Lesetipps

Heimaturlaub: 8 Bücher für Balkonien

Maria-Xenia Hardt

Wer dieses Jahr nicht verreisen kann oder will, der muss eben die Gedanken schweifen lassen. Diese acht Bücher – von Klassikern über Krimis bis hin zu Jugendliteratur – laden zu Reisen ein. Einmal Sommerurlaub zwischen zwei Buchdeckeln, bitte!

Klassiker

Ernest Hemingway: "Fiesta"
Wenn man Hemingways "Fiesta" liest, ist man auf eine Art fast froh, dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren zu können, denn die Reise aus Paris nach Pamplona im Sommer 1924, auf der der Roman basiert, war ein ziemliches Desaster. Im Mittelpunkt der zunächst schwelenden Spannungen und später offenen Feindseligkeiten und Prügeleien steht Lady Brett Ashley, um deren Gunst so ziemlich alle Männer wetteifern. "Fiesta" gilt als Portrait der sogenannten "verlorenen Generation" der 1920er und ist Hemingways erster großer Roman: die Sprache ist kristallklar, die Figuren sind faszinierend wenngleich nicht sonderlich sympathisch, die Hitze flirrt geradezu aus den Seiten und über alledem liegt ein Schleier von Absinth.
  • Rowohlt, 10 Euro Taschenbuch / eBook
Johann Wolfgang Goethe: "Italienische Reise"
"Slow travel" ist, Überraschung, keine Erfindung öko-bewusster Hipster im 21. Jahrhundert: Zwei Jahre lang war Goethe in Italien unterwegs, von 1786 bis 1788. Die "Italienische Reise" verfasste Goethe erst viele Jahre später, der Zweiteiler basiert jedoch auf Tagebüchern und folgt der Chronologie der Reise. Wenn man sich mal an Goethes etwas schwülstige Sprache gewöhnt hat, ist der Bericht nicht nur ein umfangreiches Zeugnis des Reisens vor über zweihundert Jahren, sondern verrät auch einiges über den Mann, der ihn verfasst hat und dessen Motivation 37-jährig nach Italien zu reisen sich gar nicht so sehr von jener heimatflüchtiger Abiturienten und sinnsuchender Endzwanziger unterscheidet: rauskommen, die Gedanken frei machen, nach der Schönheit der Welt suchen.
  • Fischer Klassik, 11 Euro als Taschenbuch, 4 Euro als eBook

Heimaturlaub
Mit der Serie Heimaturlaub wollen wir euch in diesem merkwürdigen Corona-Sommer, an dem Reisen nur eingeschränkt möglich sind, Alternativen in der Region aufzeigen. Auch ein Schwimmbadbesuch oder eine Wanderung im Schwarzwald, kann sich wie Urlaub anfühlen.

Belletristik

Elena Ferrante: Neapolitanische Saga
Die vier Romane der Serie porträtieren eine seltsame, nicht immer unkomplizierte und doch letztlich unkaputtbare Freundschaft zwischen zwei Frauen, Elena und Lila. Drum herum spannt sich ein engmaschiges Netz aus den Geschichten ihrer Familien und ihres ganzen Viertels im ärmsten Teil von Neapel. Zwischen den Machenschaften der Mafia, großer Liebe und zerrütteten Romanzen bleiben doch immer die beiden Frauen im Mittelpunkt, mit ihren großen Talenten, ihrer Unterschiedlichkeit und ihren sich nicht immer erfüllenden Träumen. Die Romanreihe führt ins gar nicht so weit und doch gefühlt Welten entfernte Neapel. Elena Ferrante beschreibt die Stadt so eindringlich, dass man das Gefühl hat, tatsächlich da zu sein.

