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Gründen in der Krise: Winzer Martin Räpple aus Oberrotweil und seine Fasskollektion

Gina Kutkat

Martin Räpple ist 29 Jahre alt und Winzer am Kaiserstuhl. Am 15. April, mitten in der Corona-Krise, hat er seine erste Weinkollektion rausgebracht. Warum ihm die Krise nichts ausmacht und was Freundschaft für ihn mit Wein zu tun hat?

Gründen in der Krise

Fünf Weine aus fünf Fässern in fünf Flaschen zu bekommen, die fünf verschiedene Charaktere widerspiegeln und die sich jeder leisten kann – das ist schon in normalen Zeiten eine schwierige Aufgabe. In der gegenwärtigen Krise sind immerhin viele Menschen zu Hause und viele von ihnen haben Lust, guten Wein zu trinken. Deshalb spielt es für Martin Räpple aus Oberrotweil auch keine besondere Rolle, dass er seine Fasskollektion mitten in der Pandemie rausgebracht hat.
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"Einfach machen", ist das Motto des 29-Jährigen Winzers, der über seinen Wein spricht, als wäre er ein guter Freund. Jemand, auf den man sich verlassen kann, ohne, dass es viele Worte braucht. Montagnachmittag, draußen regnet es endlich mal wieder, das freut den Winzer. "Denn dann geht es den Reben gut." Und er selbst hat Zeit, über Ehrlichkeit, Freundschaft, Gemeinschaft und Natürlichkeit zu reden. Dinge, die er in seinem Leben und in seiner Arbeit als Winzer schätzt.

Die Idee

Die Geschichte seiner Fasskollektion ist auch eine Geschichte über Freundschaft, das ist ihm wichtig. "Natürlich stehe ich als Winzer dahinter, aber mit mir auch meine Freunde", sagt Martin Räpple. Die Vernetzung und der Austausch mit seinen Kollegen vom Kaiserstuhl – er nennt sie Winzer-Buddies – waren die Wurzel der Idee zu seiner ersten eigenen Kollektion. "Von ihnen habe ich viel über Wein gelernt," sagt er. Mit Julian Huber vom Weingut Bernhard Huber, Friedrich Keller vom Weingut Franz Keller Schwarzer Adler und Fabian Vögtle von der Mundart-Destillerie trifft er sich regelmäßig; sie probieren verschiedene Weine, reden und philosophieren darüber. Auch die Verbindung zu den Jungen Winzern Oberrotweil ist eng.

"An einem Abend entstand die Idee zur Kollektion, angelehnt an eine Kollektion aus der Mode", erzählt er. Und so, wie es in der Mode verrückte, verspielte und simple Designs gibt, muss man auch beim Wein seine eigene Linie finden. Bei Martin Räpple ist sie geradlinig und schlicht. Denn die Eigenschaften eines Weines sollten auch immer zu denen des Winzers passen. "Von mir gibt’s immer die ungeschminkte Wahrheit", sagt Räpple. "Ich verstelle mich nicht." Und das tun auch seine Weine nicht.



Der Winzer

Der 29-Jährige gehört zu einer Generation junger Winzer vom Kaiserstuhl, die einerseits die Traditionen ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern weiterführt, aber trotzdem ihren eigenen Stil mit einbringt. "Meine Familie macht seit 1492 Wein", erzählt er. "In der fünften Generation." Gelernt hat er das Winzerhandwerk bei Josef Walz in Heitersheim und bei Bernhard Koch in Hainfeld. Vor einigen Jahren ist er in den Wein- und Obstbaubetrieb seines Vaters eingestiegen. Dieser habe ihn zwar nie ins Familienunternehmen gedrängt, "aber gefreut hat er sich schon, als ich mich dazu entschieden habe."

Denn es war nicht immer klar, ob er dem Kaiserstuhl treu bleibt. "Irgendwann wollte ich einfach mal raus, größere Städte kennenlernen", erzählt er. In Mainz studierte er Business Administration auf Bachelor; jeweils sechs Monate verbrachte er in London und South Carolina. Bis es ihn wieder in die Reben zog. Seine liegen am Kirchberg, Henkenberg, Eichberg und am Käsleberg und benötigen aufgrund der Bodenbeschaffenheit und des besonderen Klimas nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch viel Weinwissen. Die Bewirtschaftung seiner Reben richtet Martin Räpple nach seinem Prinzip aus: "Nur das Beste vom Besten".
fudder-Serie "Gründen in der Krise"

fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Weinherstellung

Nicht 100 Prozent Bio, aber auch nicht 100 Prozent konventionell. Für Martin Räpple gibt es nicht nur schwarz und weiß, er versucht, seinen Weg in der Mitte zu finden. Für ihn braucht ein guter Wein ein starkes Fundament aus Boden, Mikroklima, Kellertechnik und viel Erfahrung. Trester, also der Pressrückstand der Trauben, dient ihm als natürliches Düngemittel, das er zusammen mit Bienenweidemischungen sowie Kraut- und Blumenmischungen in die Weinberge einarbeitet. "So wird die Bodenaktivität erhöht", erklärt er.

Außerdem setzt er sogenannte Klone ein, qualitativ gezüchtete Rebstöcke, die mehr Geschmack in den Wein bringen. Die Trauben werden per Handlese geerntet und dann als Ganzes gepresst – sie werden also nicht von den Stielen gelöst. Das macht die Weine frischer und sorgt für einen "Grip am Gaumen", so Räpple. Was sich am Gaumen noch widerspiegelt? Die besondere Beschaffenheit des Bodens am Kaiserstuhl, bei dem Vulkanverwitterungsgestein und Kalk aufeinandertreffen. "Das ergibt dann eine reine Mineralik."

Die Kollektion

Die Fasskollektion besteht aus fünf Weinen, die durchnummeriert sind: Weißburgunder, Grauburgunder, Weißburgunder Chardonnay, Rosé und Spätburgunder. "Es ist quasi eine Zusammenstellung der besten Weine aus dem Keller", sagt Martin Räpple. "Verschiedene Freunde waren beteiligt und das schmeckt man auch." Jeder Wein steht für sich, verbindet sich aber auch mit den anderen. Es gibt die floral-feminine Variante, einen kernigen Grauburgunder und einen anspruchsvollen Rotwein.

"Eine gewisse Wertigkeit war mir wichtig", erzählt der Winzer, der seine Weine im Winzerverein Oberrotweil abfüllt. "Es sollte sich aber trotzdem jeder eine Flasche leisten können." Neun Euro kostet eine Flasche, erhältlich im Online-Shop oder in Freiburg in der Weinhandlung Drexler – dort waren die ersten 120 Flaschen übrigens innerhalb von fünf Tagen vergriffen.
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