Hazmat Modine im Spiegelzelt: Im Rausch der Vielfalt

Alexander Ochs

Oktett komplett gilt es diesmal zu vermelden: Ein Jahr hat es gedauert, bis Freiburg die New Yorker Band Hazmat Modine in voller Besetzung erleben durfte. Denn beim letzten Zelt-Musik-Festival war ausgerechnet Wade Schuman ausgefallen, der Frontmann und einer der weltbesten Mundharmonikaspieler. Wie es diesmal war:

War Wade Schuman im Vorjahr noch wegen medizinischer Probleme – Nierensteine – in Tübingen abrupt aus dem Verkehr gezogen worden, so kann die New Yorker Schmelztiegel-Combo Hazmat Modine ihr heftig heißes Gebläse nun in voller Stärke anwerfen. Alle an Bord, und so mancher Besucher vom Vorjahr ist auch deswegen dieses Mal im Spiegelzelt aufgetaucht.

„Guten Tag. Wie geht’s? Alles klar?!“, raunt Wade Schuman flüssig ins Mikro, und allein für seine Anwesenheit dürften ihm alle Besucher dankbar gewesen sein. Den Blues im weitesten, weit verzweigten Sinne zelebrieren und zerdehnen er und seine Mitstreiter, diese tief in der Kultur der USA verwurzelten Roots Music. Das Bandkonzept besteht darin, den Blues-Mix mit einer dem Sound einer Brass Band zu kreuzen – Mississippi trifft auf Balkan. Das Bläserarsenal reicht von zwei Mundharmonikas, Trompete, und Sousaphon über verschiedene Saxofone und Klarinetten bis hin zur abgefahrenen armenischen Flöte namens Duduk.

Wortwitz und Spielwitz, tief bluesiger Gesang, auch mal Spoken-Word, Gitarrenklänge und rasiermesserscharfe Ritte auf der Mundharmonika steuert Schuman zum wilden Zaubergebräu seiner Truppe bei. Bei seinem wahnwitzigen Solo kann man in der vorderen Reihe sein Fußstampfen spüren und die Schweißperlen von seinen Ellenbogen tropfen sehen.

Doch auch eine ungewöhnliche sechssaitige Gitarre nimmt er zur Hand: „Das ist eine Käsereibe. Sie macht auch Toasts und spielt eine Art universellen Radiosender“; scherzt der Bandleader. „Sie stammt aus China, wurde mir aber von einem Typen in Texas als US-Produkt verkauft. Ich habe sie dann in New York noch modifiziert.“ Ungläubiges Staunen.

„I’ll do my solo now“, quakt Wade Schuman und verscheucht seine Bandmitglieder von der Bühne – positiv ausgedrückt: gönnt ihnen so eine kurze Verschnaufpause. Auch wenn er sich bei den ruhigen Passagen zurücklehnt und den anderen wie dem in seinem Sousaphon verschlungenen Tieftöner Joseph Daley den Vortritt lässt – Wade Schuman dominiert die Combo mehr, als man es gedacht hätte. Rochierten beim Gig im vergangenen Jahr noch quasi sämtliche Musiker übers Feld, so schienen sie diesmal mehr an imaginär vorgegebenen Positionen festzukleben. Dass die Musiker exzellent sind, steht außer Frage. Ihr Ruf hat sich mittlerweile herumgesprochen: Das Konzert war am Abend ausverkauft – und statt für 16 Euro am 22. spielten sie diesmal für gut 22 Euro am 16.

Dass es ein gutes Konzert war, steht ebenso außer Frage. Aber war es so gut wie beim letzten Mal? Nicht ganz. „Ich fand’s ganz okay“, meinte eine Freiburger Kulturschaffende. „Mir war es zu jazzig“, winkt ein sichtlich unzufriedener Konzertveranstalter ab. Dem Gros des Publikums scheint die Performance der bunten Truppe gut gefallen zu haben. Nach zwei Zugaben hält Schuman sein i-Phone in die Luft, auf dem das Konterfei eines Mannes prangt: „Das ist unser Manager. Und der hat gesagt – kein Scherz –, dass wir in 15 Minuten hier los müssen. Wir müssen die ganze Nacht nach Tschechien durchfahren.“ Auch hier ungläubiges Staunen.



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