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Gründen in der Krise: Zwei Freiburgerinnen starten ein Fair-Fashion-Label

Gina Kutkat

Hannah Peper und Romana Eßlinger kündigten ihre Marketing-Jobs, um das Fair-Fashion-Label "Sonho Stories" zu starten. Ihre fairen Basics werden in Portugal produziert – und das mitten in der Pandemie.

Gründen in der Krise

Wenn eine Idee, geboren im betrunkenem Zustand, zu einem Geschäftsmodell wird, muss es eine gute Partynacht gewesen sein – und eine gute Idee. Die durchzechte Nacht erlebten Hannah Peper und Romana Eßlinger Anfang 2019 in Freiburg, als sie sich durch gemeinsame Freunde kennenlernten. Die beiden verstanden sich gut, sprachen über ihre Jobs, die Welt und Mode – und landeten dann beim Thema Fair Fashion. "Je später der Abend, desto tiefer schauten wir ins Glas", erzählt Hannah, 28. Vom Kastaniengarten ging es ins Café Ruef, dann in den Alten Simon, und als das letzte Glas Wein getrunken war, stand ihre Idee fest: Die Beiden wollten ein Fair-Fashion-Label zusammen gründen und feingearbeitete Basics produzieren. Ob weißes T-Shirt oder klassische Bluse: Modisch unaufgeregt sollte es sein.

Fast zwei Jahre später sitzen die beiden studierten BWLerinnen im Zoom-Meeting und sprechen von ihren Visionen, die sie für ihr gegründetes Label "Sonho Stories" haben: "Die Modeindustrie verändert sich gerade – und wir wollen dabei sein", sagt Hannah. "Wir finden, dass es noch viel Potential nach oben gibt, was den Verbrauch von Plastik aber auch die Transparenz eines Unternehmens angeht." Die Corona-Pandemie sei zwar eine Herausforderung gewesen, ergänzt Romana, 29. "Aber die Krise spielt uns auch in die Karten. Viele Marken gehen den Weg der Langlebigkeit und Menschen denken viel mehr darüber nach, was sie kaufen und wie viel sie kaufen." Und genau dort wollen die Beiden mit ihrem Label ansetzen.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"
fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Überblick: Alle Teile der Serie "Gründen in der Krise"

Die Idee

Die Geschichte von "Sonho Stories" beginnt mit einem Bedürfnis. "Es ist schwierig, schicke und moderne Designs im Fair-Fashion-Bereich zu finden", sagt Romana. "Mit unserem Label möchten wir das einfacher gestalten." Wie Hannah ist sie schon immer an Mode interessiert, "aber früher eher als Hobby." Die Modeindustrie war ihr oft zu oberflächlich. Als sie sich durch ihr Studium mehr für Nachhaltigkeit interessiert, merkt sie, dass es genau dort eine Lücke gibt. Auch Hannah kommt irgendwann an den Punkt, an dem sie ihre Liebe für Mode nicht mehr mit ihrem Privatleben vereinbaren kann. "Fast Fashion ging für mich einfach nicht mehr, es passt nicht zu meinem nachhaltigen Lebensstil."

Ihre Vision ist es, die Modeindustrie ein Stückweit zu verändern. Dafür steht auch der Name "Sonho Stories", das man "Sono" ausspricht. Das Wort kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet "Traum". Der Labelname hat einerseits eine Verbindung zu Hannahs Großeltern, die lange in Brasilien lebten. Andererseits spannt es einen Bogen zum Produktionsland Portugal. "Faire Arbeitsbedingungen und ein gewisser Qualitätsstandard waren uns wichtig", sagt Romana. Dass sie ihre Designs nicht in Übersee produzieren lassen können, war somit schnell klar. Die Zusammenarbeit mit den portugiesischen Produzenten macht eine nachhaltige und transparente Produktion möglich. "Und wir können hinfahren und vor Ort dabei sein", sagt Hannah.



BWL meets Mode

Hannah Peper und Romana Eßlinger haben beide Erfahrungen in großen Firmen, die sie nun in ihr eigenes Label einfließen lassen können. Hannah studierte BWL in Mannheim und arbeitete danach für einen großen Modekonzern im Verkauf. "In der Zeit entstand meine Leidenschaft für innovatives und klassisches Design", erzählt sie. Ihre nächste Station führte sie zu einem Schweizer Möbelhersteller, für den sie erst im Verkauf und dann im Marketing arbeitete. Romana hat ihren Management-Master an der Uni Hohenheim absolviert und danach drei Jahre lang im Controlling eines Großkonzerns gearbeitet. "Das Kaufmännische hat mich nicht ganz überzeugt, ich wollte nochmal was anderes machen."

Anfang 2020 kündigen beide ihre Jobs und beginnen, an einem Businessplan zu schreiben. Im April gründen sie "Sonho Stories". Im Arbeitsalltag teilen sich die Beiden die Aufgaben auf: Hannah kümmert sich ums Marketing, den Verkauf und den späteren Kundenservice. Romana ist verantwortlich für die Finanzen, Online-Handel und die Abstimmung mit den Produzenten. Was ihnen Wichtig ist: Beide sind von Anfang an in die Designs und die Produktion involviert. Die Modezeichnungen lassen sie von einer Freiberuflerin anfertigen. "Aber alle Ideen stammen von uns", so Romana.
Sonho Stories: Instagram

Sonho Stories

Schick und modern, zeitlos und einfach zu kombinieren. Hannah und Romana wollen Basics designen, die lange getragen werden können – und die sie auch selber tragen würden. Und sie wissen genau, was ihre Marke beinhalten soll: Fair hergestellte Produkte, für die kein Plastik verwendet wird und eine fühlbar hochwertige Qualität. "Wir haben einen hohen Anspruch ans Design und springen garantiert nicht auf jeden Farbtrend auf", sagt Hannah.

Ihre erste Kollektion besteht aus fünf Teilen: Weißes Shirt, weiße Bluse, schwarze Camisole, beiger Pulli und ein Hoodie. Die Designs sind in erster Linie für Frauen, später sind auch Unisex-Schnitte denkbar. "Wir warten gerade auf die ersten Samples", sagt Romana. Wenn die eingetroffen sind, gibt’s das erste professionelle Fotoshooting. Auch eine Crowdfunding-Kampagne soll im Dezember starten, um die nächste Produktion vorzufinanzieren.

Preislich liegen die Basics zwischen 40 und 130 Euro. Zuerst soll die Kollektion über einen Online-Shop verkauft werden, "langfristig wollen wir natürlich gerne in den Handel", sagt Hannah. Und das Label irgendwann von der Nebenbeschäftigung zum Hauptberuf zu machen. "Das ist unser Traum", sagt Romana.

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