prozent der Anteile. HKDM-Mitbegründer Reinhard Stephan, Urvater der JRS, räumte 2015 ein, dass es in der "stark kompetitiven Hochschullandschaft" langfristig finanziell schwierig werden könnte. 2018 fusionierten Macromedia und HKDM schließlich komplett, der Gründungsname HKDM wurde zugunsten des Namens des großen Partners geopfert.

Macromedia sei in der privaten Hochschullandschaft ein Schwergewicht, wohingegen die HKDM ja noch keine Tradition habe, begründete Michael Wirbel den Schritt. Fortan erweiterten diverse Management-Studiengänge das Angebot.

Für die Musik kommt nun das Aus. Neue Studierende werden keine mehr aufgenommen, die letzten werden im Wintersemester 2022/23 ihren Abschluss machen, kündigt Wirbel an. Die Hochschule Macromedia mit ihren bundesweit sieben Standorten sei ein "Multicampus". Die Studiengänge müssten generell auf alle Standorte übertragbar sein, die Musik habe dazu nicht gepasst, schon wegen der auch finanziell größeren Anforderungen an Ausstattung und Raumkapazität. Synergien seien aber Voraussetzung für einen Studiengang im bundesweiten Portfolio. An der Nachfrage habe es nicht gelegen, im Populäre-Musik-Studiengang sind 59 Studierende eingeschrieben, das sei ausreichend. Zurzeit zählt die Freiburger Hochschule 350 Studierende, Ziel seien 500 bis 600, sagt Wirbel – und verspricht, dass die Musik auch künftig eine Rolle spielen werde, wenn auch in anderer Form.