Hat Stefan Strumbel den hässlichsten Rucksack der Welt designt?

Marius Buhl

Stefan Strumbel, der einzige badische Popkünstler, hat jüngst eine Taschen-Kollektion beim Münchner Luxus-Label MCM entworfen. Darunter ist auch ein Rucksack. Den hat das führende Männermodeblog Dandy Diary aus Berlin jetzt aufs Derbste zerrissen - und das hat seinen Grund:



Hip und hip verträgt sich nicht. So könnte man eine Petitesse über Stefan Strumbel, das Dandy Diary und die Luxus-Taschen-Marke MCM beginnen. Zum Verständnis: Stefan Strumbel, das ist dieser Schwarzwälder Kün'sch'tler, dieser (wie 'DIE WELT' einmal despektierlich titelte) Andy Warhol der Kuckucksuhren. Der einzige Pop-Künstler aus Südbaden, mit 7.269 Likes bei Facebook. MCM, das ist eine Luxus-Taschen-Marke aus München, die mal in der Kritik stand, weil der Geschäftsführer 55 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben soll, woraufhin der in die Schweiz flüchtete. MCM hat übrigens 120.000 Likes bei Facebook.

Die beiden, also MCM und Stefan Strumbel, arbeiten seit Neuestem zusammen. Wie passt das, könnte man fragen, wo der Badener doch poppige Kuckucksuhren designt und die Münchner schicke Ledertaschen für die Maximilianstraße? Es ist ganz einfach: Die What-the-fuck-is-Heimat-Designs werden - just as they are - auf MCM-Rucksäcke gedruckt. Ready, set, state of the art. So weit, so bunt, so hip.

Hier kommt nun aber das Dandy Diary ins Spiel. Und wenn die beiden Erstgenannten in der Bundesliga der Hipness spielen, dann ist Dandy Diary Champions-League-Sieger. Beweis? Die zwei Gründer von Dandy Diary, David Kurt Karl Roth und Carl Jakob Haupt (seriously!), schmeißen bei der Berliner Fashion Week regelmäßig eine Party. Die Dandy Diary Berlin Fashion Week Opening Party. Bei der ersten dieser Art drängten rund 400 Menschen in den Szene-Club 'Flamingo'. Weitere 800 wurden vom Türsteher abgelehnt. Der Club war voll. Bei der darauffolgenden Party war ein lebender Elefant zu Gast. Die FAS nennt das Event folgerichtig das 'spektakulärste der Modewoche'. Dandy Diary hat übrigens 16.000 Likes bei Facebook.

Zeit für etwas Inhalt? Hier kommt er: Die Herren David Kurt Karl und Carl Jakob haben Strumbel und MCM heute auf dandydiary.de so richtig zerfetzt. Hier im Wortlaut:

Die MCM x Stefan Strumbel Backpacks würden wir nicht einmal unseren größten Feinden auf dem Buckel wünschen.

Die Teile sind einfach sauhässlich. Die Kunst von Stefan Strumbel ist  - nun ja – sagen wir mal freundlich "sehr reichhaltig". Er erschafft aus Kultgegenstände wie Kuckucksuhren oder Holzmasken Kitsch-Kunst.

Doch die Kitsch-Kunst von Stefan Strumbel hat nichts auf einer MCM Tasche verloren. Too much, much too much, too much – um Bonaparte zu zitieren. Dass das nicht funktioniert, hätte alle Beteiligten im Laufe des Design-Prozess klar werden müssen.

Doch zu dieser weisen Einsicht, zu einem Moment der Klarheit kam es leider nicht. So wurden quietschbunte, grelle, kitschige Motive von Strumbel auf MCM Taschen geklatscht.


Muss uns das kümmern? Definitiv. Wir, als modemögende Badener, müssen uns fragen: Halten wir zu Strumbel, dem Lokalpatriotismus und der Heimat wegen, und finden den Rucksack fancy? Oder glauben wir den hipperen Jungs aus Berlin (Berlin!) und finden den Rucksack scheiße?

Vielleicht halten wir es (wie es in Modefragen generell ratsam ist) mit Karl Lagerfeld. Würde der Modemaestro sich den knalligen Rucksack auf den Rücken schnallen? Wohl kaum: zu bunt, zu wenig schwarz-weiß. Was er aber hat, der Karl, - so sagt man - ist ein Strumbel in der Wohnung. Ganz klassischüberm Bett, wo der Strumbel auch hingehört. Womit uns nur noch - altklug und altdeutsch - anzufügen bleibt: Strumbel, bleib bei deinen Leisten.

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Fotos: MCM

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