Wohnen in Freiburg

Haus an der Freiaustraße 99 wird neues Projekt des Mietshäusersyndikats

Julia Littmann

Ein denkmalgeschütztes Haus, zwischen B31, Bahnlinie und Heinrich-von-Stephan-Straße wird statt von Spekulanten von seinen Bewohnern gekauft. Das gefällt auch dem Eigentümer.

Inmitten der städteplanerisch durchgestylten Heinrich-von-Stephan-Straße hält sich – rechter Hand vom Bahnhof kommend – ein Freiau-Riegel in fröhlichem Bullerbü-Look. Vier dreigeschossige Häuser dicht an dicht aneinandergebacken trotzen der Büromeile ein kleines bisschen Vergangenheit ab und stehen, damit das so bleibt, unter Denkmalschutz. Haus 99, seit Jahren in keckem Hellblau gestrichen, wird nun zu einem Hausprojekt des Mietshäusersyndikats. Eine Lösung, die nicht nur den Bewohnern, sondern auch dem Eigentümer gefällt.


Neun Bewohnerinnen und Bewohner leben auf den 233m2

Siegfried Ritter hat in der Freiau 99 während einiger Gymnasiumsjahre bei seiner Tante gewohnt. Seine Familie war hier schon seit Jahrzehnten zuhause. Das Haus wurde 1870 gebaut, sein Großvater hatte es um 1900 erworben. Im frisch renovierten Treppenhaus hängt hübsch gerahmt eine Feldpostkarte vom 5. Februar 1915, adressiert an Adelheid Ritter. Neben der Postkarte ein in Silber gefasstes Schwarzweißfoto von 1936 – Ritters versammelt vorm Haus in sommerlicher Gartenidylle. "Wir haben das immer sehr schön gefunden", sagt Viktoria Sauter, "dass unser Vermieter dem Haus so verbunden ist."

Die 25-jährige Studentin ist eine von neun Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses. Alle sind jung, die meisten studieren, einige arbeiten. Keiner hätte jetzt das Geld – oder auch nur den Gedanken daran, ein Haus zu kaufen. Als Siegfried Ritter den WG-Mitgliedern im Frühsommer von seinen Verkaufsabsichten erzählte, war das für sie alle erstmal bedrückend, erzählt Marius Huber, auch er ist 25 und studiert: "Was heißt das für uns? Kündigungen? Mieterhöhungen?"

Von lukrativeren Angeboten Abstand genommen

Einige kannten von Freunden das Mietshäusersyndikat – und begannen zu überlegen, unterstützt von erfahrenen Syndikatsmitgliedern. Schließlich konnte die Bewohnergruppe ihrem Vermieter einen Kaufvorschlag unterbreiten. Die anvisierte Kaufsumme von einer Dreiviertel Million Euro für 233 Quadratmeter Wohnfläche schien den Beratern realistisch, die Finanzierung nach dem bewährten Mix von Bankdarlehen und privaten Direktkrediten als Nachrangdarlehen schien machbar.

"Nachhaltig bezahlbaren Wohnraum zu erhalten, das leuchtet uns ein." Siegfried Ritter, Eigentümer
"Nach dem Syndikat-Modell", erklärt Stefanie Rudolf, 22, angehende Lehrerin, "ist der Hausverein Mitgesellschafter in einer Hausbesitz GmbH. Der andere Mitgesellschafter ist die Mietshäusersyndikat GmbH, die den Weiterverkauf des Hauses verhindert."

Das heißt: Mit diesem Haus ist keine Spekulation möglich. Eine Idee, die Siegfried Ritter überzeugte: "Nachhaltig bezahlbaren Wohnraum zu erhalten, das leuchtet uns ein." So sehr, dass er von lukrativeren Angeboten Abstand nahm und die Freiau 99 an die Projektinitiative verkauft. Wichtig für ihn: Die gute Idee, dass mit Wohnraum nicht spekuliert wird, auch die Professionalität und Verlässlichkeit der Berater vom Mietshäusersyndikat – und das junge Team im Haus. "Die aktuelle Generation von jungen Bewohnern ist sehr tatkräftig und fühlt sich dem Haus und dieser Idee verpflichtet – das wollen wir unbedingt unterstützen."

Die Projekt-Gruppe weiß das zu schätzen – und macht sich für das große Vorhaben stark. Ein Bankdarlehen steht, für die privaten Direktkredite wirbt die Gruppe mit einem Stand auf dem Wiehre-Markt und zeigte sich auch auf der Grünen Messe. Flyer und Internetauftritt tun ein übriges, um das Syndikat-Projekt bekannt zu machen. "Mir gefällt sehr, wie sich die jungen Leute da einsetzen", lobt Siegfried Ritter. Und sie tun es mit Erfolg. Von den benötigten 300.000 Euro Privatdarlehen fehlen nur noch 100.000 Euro. Im Februar soll der Verkauf über die Bühne gehen. Die Käufergruppe ist so zuversichtlich wie der Hausbesitzer, dass alles klappt.
Infos zum neuen Hausprojekt gibt’s unter:freiau99.org

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