Finanzfudder

Hilft eine App dabei, meine Finanzen zu regeln?

Sarah Rondot

Endlich die eigenen Einnahmen und Ausgaben auf einen Blick sehen? Und wissen, für welchen Lebensbereich man wie viel ausgibt? Mit Finanz-Apps geht das. fudder-Autorin Sarah Rondot hat die App "Finanzguru" getestet.

"Wir regeln deine Finanzen auf magische Art" so verspricht es die App "Finanzguru", als ich sie fertig heruntergeladen habe. Auf dem App-Icon schmunzelt mir ein Typ mit türkisenem Bart und Turban entgegen. "Wir kriegen das schon hin mit deinen Finanzen", scheint er mir sagen zu wollen. Denn mit mir und dem Überblick über meine Finanzen ist das so eine Sache. Am Anfang des Studiums habe ich eine Art Haushaltsbuch geführt. Weil ich sehr gerne Sachen mit der Hand aufschreibe und ein großer Fan von Notizbüchern bin, schien mir das vernünftig. Das hat aber dazu geführt, dass ich zwar jede Ausgabe nach dem Einkauf eingetragen habe, am Ende des Monats aber keinen Blick mehr in dieses Büchlein geworfen habe. Seitdem sammle ich Kassenzettel in meinem Geldbeutel, um zumindest ein Gefühl der Kontrolle zu haben.

Diese Taktik wiederum führt zu einem zugemüllten Geldbeutel. Zeit, eine neue Lösung auszuprobieren. Ich habe schon einiges von den Apps gehört, mit Hilfe derer man seine Finanzen regeln kann. Die App "Finanzguru" wurde mir besonders empfohlen.
Das Einrichten der App ist ganz einfach. Man koppelt die App mit dem Bankkonto. Mir lief schon ein leiser Schauer über den Rücken, so wichtige Daten in die Hände der App zu legen. Dann kopple ich auch mein Paypal-Konto, weil ich einige Ausgaben darüber tätige. Und so kann man das mit beliebig vielen Konten weitermachen.
Themenwoche Finanzfudder

fudder beschäftigt sich in dieser Woche mit dem Thema Geld – und allem, was so dazugehört. Die Redaktion befragt Expertinnen und Experten, wie man guten Umgang mit Geld lernt und welche Möglichkeiten es zum Anlegen gibt. fudder klärt die wichtigsten Begriffe und gibt Starthilfe für die ersten Schritte als Finanzanfänger. Außerdem stellen wir informative Podcasts vor und geben euch Tipps, wie man auch im Lockdown von daheim aus Geld verdienen kann.

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Als alles fertig eingerichtet ist, springt mir direkt ins Auge, wie viel Geld aktuell von meinem Konto zur Verfügung steht. Dabei zieht die App Daueraufträge wie die Miete schon ab. Am interessantesten finde ich die "Analyse-Kategorie". Dabei kann ich auf einen Blick sehen, wie viel ich im Durchschnitt beispielsweise für Lebensmittel ausgebe. Dabei kann ich meine durchschnittlichen Ausgaben pro Monat in diesem Bereich sehen, aber auch jeden Monat einzeln betrachten. Außerdem kann ich einen Trend feststellen, meine Kurve für die Lebensmittel-Ausgaben zeigt nach unten. Das kann ich leicht dadurch begründen, dass ich durch Corona keine Ausgaben in Restaurants und Cafés habe.

Bei der App kann man eigene Kategorien erschaffen

Doch was kann diese App, was beispielsweise die Online-Banking Dienste der normalen Banken nicht können? Diese ordnen auch in Kategorien und geben einen kleinen Überblick über die Finanzen. Bei Finanzguru gibt es eine Funktion, die mich persönlich überzeugt: Ich kann selbst neue Kategorien erschaffen und die Ausgaben in diese Kategorien einordnen. So kann ich eine eigene Kategorie für Klamotten einrichten, die ich Secondhand kaufe, oder auch für Schreibwaren, die ich für die Uni benötige. Das ist übersichtlicher, als wenn alles nur in die Kategorie "Shopping" fällt.

Außerdem kann man eben beliebig viele Konten mit der App koppeln, im normalen Online-Banking der Bank habe ich weniger Überblick über mein Paypal-Konto. Genau diese Kopplung von Bankkonten und App verursacht bei mir aber auch Unbehagen. Also lese ich mir den Datenschutz der App genau durch. Die App duzt einen konsequent, wahrscheinlich um so ein Gefühl des Vertrauens zu vermitteln, sie hat den Anspruch "den bequemsten Finanzassistenten aller Zeit für dich zu bauen".

Finanzguru ist von der deutschen Bankenaufsicht zertifiziert

Die Mitarbeiter aus Frankfurt und Nürnberg arbeiten dabei in einer Kooperation mit der Deutschen Bank, um branchenspezifisches Know-How auszutauschen, damit die App den Sicherheits-und Datenschutzstandards deutscher Großbanken entspricht. Finanzguru verspricht meine Daten zu jedem Zeitpunkt kompromisslos zu schützen und sie nur verschlüsselt und anonymisiert zu speichern. Laut eigenen Angaben nutzt Finanzguru das weltweit sicherste AES-Verschlüsselungsverfahren, sodass die Daten sowohl für die Mitarbeiter als auch für Dritte komplett unleserlich sind. Und wenn ich den Finanzguru nicht mehr nutzen will und die App lösche, sind laut den Datenschutzangaben alle meine Angaben unwiderruflich gelöscht. Mich überzeugt auch, dass Finanzguru von der deutschen Bankenaufsicht zertifiziert ist, dieselbe Behörde, die auch deutsche Großbanken zertifiziert. Aus meiner Laiensicht fühlt es sich so an, als seien meine Kontodaten beim Finanzguru in sicheren Händen.

Die App möchte den Nutzern sogar die Möglichkeit geben, eigene Ideen mit einzubringen und hat dafür eine Funktion eingerichtet. Wenn ich nicht weiterweiß, zum Beispiel wenn ich eine neue Kategorie anlegen möchte, kann ich das in den "Häufig gestellten Fragen und Anleitungen nachgucken."

Ich bin gespannt, wie magisch der Finanzguru tatsächlich ist, ob es ein nachhaltiger Zauber wird oder ob die App bald wieder von meinem Bildschirm verschwindet. Bis jetzt überzeugt mich vor allem, wie individuell ich die Analyse gestalten kann. Ein kleiner Nachteil ist, dass die App mich überreden möchte, die Premium-Version zu kaufen, die mir Analysen über einen unbegrenzten Zeitraum verspricht. Es lässt mich schmunzeln, dass eine App, mit der ich meine Finanzen regeln will, mich versucht zu überzeugen, dafür Geld auszugeben.