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Heimaturlaub: Drei Tagesausflüge für’s Wochenende

Maria-Xenia Hardt

Hände hoch: Wer wohnt schon seit Jahren in Freiburg, aber hat vom Umland eigentlich noch nichts gesehen? Zeit das zu ändern – diese drei Tipps für Tagesausflüge zeigen euch die Region von ihren schönsten Seiten. Perfekt für einen Tag im Umland.

Kleinstadtidylle: Staufen im Breisgau

Berühmt ist Staufen aus zweierlei Gründen: zum einen als "Faust-Stadt", in der einst jener Wunderheiler wirkte, dem Goethe zu literarischem Ruhm verhalf. Das Vermächtnis hat sich an allen Ecken und Enden der Stadt niedergeschlagen, in der "Goethe-Buchhandlung" und dem "Faust-Gymnasium" etwa. Das zweite aufsehenerregende Ereignis stammt aus der jüngeren Vergangenheit. Geothermiebohrungen verursachten 2007 Hebungsrisse in Gebäuden der Altstadt rund um das Rathaus. "Staufen darf nicht zerbrechen" steht dort noch heute an der Wand, die Risse sind kaum zu übersehen, auch wenn die Fernsehkameras längst wieder abgezogen sind.

Jenseits von Faust und brüchigen Wänden ist Staufen einfach eine sehr idyllische Kleinstadt. Die Gassen der Altstadt laden zum Bummeln ein, auf dem Marktplatz verlocken zahlreiche Cafés zu einer Kaffee-und-Kuchen-Pause, wobei das Café Decker ein paar Meter entfernt vom Marktplatz jenseits des Gewerbekanals der eigentliche Geheimtipp für alles Süße ist. Alternativ bietet das Café "Coffee and More", in der St.-Johannesgasse vom Marktplatz weg Richtung Kirche gelegen, eine eigene Rösterei und liebevoll-rustikale Inneneinrichtung. Wer Herzhaftes vorzieht, könnte in der "Käsestube" sehr glücklich werden, bei einem der Fondue-Angebote oder einer badischen Tapas-Platte.


Über alledem wacht die Burg, ein kurzer Ausflug auf die derzeit unter Renovierung stehende Ruine lohnt sich allein für die spektakuläre Aussicht auf die umliegenden Dörfer bis zu den Vogesen.
Anreise: Sportlich gesinnte erreichen Staufen in einer guten Stunde mit dem Fahrrad: über St. Georgen Freiburg verlassend Richtung Bad Krozingen geht es weitestgehend flach nach Staufen; alternativ kann man zwischen Merzhausen und Bollschweil noch einige Höhenmeter sammeln und dann im Schatten der Burg nach Staufen rollen.
Auch mit dem Zug (einmal umsteigen in Bad Krozingen) oder Bus (direkte Verbindung) erreicht man Staufen vom Freiburger Hauptbahnhof aus in rund einer Stunde.

Heimaturlaub

Mit der Serie Heimaturlaub wollen wir euch in diesem merkwürdigen Corona-Sommer, an dem Reisen nur eingeschränkt möglich sind, Alternativen in der Region aufzeigen. Auch ein Schwimmbadbesuch oder eine Wanderung im Schwarzwald, kann sich wie Urlaub anfühlen.

fudder-Serie: Heimaturlaub

Badespaß und Bergluft: Titisee im Schwarzwald

Tatort Titisee: "Ich sehe schon, was Sie vorhaben", sagt der Ordnungswächter im Kurpark mit Nachdruck und Schwarzwälder Einschlag, "deshalb weise ich Sie gleich darauf hin, dass Sie von hier nicht ins Wasser dürfen." Das Schlauchboot hat uns verraten. Also packen wir es wieder zusammen und schleifen es einige hundert Meter zurück zu einem Spot entlang des Ufers, den wir vorher schon ins Auge gefasst hatten. Der einzige Schattenplatz ist jetzt leider schon weg. Das bleibt aber das einzige unerfreuliche Ereignis des kompletten Tages.

Danach gibt es nur noch Sonnenschein, wunderbar klares Wasser, Paddel-Abenteuer zwischen Ausflugsschiffen und kleinen Tretboten (einige davon haben genialerweise eine eigene Rutsche) und Blicke auf den Schwarzwald bis hoch zum Feldberg. Die einzig nennenswerte Lärmquelle ist das Strandbad einige Meter weiter. Ein Tag am Titisee ist der immer wiederkehrende Kreislauf von nass machen im See und trocknen am Ufer, das Fortschreiten der Zeit einzig markiert durch das Wandern der Sonne und das Schwinden der Snacks.

In diesem Jahr ist ein Ausflug nach Titisee auch deshalb besonders schön, weil die Promenade erfreulich Touristenmassen-frei ist. Allemal französisch und holländisch ist entlang des Sees zu vernehmen, akute Gefahr von chinesischen Reisegruppen in Badekleidung abgelichtet zu werden besteht im Corona-Sommer allerdings weniger. Also: die letzten Spätsommer-Wochenenden schnell noch für einen Tag am Titisee nutzen.
Anreise: Direkte Verbindung mit dem Zug vom Freiburger Hauptbahnhof, Fahrzeit rund 40 Minuten.

Gute Aussichten: Weinberg-Spaziergang im Kaiserstuhl

Der Kaiserstuhl gewinnt als Ausflugsziel, je weiter der Sommer fortschreitet: die weiten Ausblicke werden bunter und bunter, die Weintrauben erreichen Reifegrad und Geschmack, und bald schon bekommt man bei den unzähligen Winzern dann den neuen Süßen praktisch direkt von der Rebe ins Glas geschenkt. Es ist das pure, süße Leben. Die stufenweise angelegten Weinberge erinnern passenderweise mehr an die Toskana als an alles andere.

Eine besonders schöne Aussicht über den Kaiserstuhl inklusive Blick über das gesamte Freiburger Stadtgebiet gibt es vom Eichelspitzturm. Vom Bahnhof in Eichstetten läuft man rund 5 Kilometer, der Weg ist ausgeschildert. Auch von Bötzingen und Bahlingen kann man den Turm gut erreichen. Wer den Fußmarsch etwas kürzer mag, kann mit dem Auto bis zum Parkplatz Vogelsang-Pass fahren und hat dann nur noch einen Kilometer bis zum Turm.

Zum Einkehren bietet sich eine der vielen Straußen an, etwa "uf"m Buck" in Bahlingen, um sich für die körperlichen Mühen zu entlohnen, bei regionaler Kost und einem Wein, der von Reben stammen könnte, durch die man selbst gewandert ist.
Anreise: Mit der S-Bahn vom Freiburger Hauptbahnhof kommt man bequem zum Beispiel nach Bötzingen, Bahlingen oder Eichstetten und kann von dort in die Weinberge aufbrechen.

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