Krimis

Jean-Luc Bannalec: Bretagne-Krimis mit Kommissar Dupin
Seit 2012 erscheinen die Krimis rund um den Kommissar George Dupin, der im ersten Band von Paris in die Bretagne zwangsversetzt wird. Um die Identität des Autors rankten sich einige Mythen bis bekannt wurde, dass "Jean-Luc Banalec" der Künstlername des Lektors und langjährigen Verlegers Jörn Bong ist. Mit Dupin, wie auch den Inspektoren Kadeg und Riwal, hat er selten originelle Figuren in der Krimi-Landschaft geschaffen. Gerade Dupin als zugezogener Außenseiter eignet sich hervorragend für die liebevolle Beschreiung der bretonischen Landschaft, Bevölkerung und Eigenheiten. Zwischen Künstlerdorf, Tauchschule und Salzfeldern greifen die Kriminalfälle immer wieder zentrale Bestandteile des Lebens am "Ende der Welt" auf und sind so ein echtes Lesevergnügen für alle Bretagne-Fans uns jene, die vielleicht bald dazu werden.
  • KiWi, je 10 bis 11 Euro als Taschenbuch
Kate Penrose: Ben Kitto-Reihe auf den Scilly Inselns
Wer kennt die Scilly Inseln vor der Küste Cornwalls im Westen Großbritanniens? Ich jedenfalls hatte von diesen dünn besiedelten, bei Urlaubern jedoch äußerst beliebten Inselperlen noch nie gehört, bevor mir die Krimireihe mit Kommissar Ben Kitto unterkam. Kitto kehrt nach zehn Jahren in der Londoner Mordkommission auf seine Heimatinsel Bryher zurück und sieht sich in jedem der Bände mit Verbrechen konfrontiert, die nur von einer sehr eingeschränkten Zahl Menschen begangen werden konnten – jene nämlich, die auf der jeweiligen Insel wohnen und die sich untereinander natürlich alle gut kennen. Dieser Umstand, wie auch die eingängigen Beschreibungen der wilden Landschaften mitten im Atlantik und die Tatsache, dass die Krimis komplett im Präsenz verfasst sind, verleiht der Reihe ein ganz eigene, und überaus wirkungsvolle Dynamik.
  • S. Fischer, je 15 Euro als Paperback, 10 Euro als eBook

Kinder- & Jugendbücher

Eva Ibbotson: "Maia oder als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf"
Die verwaiste Maia wird mit einer Gouvernante, Miss Minton, nach Brasilien geschickt, um dort bei entfernten Verwandten zu leben. Die stellen sich aber nicht gerade als nett heraus. Dafür lernt sie Finn kennen und die beiden nehmen bald Reißaus – mit dem Boot über den Amazonas. Miss Minton fährt ihr hinterher und irgendwann muss dann auch, wie im Titel angekündigt, ihr Korsett dran glauben. Irgendwo zwischen Pippi Langstrumpf und Huckleberry Finn besticht das Buch mit unkonventionellen Figuren voll Lebensfreude und Abenteuerlust. Also, auf zum Amazonas!
  • dtv, 9 Euro als Taschenbuch, 7 Euro als eBook
Ann Brashares: "Eine für vier"
In der fünfbändigen Reihe "Eine für vier" dreht sich alles um eine Jeans, die auf wundersame Weise allen vier Freundinnen Lena, Bridget, Carmen und Tibby passt, obwohl ihr Körperformen so unterschiedlich sind wie ihre Persönlichkeiten. Im Sommer verstreuen sich die Mädels regelmäßig in alle Himmelsrichtungen. Die Jeans wird von einer zur nächsten geschickt – als Glücksbringer und materielles Zeichen der Verbundenheit, zusammen mit Schilderungen der Erlebnisse jeder der vier Freundinnen. Eine wunderbare Buchreihe über die Magie von Sommerferien, allein in die Ferne schweifen und das Gefühl, dabei doch immer Rückendeckung von den besten Freundinnen zu haben.
  • Random House eBook, je 7-8 Euro

Non-Fiction

Meike Winnemuth: "Das große Los: Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr"
Als die Journalistin Meike Winnemuth bei Günther Jauch 500.000 Euro gewinnt, beschließt sie, das Geld nicht etwa in eine Immobilie oder die Altersvorsorge zu stecken, sondern ein Jahr lang auf eine Weltreise der etwas anderen Art zu gehen: Je einen Monat lebt sie in Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba und Havanna. Nicht jede Station ist so, wie Winnemuth sich das vorgestellt hat, aber voller Tatendrang stürzt sie sich in jeden Tag und jede Begegnung. Das alles schildert sie in Briefen an die Daheimgebliebenen – mit trockenem Witz und großer Leichtigkeit. Eine großartige Erinnerung daran, dass das Leben jenseits der 40 noch lange nicht vorbei ist.