Helge Schneider im Konzerthaus: Lachen über alles

Manuel Lorenz

Am Montagabend stellte Helge Schneider das Konzerthaus auf den Kopf. Zweieinhalb Stunden nahm sich der Alleskönner, um sein neues Programm namens "Buxe voll" präsentieren. Bester Spruch des Abends: "Eine sehr schöne Stadt habt ihr euch hier zusammengefummelt." Manuel hat notiert, was noch alles geschah.



Helge Schneider ist ein Klassenclown. Ihm ist nicht egal, ob die Leute ihn lustig finden oder nicht. Immer wieder schaut er ins Publikum, vergewissert sich, ob dasselbige noch bei ihm ist, ob es ihn noch mag und auch recht artig lacht. Er benimmt sich wie ein 9-Jähriger, der zum Glücklichsein die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Mitschüler braucht.

„Freiburg! Freiburg!“ ruft ein Möchtegern-Helge, der sich schon die ganze Zeit lang nach einem Augenblick im Spotlight sehnt. „Nicht so viel dazwischen“, kontert der richtige Helge, und für den Rest des Abends ist Ruhe im Karton. Helge wird gehorcht, egal was er will.

Diesen Tatbestand treibt er auf die Spitze, indem er seinen Kontrabassisten zu einem Solo auffordert, das er nach Erklingen des ersten Tons augenblicklich unterbindet. „Ich werde kein Politiker werden, obwohl ich das Zeug dazu hätte“, sagt er, und alle lachen. Überhaupt lachen sie über alles, was er sagt – wie in einer Sitcom, bloß auf Speed. Klar: Was soll man an einem Comedy-Abend auch anderes machen? Aber irgendwie klingen die Lacher nach Mario Barth.

Helges Klassiker werden besonders euphorisch begrüßt: „Texas“, „100.000 Rosen“, „Wurstfachverkäuferin“ und der „Meisenmann“. Aber auch die neuen Nummern reißen mit; der Country-Song „Johnny Klaus“ stellt gar den Höhepunkt des Abends dar. Darin erzählt Helge von der Orgel aus eine Geschichte epischen Ausmaßes, die auf der wahren Begebenheit beruht, von vorne bis hinten erfunden zu sein.



Immer wieder rennt ein Mann mit schlohweißem, langem Bart auf die Bühne, verbeugt sich, streckt seine Arme in die Luft und rennt dann wieder unvermittelt weg. Wüstenvater? Apo-Opa? Nein: Sergej Gleithmann, langjähriger Begleiter Helges und leidenschaftlicher Ausdrucks-Tänzer. Der andere Sidekick heißt Bodo, sieht aus wie Mozart und ist des Komödianten Adjutant sowie Teekoch. In gekonnter k.u.k.-Manier kommandiert Helge ihn herum und behandelt ihn gespielt gönnerisch von oben herab.

Gleichermaßen sicher parodiert sich Helge durch verschiedenste Musikgenres. Dem „Meisenmann“ stellt er ein atonales Kunstlied voraus, um schließlich zu jazzigem Soul zu wechseln; „Impressions“ ahmt asiatische Klänge nach; und mit „I was born as a Baby born“ liefert er einen erdigen Dada-Blues. Dazwischen: lupenreines Crooning, kleinkindlicher Scat-Gesang sowie entspanntes hin und her zwischen Flügel, Orgel, Synthie, Fender Rhodes, Vibraphon, Trompete, Gitarre und Kazoo. Drei Musiker unterstützen ihn dabei souverän unauffällig: der Gitarrist Sandro Gampietro, der Schlagzeuger Willi Ketzer und der Kontrabassist Rudi Contra.

Nach zweieinhalb Stunden (!) ist Schluss mit lustig: Helge setzt sich noch einmal an den Flügel, kündig das Gemälde „Bauernmarkt“ von Pieter Brueghel an und beendet den Abend, wie er ihn angefangen hat: mit Jazz.



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Foto-Galerie: Janos Ruf

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