Club der Freunde

Anders sein

Hochbegabt, Trans, Autist: Wie es ist, wenn man sich ausgegrenzt fühlt

Als Kind fühlte sich Lean Wejwer fremd, im eigenen Körper und in der Welt da draußen. Er ist hochbegabt, Trans und Autist. Heute schreibt er seine eigene Zukunft – auch als Autor.

Der Thyssenkrupp-Testturm in Rottweil erhebt sich majestätisch auf der Weite zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Lean Malin Wejwer wohnt ganz in der Nähe, in Trossingen, und hat von dort immer wieder einen guten Blick auf das 246 Meter hohe Bauwerk, in dem Express- und Hochgeschwindigkeitsaufzüge getestet werden. Der 23-Jährige assoziiert mit ihm einen Leuchtturm. "Er erinnert mich dran, dass die Psychiatrie nicht weit weg ist", sagt er und erzählt, dass er dort bereits mehrere Wochen stationär war. Es klingt so, als ob es Lean Wejwer guttut zu wissen, dass Hilfe nicht weit weg ist, wenn er sie wieder bräuchte.
Lean Malin Wejwer – Baseballcap, hellblaue Augen, kurze blonde Haare – wirkt auf den ersten Eindruck wie der Otto-Normal-Student. Der bisherige Werdegang des in Umkirch und Freiburg aufgewachsenen Studenten lässt jedoch an die Jugendjahre eines bald berühmten Autors oder Nobelpreisträgers denken: Abitur mit 16, Gewinner mehrerer Schreibwettbewerbe, erstes Staatsexamen und Buchautor mit 22 Jahren.
Ein Leben, geprägt von Andersartigkeit, Ausgrenzung und Frust
Gleichwohl gibt es da ein paar Dinge, die das schöne Bild trüben: zwei Psychiatrie-Aufenthalte, Suizidgedanken, Fremdsein im eigenen Körper. Und es gibt Sätze, die Lean ausspricht, die nicht zum Vorzeigeschüler passen. Zum Beispiel: "Vor einigen Jahren habe ich nicht daran geglaubt, dass ich an meinem 18. Geburtstag noch lebe." Dass er nun 23 Jahre alt ist, verdankt er zum Teil seinem ersten Roman "Schule versenken", erschienen 2020 im kleinen L100 Verlag aus Kempen.
Auf knapp 300 Seiten beschreibt Lean Wejwer darin ein Dilemma, das er selbst kennt. Schonungslos offen erzählt er vom 14-jährigen, hochbegabten Paul. Seine Mitschüler mobben ihn. Eltern und Lehrer verstehen ihn nicht. Irgendwann erträgt die Romanfigur Paul es nicht mehr. Sie beschließt, sich selbst und die ganze Schule zu töten.
"Es kann nicht darum gehen, sich mit aller Gewalt anzupassen." Lean Wejwer "Schule versenken" erzählt von Andersartigkeit, Ausgrenzung, Unverständnis und von Frust. Lean Wejwer will diese Themen aus der ...

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