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Gründen in der Krise: Lucia Gandolfo bringt handgewebte Unikate auf den Markt

Sarah Golombeck

Lucia Gandolfo startet mitten in der Krise ihr Label "tribù L" und stellt handgewebten Schmuck und Wohndeko her. Mit fudder sprach sie über die Schwierigkeiten, im Lockdown ein Label zu Gründen und wie es ist, das Hobby zum Beruf zu machen.

Gründen in der Krise

Schon eigentlich immer liebte es Lucia Gandolfo, Handarbeiten anzufertigen und sich in kreative Arbeit zu stürzen. Zu Geburtstagen oder besonderen Anlässen von Freunden und Familie, gestaltete die geborene Schweizerin aufwendige und liebevoll Handarbeiten und verschenkte sie mit großer Freude. Dieses Hobby hat sie nun zum Beruf gemacht und im November 2020 – mitten in der Krise – ihr Gewerbe angemeldet. Durch den Lockdown und die geschlossenen Geschäfte dürfen ihre Arbeiten bis her nur online bewundert und bestellt werden.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"

fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Überblick: Alle Teile der Serie "Gründen in der Krise"

Die Idee

Lucia Gandolfo, 37 Jahre alt, ist in der Schweiz geboren. Durch ihren Mann hat es sie nach Freiburg verschlagen. Die gelernte Friseurmeisterin vertiefte sich über die Jahre immer mehr in ihre Handarbeiten. Vor anderthalb Jahren fand sie durch einen Workshop von Gabriela Martin in Sankt Georgen zum Weben. Begeistert lernte sie immer mehr dazu – und schaffte sich einen Webrahmen an. Besonders die Herstellung von Ketten hat es ihr angetan.

Nach einer Weile hatte sie so viele Ketten angefertigt, dass ihr ganzer Umkreis bereits damit versorgt war. Da auch die Nachfrage für umweltbewusst und nachhaltig hergestellte Produkten immer größer wird, verspürte sie den Wunsch, der Welt ihre Arbeiten anzubieten. Zudem lässt sich ihr Label sehr gut mit dem Familienleben mit Kindern kombinieren. Der Wunsch wurde letzten November endlich Wirklichkeit – das Label "tribù L" wurde gegründet. " tribù" ist italienisch für "Volksstamm, Familienbande oder Klan" und repräsentiert für Lucia eine "farbenfrohe Gemeinschaft". Das "L" steht für Lucia.



Der richtige Zeitpunkt

Für Lucia war es klar, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie ihr Kleingewerbe anmelden werde. Letztes Jahr ergab sich die Möglichkeit, im Webraum von Gabriela Martin in Sankt Georgen im Rahmen einer Weihnachtsausstellung zum ersten Mal ihre Arbeiten zu präsentieren. Dieses löste eine Kettenreaktion aus – die Website wurde designed und das Label angemeldet. Obwohl es durch die Krise für Lucia schwierig ist, Ausstellungsplätze zu finden, "war es einfach der richtige Zeitpunkt, länger hätte ich nicht warten wollen."

Die Produkte

Die Produkte, die Lucia Gandolfo anbietet, sind alles handgefertigte Unikate. Ein Großteil der Materialien besteht aus recyceltem oder upcyceltem Garn. Einige Garnreste stammen aus Sizilien – ihre Mutter und Freundinnen versorgen sie regelmäßig mit neuer Wolle. Alles besteht jedoch aus 100 Prozent natürlicher Baumwolle und Holz. Lucia legt großen Wert darauf, dass die Produkte nachhaltig gestaltet werden. Schmuck und Wohndeko kosten zwischen 20 und 60 Euro.

Die Idee, Schmuck zu weben, ist doch eher ungewöhnlich. "Beim Weben denkt man eher an Kissen, oder Teppiche," meint Lucia Gandolfo. Dass durch diese Technik Schmuck entsteht, ist etwas Neues. Nicht nur das Gewebte macht Lucias Produkte einzigartig: auch die vielen bunten Farben und Farbkombinationen machen die Schmuckstücke zu einem echten Hingucker. Dadurch sprechen sie Frauen und Männer an, die auf der Suche nach etwas farbenfrohem und individuell Gestaltetem sind. Zudem bietet sie auch liebevoll gestaltete Wohndekoration und Fadengrafik Produkte an. Es besteht die Möglichkeit, auf Wunsch ein Stück nach eigenen Farbvorstellungen anfertigen zu lassen.

Der Ausblick

Lucia Gandolfo wünscht sich, gut Fuß zu fassen mit ihrem neuen Label. Wenn die Geschäfte wieder öffnen wird sie sich auf die Suche nach Ausstellungsplätzen machen. Für die Zukunft wünscht sie sich ihre beiden Leidenschaften – das Weben und Haareschneiden – zusammen zu führen. Ein eigener Salon, in dem auch ihre Produkte ausgestellt und verkauft werden, ist eine Vision und ein Wunsch für die Zukunft.

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